Link: Wenn der Postmann zweimal klickelt oder meine persönliche Hausdurchsuchung (tarnkappe.info)

Kommentar von „Dennix“:
„Ich frage mich immer wieder wie leichtsinnig einige Konsumenten in der Szene unterwegs sind. Da wird konsequent auf den „Schutz“ der anonymen Betreibernetzwerke von Usenet-Foren, OCH-Foren, Ebook-Spender vertraut und der VPN-Einsatz einfach ignoriert und als nicht nötig deklassiert. Und dann noch nicht mal die Festplatten vollverschlüsseln, obwohl es ein paar Klicks sind die zuverlässig davor schützen, dass ein Anfangsverdacht überhaupt erst bestätigt werden kann. Eine HD dient genau dazu: Den Anfangsverdacht durch dingliche Beschlagnahme von Beweisen zu sichern. Schutz vor HD: Einen VPN benutzen. Ihr macht es den Ermittlungsbehörden einfach zu leicht. Wie kann man nur so leichtsinnig sein.[…]“

Mein erster Gedanke zu diesem Kommentar: „Richtig!“
Dann ist mir aufgefallen, dass ich all diese Vorsichtsmaßnahmen auch nicht befolge…

Ich bewege mich nun schon seit mehr als 15 Jahren am Rande der Warez-Szene. Als ich das erste Mal einen Film heruntergeladen habe, wurde dieser mir von einem „Internet-Freund“ im Verlauf von zwei Tagen per IRC geschickt. „Road Trip“, auf englisch (was ich damals noch nicht besonders gut beherrscht habe, aber ich kannte den Film ja schon) in einer 200MB großen .asf Datei.
Ich bin mir heute nicht einmal mehr sicher, ob ich mir die Datei jemals komplett anschaut habe, denn die Qualität war schlecht, die Sprache für mich nur sehr schwer verständlich und der Film, den ich schon kannte, nicht wirklich so toll, dass ich ihn ein zweites Mal sehen musste…

Aber der Punkt war: Mir hatte jemand einen kompletten Film über das Internet zugeschickt und den hatte ich jetzt auf meinem Computer!!!

In den Jahren danach war ich in der „FXP-Scene“ aktiv:
Ich habe miterlebt, wie Filme und Musik über ein riesiges Netzwerk aus öffentlichen und privaten FTP-Servern, hin und her geschoben wurden.
Um von diesen Servern für den eigenen Bedarf herunterladen zu dürfen, musste man ein monatliches Pensum an „W4R3Z“ (Leetspeek und Caps waren damals noch voll in Mode!) auf diesen Hochladen, das für einen gut sortierten, aktuellen und schnellen Server bei Weitem die Möglichkeiten eines einzelnen Nutzers überstieg. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, brauchte man eine komplette FXP-Crew.

Ich war über die Jahre in diversen mehr oder weniger erfolgreichen Crews. Was wir damals getan haben, war im Prinzip der Vorläufer der P2P-Netzwerke:
Wir haben Daten ausgetauscht und im Gegenzug für das, was wir uns heruntergeladen haben, Downloadmöglichkeiten für andere User des Netzwerkes bereit gestellt.

Damals war das allerdings noch sehr viel mehr Arbeit, denn Serverkapazitäten im benötigten Ausmaß standen damals keiner Privatperson zubezahlbaren Preisen zur Verfügung. Wir mussten also improvisieren, aber glücklicherweise war es damals mit Recht und Gesetz im Internet noch nicht allzu weit herbestellt…
Anders gesagt: Was die Jugendlichen meiner Generation im Internet so an Blödsinn angestellt haben, bezeichnet man heutzutage als Cyberkriminalität.

Ich war damals nicht besonders tief in der Warez-Scene. Die Gruppierungen, zu denen ich Kontakt hatte, waren für die Szene etwa so wichtig wie ein paar örtliche bis überregionale Fußballvereine für die Weltmeisterschaft. Ich war ein unbedeutendes, kleines Licht.

Nichtsdestotrotz war ich, was für einen computeraffinen Jugendlichen nicht allzu ungewöhnlich war, Mitglied in diversen Gruppierungen, die durchaus mit dem Spiegelbest-Forum vergleichbar sind, das nun nach langer verdeckter Ermittlung zerschlagen wurde. Die Dinge, in die ich involviert war, waren aus der heutigen Perspektive um ein Vielfaches krimineller als das, was die Verfassering des obigen Artikels getan hat, um eine Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung ihrer Daten und Geräte und noch unbekannte rechtliche Konsequenzen zu verdienen.

Was mich trotz Allem davor gerettet hat, jemals Probleme mit der Justiz zu bekommen: VPNs, verschlüsselte Festplatten und andere penible Sicherheitsmaßnahmen waren es mit Sicherheit nicht…

Nachdem ich schon von meiner ersten Online-„Raubkopie“ berichtet habe:
Meine wirklich erste „Raubkopie“ war eine VHS auf der „Der König der Löwen“ mit einer Videokamera abgefilmt worden war und die mein Vater (Polizist) von einem Arbeitskollegen bekommen hatte, um sie für ihn zu kopieren, weil wir über luxuriöse zwei Videorekorder verfügten. Bei dieser Gelegenheit hat mein Vater dann natürlich auch eine Kopie für uns gemacht und von dieser wiederum diverse Kopien für unseren Freundes- und Bekanntenkreis erstellt.

Ein anderer Kollege meines Vaters hat uns damals mit PC-Sachen geholfen, also Hardware kaufen und einbauen, Software installieren, usw. Von ihm hab ich gelernt, wie man Computer zusammenschraubt, raubkopierte Software installiert und vervielfältigt und Musik-CDs brennt.

Während heutzutage immer mehr Leute überlegen, was in dieser Hinsicht erlaubt ist und was nicht, herrschte damals ein sehr simpler Tenor: „Toll, man kann Musik/Filme/Spiele/Programme bekommen, ohne dafür zu bezahlen!“.
Und was die Polizei dagegen unternommen hat: siehe oben

Heutzutage sind die Zustände anders: Das Internet ist sehr viel besser überwacht als früher und die Polizeibeamten, die noch in einer Welt groß geworden sind, wo es schlicht und einfach eine nette Geste war, einem Bekannten eine Kassette zu überspielen oder ein gelesenes Buch an einen Freund weiterzugeben, machen Hausdurchsuchungen bei netten Damen, die ihren Buchzirkel ins Internet verlegt haben.

Wenn heute jemand meine Aktivitäten im Internet überwachen würde, wäre das Resultat ziemlich durchschnittlich. Ich tue nichts, was für die Strafverfolgung, Geheimdienste oder etwaige unbekannte Verschwörungen interessant wäre:

  • Meine kriminellen Aktivitäten entsprechen etwa denen des Durchschnittsnutzers, aber ich halte mich dabei immer auf sicherer Distanz zu den Netzwerken, die gerade unter Beschuss stehen.
  • Ich bin politisch interessiert, aber nicht aktiv.
  • Ich habe, wie jeder andere Mensch, meine Leichen im Keller, die mir furchtbar peinlich sind, aber nichts davon ist juristisch relevant.
  • Ich verschlüssele sporadisch meinen Datenverkehr. (Klingt spannender als es ist, denn die meiste Zeit war das einfach nur ein Nebeneffekt des VPN, den ich benutzt habe, um US-Netflix sehen zu können.)

Warum sich mein Profil vom „cyberkriminellen“ Jugendlichen zum harmlosen Durchschnittsbürger gewandelt hat:

Eigentlich ist das ziemlich von selbst passiert… Ich wusste immer schon relativ gut, wo die Grenzen liegen, habe unötig große Risiken vermieden und bei weniger riskanten Unternehmungen ein Minimum an Vorsicht walten lassen.

Ich gebe monatlich bis zu 10€ für Dienstleistungen wie OCH-Multihoster, VPN, Remote-Torrent-Downloader, etc aus. Das ist selbst für mich kein besonders großer Betrag und die Vorteile (auch bei gesetzestreuer Nutzung des Internets) sind vielfältig.

Hier hört es aber auch schon auf mit meiner Vorsicht im Internet. Ich benutze weder Tor, noch habe ich meinen Rechner komplett verschlüsselt. Auch den VPN benutze ich nur sporadisch.
Mein bester Schutz vor Online-Überwachung besteht in einer sicheren Verbindung zu irgendeinem halbseidenen Unternehmen irgendwo im Ausland, wo die Copyright-Verfechter rechtlich nichts tun können. Glaube ich zumindest…

Anders gesagt: Meine Schutzmaßnahmen sind rudimentär und so unvorsichtig, wie ich für gewöhnlich mit meiner Anonymität bin, dürfte es keiner Behörde schwer fallen, beispielsweise dieses Blog auf mich persönlich zurückzuführen. Auch Google und Facebook wissen vermutlich so gut wie alles über mich.

Ich könnte jetzt ausgiebig erklären, dass ich mich vom durchschnittlichen Internetnutzer insofern abhebe, dass mir das Ausmaß meiner Anonymität im Netz immer bewusst ist und ich mich über die aktuellen Entwicklungen in der Netzpolitik auf dem Laufenden halte, weshalb ich auch immer weiß, welche Kanäle für Warez gerade im Interesse der Ermittlungen stehen, aber um ehrlich zu sein, besteht mein gesamter Schutz vor rechtlichen Problemen wegen Raubkopien in der Einhaltung einer einzigen, simplen Regel.

Ich gebe in Bezug auf Warez nie etwas zurück:

  • Ich bezahle kein Geld für illegale Download-Angebote.
  • Ich nutze keine P2P-Netzwerke.
  • Ich poste niemals einen eigenen Upload in den Foren, in denen ich Downloads finde.
  • Ich verlinke gute Quellen nicht für meine Freunde.
  • Ich bedanke mich allerhöchstens per Klick auf einen automatisierten Bedankomat, wenn erst dadurch der Link sichtbar wird.

Ich bin das, was man in der Warez-Scene als „Leecher“ bezeichnet:
In meiner Jugend bezeichnete dieser Begriff einen Parasisiten, der verachtet und aus Foren vertrieben wurde. Heute hingegen fühle ich mich in derselben Position eher wie ein geschätzter Kunde:

Seit die Medienindustrie gezielt Jagd auf Privatpersonen macht, die nicht ausschließlich selbst konsumieren, ist die Warez-Scene zu einem lukrativen Geschäftsfeld geworden.

Ich bezahle niemals direkt Geld für Warez. Ich „verschenke“ auch keine Amazon-Gutscheine für den Zugang zu Büchern. Ich bin nur Kunde eines legalen Services, der mir (neben anderen Leistungen) schnellere Downloads von diversen Filehostern erlaubt. Diese Filehoster sind wiederum legale Services, die es jedem erlauben, Dateien dort zu veröffentlichen und für unbegrenzten (= schnellen) Zugriff auf die Downloads wiederum Geld verlangen.

Um möglichst viel Marktanteil zu bekommen, bieten diese legalen Filehoster den Uploadern natürlich einen Anreiz, genau ihren Service zu nutzen:
Wer eine besonders beliebte Dateien hochläd und indirekt für viel zahlende Kundschaft sorgt, kriegt eine Provision.

Logischerweise werden diese Angebote nicht in erster Linie für legale Inhalte genutzt…

An die Stelle der engagierten Upper aus meiner Jugend sind nun etwas kapitalistischere User getreten, die im großen Stil Warez auf den beliebtesten Filehostern spiegeln und mit Glück dafür ordentliche Provisionen von den Filehostern abgreifen, bevor sie gesperrt werden, weil dem Filehoster auffällt, dass sie ja die ganze Zeit illegale Sachen verbreitet haben.

Auch die Filehoster bewegen sich großteils im Graubereich der Legalität: Um möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften, muss ein Hoster attraktiv für seine Kunden bleiben und für die meisten seiner Kunden ist er genau dann maximal attraktiv, wenn alle illegalen Downloadanbote auf diesem Hoster verfügbar sind.

Gleichzeitig muss aber natürlich das Ganze „legal“ bleiben. Das heißt, es muss den Rechteinhabern aus der Medienindustrie eine Möglichkeit gegeben werden, Beschwerde einzureichen, wenn eine Datei ihre Urheberrechte verletzt. Angelehnt an den „Digital Millenium Copyright Act“, der in den USA eine tragende Rolle bei der Einführung von Online-Urheberrechten spielte, wird dieser Vorgang im Allgemeinen als „DMCA Notice“ bezeichnet.
Im Grunde genommen, unterscheidet sich der DMCA-Vorgang bei einem Hoster, der sein Geld primär mit Warez verdient, nicht von dem eines seriösen Anbieters wie Youtube. Der „Warez-Hoster“ hat aber natürlich viel weniger Personal zur Verfügung, um diese Beschwerden zu verarbeiten. Auch seine Erkennungsmethoden für erneute Uploads illegaler Dateien sind viel weniger effektiv… In anderen Worten: Der „Warez-Hoster“ kommt seinen Verpflichtungen zwar widerwillig nach, tut aber sein Bestes, um die Vorgänge zu verlangsamen.

Auch die Auszahlung der Provisionen darf natürlich nicht stattfinden, wenn der Uploader als Folge eines solchen Vorgangs gesperrt wurde. Dem Hoster bringt das die Möglichkeit, einen Großteil der „erarbeiteten“ Provisionen ihrer Nutzer einfach für sich zu behalten. In manchen Fällen heißt es aber natürlich dann nur noch: „Mist, wir haben mal wieder was ausgezahlt und erst im Nachhinein bemerkt, dass der Upload illegal war…“

Rechtlich lässt sich dagegen nur schwer vorgehen, aber es bleibt ein offenes Geheimnis, dass die meisten sogenannten „One Click Hoster“ (kurz: OCH) ihr Geld damit verdienen, bewusst die Verbreitung von Raubkopien zu fördern.

Die Warez-Scene ist zu einem Geschäftsfeld geworden, in dem folgende Skills erforderlich sind:

  • Vertrieb von illegalen Waren
  • Verschleierung von Geldbewegungen
  • Absicherung gegen Strafverfolgung
  • Kundenzufriedenheit

Traditionell führt ein berufliches Betätigungsfeld mit den oben genannten Voraussetzungen zu organisierter Kriminalität und auch in der Warez-Szene haben angesichts der massiven Verfolgung frustrierte Idealisiten den Berufkriminellen das Feld überlassen.

Im Gegensatz zur Warez-Szene meiner Jugend, besteht das „Gewerbe Raubkopien“ heutzutage in erster Linie aus skrupellosen Cyberkriminellen, die nicht aus irgendeiner Ideologie heraus Medienerzeugnisse mit der Allgemeinheit teilen wollen.

Für diese Unternehmen ist ist die „Szene“ ein lukratives Geschäft mit verhältnismäßig niedrigem Risiko. Zusätzlich bringt es ein gewisses Maß in Reichweite im Internet, die sich natürlich für andere, illegale Zwecke nutzen lässt.

Und dann gibt es eben noch die Idealisten:

Obwohl Spiegelbest nicht immer die besten Entscheidungen getroffen hat, hat er sein Projekt offensichtlich nicht aus finanzieller Motivation gegründet. Seine Organisation bestand nicht aus professionellen Cyberkriminellen, sondern aus lesebegeisterten Normalbürgern (und einem verdeckten Ermittler im Auftrag der Medienindustrie).

Er selbst wirkte auch weniger wie ein ausgebuffter Verbrecher als wie ein jung gebliebenes Mitglied der selben Szene, in der ich und meine Freunde uns früher bewegt haben.
Sein Projekt ist der Jugendtraum meiner Generation: Etwas Großes erschaffen! Die Welt verändern! Wichtig sein! Etwas Gutes tun! …

Keine der Personen, die durch diesen „Ermittlungserfolg“ gefasst wurden, spielt eine tragende Rolle im Warez Business. Die „Zerschlagung“ des „Raubkopierer-Rings“ hat auf das Angebot an illegalen Büchern keine negative Auswirkung gehabt.
Im Gegenteil: Während vorher noch manche Angebote, die ihre ebooks vom Spiegelbest-Projekt bezogen, aus Rücksicht auf die Autoren eine „Schonfrist“ für Neuveröffentlichungen eingehalten hatten, ist diese Sitte nun gemeinsam mit dem Projekt ausgestorben…

Gegen die Verbreitung unlizensierter Ebooks hat die ganze Aktion nichts ausgerichtet…

Den Handel mit Raubkopien effektiv zu verhindern, ist eine unmögliche Aufgabe für die Medienindustrie!

Solange ein Gut teuer und begehrenswert ist, werden Menschen nach einem Weg suchen, es zu bekommen, obwohl sie es sich auf legale Weise nicht leisten können. Es wird immer einen Schwarzmarkt geben und ein legales Unternehmen kann nur versuchen, einen größtmöglichen Marktanteil im legalen Bereich zu erlangen.

Ein effektiver Weg, um ein Monopol auf dem legalen Markt zu erhalten, ist alle Konkurrenten in die Illegalität zu treiben.

Spiegelbest zu zerschlagen, hat den Medienvertreibenden nicht dabei geholfen, die Verbreitung von Raubkopien einzudämmen. Die Aktion hat ihnen aber trotzdem Vorteile gebracht:

Das Spiegelbest-Projekt war ein Versuch, auf gesellschaftlich akzeptierte Weise einen alternativen Markt für Ebooks zu schaffen. Die Betreiber haben sich nicht selbst bereichert und sich sogar eigene Grenzen gesetzt, um den Buchverkäufen weniger zu schaden. Spiegelbest hat ein Zeichen gesetzt dafür, dass die Warez-Scene auch aus Menschen besteht, die Medien lieben und einen Weg finden wollen, wie weiterhin Kunst geschaffen werden kann und trotzdem jeder unbegrenzten Zugriff darauf hat.

Als solches Zeichen war es gefährlicher für die Medienindustrie als der klar definierbare Schwarzmarkt, in den sie die Warez-Szene inzwischen fast vollständig gedrängt hat.

Medienverlage haben noch immer ein Monopol auf die Verbreitung von Jahrzehnten unserer Kulturgeschichte!

„Yellow Submarine“ von den Beatles zu kennen, zähle ich zur Allgemeinbildung. Um diese Bildung zu erlangen, gibt es aber keinen legalen Weg, bei dem nicht irgendjemand auf irgendeinem Weg diesen Verlagen Geld zahlt!

Dass Kunstwerke einen Eigentümer haben, der über sie frei verfügen kann, ist ein Relikt aus der Zeit, als es noch nicht möglich war, das besagte Kunstwerk quasi kostenlos unendlich oft zu kopieren und an jeden Menschen zu verteilen, der es besitzen möchte.

Früher oder später wird dieses Relikt aus unserem Bewusstsein verschwinden. Schon jetzt gibt es legale Flatrates für die meisten Medien und schon jetzt vernetzen sich die Anbieter dieser Flatrates mit unseren Internetprovidern. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir ohne weiter darüber nachzudenken, für Medien mit unseren monatlichen Grundausgaben mitbezahlen und im Internet einfach auf alles zugreifen, was uns interessiert.

In nicht allzu ferner Zukunft werden wir eine Medien-Versorgung erreichen, die wir ohne die Bemühungen der Medienindustrie schon vor zehn Jahren hätten haben können…

Aber das Warten wird sich gelohnt haben: Nicht für uns, aber für die Rechteinhaber!
Denn wer will schon, dass es der gesamten Menschheit besser geht, wenn man etwas ganz für sich allein besitzen kann?

Oder es zumindest exklusiv mit dem organisierten Verbrechen teilt..

 

 

Köln

Veröffentlicht: 8. Januar 2016 in Uncategorized
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Da ich momentan persönlich einiges habe, das meine Aufmerksamkeit erfordert, habe ich erst in den letzten Tagen erfahren, dass in Köln etwas passiert ist, denn so ziemlich jeder regt sich in der Hinsicht gerade über das Eine oder das Andere auf. Wirkliche Infos darüber, was überhaupt los ist, sind natürlich wie immer sehr spärlich geseht…

Was ich bisher rekonstruieren konnte:
Vermutlich an Sylvester oder Neujahr ist in Köln ein wütender Mob von ca. 100 bis 150 Männern, offenbar großteils oder sogar komplett aus Immigranten bestehend, unterwegs gewesen und hat während einem nicht genauer definierten Zeitraum im großen Stil Frauen sexuell belästigt und/oder vergewaltigt. Die Polizei hatte (wie immer) nicht genug Leute und war (wie immer) damit überfordert, für Ordnung zu sorgen.

Was wahrscheinlich nicht passiert ist:
All die „besorgten Bürger“, die im letzten Jahr auf den Straßen unterwegs waren, um gegen Flüchtlinge, Ausländer im Allgemeinen und den Verfall der deutschen Kultur zu demonstrieren, haben geholfen, das Schlimmste zu verhindern.

Was genauso wenig passiert ist:
All die besorgten Nazis, die im letzten Jahr regelmäßig Flüchtlingsunterkünfte terrorisiert und/oder angegriffen haben, haben sich schnellstens organisiert, um dem Mob entgegen zu treten.

Was mit absoluter Sicherheit passiert ist:
All die Menschen, die das Geschehen nicht selbst miterlebt haben, geschweige denn auch nur das geringste getan haben, um in diesem Moment zu helfen, regen sich furchtbar auf und/oder schlagen völlig idiotische Lösungen für das vor, was sie als das eigentliche Problem identifiziert zu haben denken:

Irgendeine Politikerin aus Köln, ich glaube die Oberbürgermeisterin, hat vorgeschlagen, dass Frauen sich an einen nicht genauer definierten Verhaltenskodex halten sollten, um sich vor solchen Situationen zu schützen. Ich persönlich finde, dass das sehr vernünftig klingt und schlage als Verhaltenskodex vor: Wenn dich ein Mann begrabscht, ohne dass du es willst, sag ihm einmal klar „nein!“ oder „stop!“ und wenn das nicht reicht, tritt ihm in die Eier und renn weg. Wenn in die Eier treten und wegrennen gerade keine Option ist, setze alle verfügbaren Mittel ein, um dich zu verteidigen.

Das wundervolle an dieser Lösung: Kein Politiker muss dafür irgendetwas tun, denn sexuelle Nötigung ist bereits strafbar und Gewaltanwendung zum Selbstschutz (kurz: „Notwehr“) ist legal.

Was ich damit nicht sagen will:
Die Opfer sind selbst schuld.

Natürlich ist es immer die Schuld des Täters, wenn er eine Straftat begeht und das Opfer ist daran natürlich nicht schuld. Das ist keine Frage, über die man diskutieren muss, sondern schlichtweg die Definition von „Täter“ und „Opfer“.

Was ich stattdessen damit sagen will:
Die Opfer hätten sich besser verteidigen können, wenn sie vorher gelernt hätten, sich zu verteidigen. Natürlich sollte man in einem Rechtsstaat darauf vertrauen können, dass die Staatsgewalt in der Lage ist, die geltenden Gesetze durchzusetzen und jeden einzelnen Bürger zu beschützen.
Nichtsdestotrotz hat jeder Mensch hierzulande das gesetzlich festgeschriebene Recht, sich im Notfall mit allen nötigen Mitteln selbst zu verteidigen. Für mich ergibt sich daraus, dass jeder Mensch sich selbst gegenüber(!) die Verpflichtung hat, zu lernen, wie er sich im Notfall verteidigen kann, übrigens vollkommen unabhängig von seinem Geschlecht.

 

Der eigentliche Streitpunkt ist aber ein anderer:
Der Grund, warum sich alle über die Aussage ärgern, die ich gerade noch als sehr vernünftig bezeichnet habe, ist dass damit wohl in Wirklichkeit weniger gemeint war, dass Frauen Selbstverteidigung lernen sollen, sondern vielmehr, dass sie darauf achten sollen, wie freizügig sie sich kleiden, um die Aufmerksamkeit potentieller Täter nicht auf sich zu lenken.
Das ist einerseits eine sehr bedenkliche Aussage, weil sie von einer Politikerin kommt und andererseits aber auch ein sehr hilfreicher(!) Rat, denn momentan ist nunmal die Situation so, dass Frauen nicht(!) sicher sind vor sexuellen Übergriffen und unabhängig davon, wie die Dinge sein sollten, oft vor genau zwei Optionen stehen: Entweder sie schützen sich selbst, indem sie ihre Sexualität verstecken oder sie riskieren, dass sie aufgrund ihrer offen gezeigten Sexualität ins Visier von Straftätern geraten.

Das ist scheiße, aber leider ist diese Scheiße nunmal die Realität, in der wir gerade leben!

Auf die Frage bezogen, wie Frauen sich kurzfristig davor schützen können, dass ihnen ähnliches passiert wie den Opfern in Köln, ist leider wirklich der beste Ratschlag: Versucht, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen, denn ihr seid nicht sicher!

Und so kommen wir zum nächsten Problem:
Frauen sind in unserem Land (und meines Wissens auch nirgendwo sonst auf der Welt) nicht sicher vor sexuellen Übergriffen. Dass dieser Zustand inakzeptabel ist und dringend eine Lösung für dieses Problem gefunden werden muss, sollte eigentlich außer Frage stehen und das tut es auch. Seit ich denken kann, war der gesellschaftliche Konsens (zumindest in meinem Umfeld), dass Sexualstraftaten schlimm sind und verhindert werden müssen. Leider hat, seit ich denken kann, aber noch niemand eine optimale Lösung gefunden, die gleichzeitig Sexualstraftaten und die Bestrafung von unschuldig Beschuldigten verhindert…

Was also eigentlich jedem bewusst sein sollte:
Sexualstraftaten sind ein Problem in unserer Gesellschaft und wir haben für dieses Problem keine effektive Lösung.

Was stattdessen immer wieder gefordert wird: 
Härtere, bessere, „fairere“ Gesetze.

Heute habe ich auf Facebook gelesen, dass der Paragraph im deutschen Strafgesetzbuch, der sexuelle Nötigung und Vergewaltigung regelt, deshalb ineffektiv ist, weil das Verhalten des Opfers (sprich: die Frage, ob es sich ausreichend gewehrt habe) ausschlaggebend sei, um die Schuld des Täters festzustellen.

Mein erster Gedanke dazu:
Das kann so nicht richtig sein!

Praktischerweise wurde sogar der entsprechende Paragraph im StGB genannt, so dass ich direkt danach googlen konnte und ihn ca. 20 Sekunden später im Originaltext vor Augen hatte. (Spoiler: Das Verhalten des Opfers wird dabei überhaupt nicht erwähnt, weil es für die Definition des Tatbestands auch überhaupt nicht relevant ist.)

Das wirkliche „Problem“:
In Deutschland gilt die sogenannte „Unschuldsvermutung“, was bedeutet, dass jeder Mensch solange als unschuldig zu betrachten ist, bis ihm vor Gericht eine Schuld nachgewiesen wurde.

Diese Regelung ist prinzipiell extrem sinnvoll, denn ohne sie könnte unser Staat jeden Bürger, der ihm nicht passt, einfach wegsperren für etwas, dass der besagte Bürger nicht getan hat. Die Unschuldsvermutung ist unser wichtigster Schutz vor staatlichem Machtmissbrauch!
Die „Schattenseite“ dabei ist natürlich, dass ein Täter ungestraft davon kommt, wenn niemand beweisen kann, dass er eine Straftat begangen hat, was in der Praxis meistens darauf hinaus läuft, dass das Opfer einer Vergewaltigung beweisen muss, dass es sich dabei auch wirklich um eine Vergewaltigung und nicht um einvernehmlichen Sex gehandelt hat.

Leider gibt es aber keine Alternative:
Würden wir die Beweislast bei Sexualstraftaten umkehren, müsste jeder Mensch, dem etwas derartiges vorgeworfen wird, seine Unschuld beweisen (was praktisch unmöglich ist, weil für gewöhnlich beim Sex, egal ob einvernehmlich oder nicht, normalerweise keine Zeugen anwesend sind) und jede Anklage, ob Wahrheit oder Lüge, würde zur Verurteilung führen.

„Aber die Situation, dass Männer unschuldig eine Vergewaltigung vorgeworfen bekommen, passiert viel seltener, als dass eine Frau wirklich vergewaltigt wird und ihr keiner glaubt!“:
Das liegt einzig und allein daran, dass wir die Unschuldsvermutung nunmal haben. Würden wir die Beweislast umdrehen, würde das eine sehr attraktive Möglichkeit für moralisch uneingeschränkte Menschen schaffen, um sich jeden, der ihnen auf die Nerven geht, vom Hals zu schaffen.

Und es würde nicht einmal den weiblichen Opfern von Sexualstraftaten helfen, denn:
Eine derartige Regelung muss geschlechtsneutral gehalten werden, um nicht gegen unser Grundgesetz zu verstoßen. Infolgedessen könnten männliche Vergewaltiger dann nicht mehr nur ungestraft davon kommen, sie hätten dann sogar die Möglichkeit, erst eine Frau zu vergewaltigen, sie hinterher anzuzeigen und das Opfer würde verurteilt werden, weil es keine Chance hätte, seine Unschuld zu beweisen. Die Unschuldsvermutung bei Vergewaltigungen umzukehren ist kein Lösungsansatz, sondern einfach nur ein völlig bescheuerter, halbgarer Gedanke, der zu absolut nichts sinnvollem führen kann!

Was wirklich helfen würde:
mehr Geld für unsere Polizei!

Während im Verlauf der letzten zehn Jahre immer mehr Überwachung aufgebaut wurde, die unsere Privatsphäre einschränkt, wurde gleichzeitig immer wieder das Budget gekürzt für echte Polizisten, die ein Verbrechen nicht nur hinterher aufklären können, sondern dazu in der Lage wären, es noch rechtzeitig zu verhindern. Überraschenderweise ist dadurch unser Land nicht sicherer geworden…

Und was das Problem mit diesen furchtbaren Ausländern und ihren barbarischen, unmenschlichen Sitten betrifft:
mehr Geld für unsere Polizei!

Mal im Ernst: Denkt irgendwer wirklich, dass die Polizei die Situation besser unter Kontrolle gehabt hätte, wenn der vergewaltigende Mob nur aus Deutschen bestanden hätte?!

Ok, vermutlich gibt es wirklich Menschen, die so etwas unsinniges denken und dabei nicht den Fehler sehen, aber irgendwann ist auch mal der Punkt erreicht, wo es keinen Sinn mehr macht zu diskutieren…

 

Replik zum Welt-Artikel „Im Netz sind wir nur Gäste“:
(Zusammenfassung: Der Autor sieht den modernen Journalisten als Gast auf den privaten Parties seiner Leserschaft und ruft dazu auf, sich entsprechend manierlich zu verhalten.)

Ein interessanter Blickwinkel, aber leider nicht richtig zu Ende gedacht:

Wenn ich jemanden zu meiner Hausparty einlade, tue ich das, weil ich die Art der Person mag und sie als Bereicherung für meine Party betrachte. Dabei gibt es keine allgemein gültigen Regeln, wie ein guter Partygast sich zu benehmen hat. Das kommt ganz auf die Party an.

Natürlich ist ein gewisses Mindestmaß an Anstand und Zurückhaltung meistens passend, aber selbst das kann man nicht verallgemeinern:
Auf den meisten Parties ist der sturzbesoffene Idiot, der für totales Chaos sorgt, Dinge kaputt macht und eine Menge Gründe erschafft, sich bei den Nachbarn zu entschuldigen, eher ungerne gesehen. Auf manchen Parties hingegen ist der im Nachhinein das absolute Highlight, von dem man noch Jahre erzählen wird und die betreffende Person wird garantiert zu jeder folgenden Party eingeladen, weil die Gastgeber lieber ein gewisses Maß an Partyschäden in Kauf nehmen, als zu riskieren, dass es langweilig wird…

Oder um ein etwas weniger extremes Beispiel zu nehmen:
Person A ist laut, extrovertiert und hat immer den neuesten Tratsch zur Hand.
Person B ist ruhig, viele würden sagen „ein wenig merkwürdig“, ist kaum in der Lage, Smalltalk zu führen und redet eigentlich immer über ernste, „schwere“ Themen, die auf vielen Parties eher fehl am Platz sind.

Auf der typischen Party mit lauter Musik und Bier ist A wohl eher erwünsch als B. In einer geselligen Runde bei ein paar Gläsern gutem Rotwein, während im Hintergrund leise Bach läuft, kann B hingegen deutlich eher punkten als A.
Und manche große Party wird erst dadurch wirklich gut, dass man dort auf der Tanzfläche A trifft, während ein wenig Abseits B mit Gleichgesinnten hochgeistige Diskussionen führt und man selbst hat die Möglichkeit, sich frei nach Laune dem Einen oder Anderen anzuschließen.

Worauf ich hinaus will:
Viele Journalisten sind heutzutage so sehr darauf fixiert, sich „passend“ zu verhalten, dass sie dabei völlig vergessen, dass es überhaupt keine allgemeingültige Definition für „passend“ gibt. Als Resultat wird es dann immer weniger relevant, ob man den Newsfeed der Bunten oder der FAZ abonniert.

Das Wichtigste, um im Internet als Journalist zu überleben, ist ein klares Profil!
Dabei ist es völlig egal, wenn 99% der Bevölkerung dieses Profil so richtig beschissen findet und die Artikel des Betreffenden deshalb nie lesen würde. Wenn die restlichen 1% aus genau dem selben Grund zu Stammlesern werden, hat man eine Reichweite, von der die Meisten nur träumen können.

Das Schlimmste, was man in dieser Hinsicht tun kann, ist sich so stark der Allgemeinheit anzupassen, dass man am Ende von 100% der potentiellen Leser für völlig ersetzbar gehalten wird.

Vor dem Internet war das natürlich anders. Damals war die Erwartung der Leser, von ihrem gewählten Medium über alles wichtige informiert zu werden. Heute aber ist der Anspruch ein anderer: Man möchte über das informiert werden, was einen persönlich interessiert und mit dem Rest bitteschön in Ruhe gelassen werden!

Im Bereich Social Media ist das sogar noch viel wichtiger, denn das, was sowieso in allen Medien präsent ist (und wohl am ehesten als „wichtige Sondermeldung“ durchgehen würde), wird sowieso von mindestens einer Person im eigenen Netzwerk kommentiert und/oder zu einem entsprechenden Artikel verlinkt. Der Journalist, der ausschließlich diese Themen anspricht, könnte also nutzloser kaum sein.

Wenn ich will, dass meine Party in guter Erinnerung bleibt, lade ich nicht die typische In-Crowd ein, die man sowieso überall sieht. Mein perfekter Partygast ist ein unbekanntes Gesicht, das viel Interessantes bietet, an das sonst niemand denken würde.

Macht Pegida dumm?

Veröffentlicht: 29. Januar 2015 in Uncategorized
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So langsam frage ich mich doch, ob Pegida nicht gefährlicher ist, als ich ursprünglich dachte.

Ich glaube zwar noch immer, dass die Pegida-Demonstranten nicht wirklich eine rechte Gefahr darstellt, sondern nur vergleichsweise harmloser, uninformierter Aktionismus ist. Es erscheint mir jedoch immer wahrscheinlicher, dass die Borniertheit mit der rechte Mythen wie der Islam-Rabatt als Beispiele für die fortschreitende „Islamisierung“ herangezogen werden, durchaus ansteckend ist.

Das neueste Beispiel, das diese Befürchtung zu bestätigen scheint, habe ich gerade im Blog von Stefan Niggemeier gelesen:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20380/welt-und-leipziger-volkszeitung-fallen-auf-falsche-pegida-seite-herein

Auf den ersten Blick handelt es sich hierbei nur um ein weiterer Fall von schlechter Recherche und Aufmerksamkeitsgeilheit der Medien: Eine Pegida-Satire wird von einer Zeitung für bare Münze genommen (oder die besagte Zeitung tut zumindest so, um einen Aufsehen erregenden Artikel schreiben zu können), mehrere Mainstream-Medien springen auf den fahrenden Zug auf ohne die Geschichte zu hinterfragen und Stefan Niggemeier klärt in seinem Blog darüber auf, was eigentlich passiert ist.
Eigentlich eine Standardsituation, bis auf eine Kleinigkeit:
Die Kritik an denjenigen, die sich damit schwer tun, Satire und Realität zu unterscheiden, macht letztendlich einen ähnlichen Fehler.

Genauer gesagt, geht es um folgende Passage:
„Um es kurz zu machen: Hinter der Facebookseite stehen keine Unterstützer von Lutz Bachmann oder Pegida. Im Gegenteil. Es handelt sich um eine Satire, die die die neurechte Rhetorik in überspitzter Form persifliert. Darauf reingefallen sind wohl auch zahlreiche Pegida-Anhänger, die anfeuerten, kommentierten, „gefällt mir“ klickten und teilten.

Zugegebenermaßen spricht Herr Niggemeier nur von „zahlreichen“ Pegida-Anhängern und begrenzt die Zuverlässigkeit der Aussage mit einem „wohl“, aber wenn man den Artikel am Stück liest, übersieht man diese Details dann doch recht leicht, insbesondere in Verbindung mit dem darauf folgenden Zitat des verantwortlichen Satirikers, dessen zweiter Satz lautet:
„Oder auch: Wie sammle ich 2700 Pegidioten in einer Woche:“

Ich möchte Herrn Niggemeier nun nicht unterstellen, bewusst der Eindruck zu erwecken, dass es sich bei den Unterstützern der Pegida-Satire zumindest großteils um Leute handelt, die das ernst meinen, aber er stellt dies nunmal auch nicht in Frage, was mmn. jedoch bei genauerer Betrachtung durchaus angebracht wäre:

Zuerst einmal das offensichtlichste Problem: Selbst wenn es sich bei den 2700 Likes wirklich ausschließlich um Pegida-Anhänger handelt, sind das nicht einmal 2% dessen, was die echte Pegida-Seite zu verzeichnen hat. Hinzu kommt, dass 2700 Likes in Facebook-Maßstäben auch unabhängig von dieser durchaus ernüchternden Quote nicht wirklich viel sind.

Als nächstes kommt dann auch noch die Frage, ob die eigentlich doch nicht so zahlreichen Befürworter der Satire wirklich Pegida-Anhänger sind oder ob es sich dabei nicht vielmehr um Leute handeln könnte, die durchaus verstanden haben, dass es sich um eine Satire handelt und gerade deswegen auf „Like“ geklickt haben. Die Satire ist nämlich bei Weitem nicht so schwer zu entlarven, wie man anhand des Niggemeier-Artikels denken könnte:
Unter Anderem wird dort Claudia Roth als „Agentin der islamistischen „SALATFISTER““ bezeichnet, was selbst beim dümmsten Neonazi (*) für Zweifel an der Echtheit der Seite sorgen sollte. (**)

Kurz gesagt: Es ist nicht nur möglich, sondern durchaus wahrscheinlich, dass ein Großteil derjenigen, „die anfeuerten, […] „gefällt mir“ klickten und teilten“ sich dabei genauso über Pegida lustig gemacht haben wie derjenige, der das Fake-Profil erstellt hat. Diese Leute Pegida zuzuordnen erscheint mir insofern ähnlich sinnlos, wie jemanden, der begeistert ein Titanic-Heft mit Hitler auf dem Cover liest, deswegen als Nazi zu bezeichnen…

Was natürlich trotzdem bleibt, sind einige Kommentare, die durchaus ziemlich rechts wirken. Allerdings wurden diese erstens nur von einem kleinen Teil derjenigen geschrieben, die die Seite geliked haben, und zweitens ist auch hier nicht gesagt, dass es sich bei den Verfassern auch wirklich um Leute gehandelt hat, die das ernst meinen. Flamebaiting und Getrolle sind ja schließlich im Internet nicht gerade eine Seltenheit.

Meine Zusammenfassung des Ereignis würde insofern lauten:
– Irgendjemand hat auf Facebook mehr oder weniger erfolgreich eine Pegida-Satire inszeniert, die wahrscheinlich von einigen Leuten (die vermutlich die Artikel gar nicht wirklich gelesen haben) ernst genommen wurde.
– Ein paar Zeitungen haben so getan, als wäre ihnen jeder Wink mit dem Zaunpfahl völlig entgangen, um daraus einen Aufreger-Artikel machen zu können, woraufhin der für die Seite Verantwortliche das Ganze stolz „aufgeklärt“ hat.
– Selbiger hat darufhin auch gleich die Gelegenheit dazu genutzt, jeden Like seiner Seite zum „Pegidioten“ zu erklären, der die Satire nicht erkannt hat und vermutlich weil die Annahme, dass Pegida eh nur aus doofen Nazis besteht, gerade so beliebt ist, wurde das Märchen vom angeblich so erfolgreichen Fake selbst von einem normalerweise sehr skeptischen Medienjournalisten wie Herrn Niggemeier ohne weitere Nachfrage übernommen.

Fazit:
Warum sich die Mühe geben, einen erfolgreichen Fake aufzuziehen, wenn man doch genauso gut im Nachhinein den Erfolg faken kann…

 

(*) Das ist nur ein Beispiel! Ich habe keine Ahnung, ob der dümmste Neonazi zu Pegida gehört oder ob es bei Pegida überhaupt mehr als ein paar vereinzelte Rechtsradikale gibt…
(**) Bemerkenswerterweise entspringt dieses Zitat einem Satz, auf den sich die „auf den Fake hereingefallene“ Zeitung explizit bezieht! Man folgere daraus, was man will…

Kurze Einordnung meiner politischen Position:
Ich bin gegen Rassismus, für den Sozialstaat und ich habe bei der letzten Bundestagswahl für die Linke gestimmt. Globalisierung finde ich im Prinzip gut, aber ich möchte keiner Weltgemeinschaft angehören, die in Bezug auf Bürger- und Menschenrechte andere Standards definiert als das Deutsche Grundgesetz. Von letzterem bin ich im Übrigen sehr überzeugt, zumindest was Artikel 1-19 betrifft, also die Grundrechte. (Den Rest hab ich ehrlich gesagt nie gelesen.)
Den Islam betrachte ich kritisch und damit meine ich nicht nur islamistische Terroristen sondern die gesamte Religion. Gleiches gilt für das Christentum, das Judentum und auch fast jede andere Religionsgemeinschaft. Ich finde es gut, an etwas zu glauben und damit dem eigenen Leben einen Sinn zu geben, aber ich finde, dass jeder Mensch seinen eigenen, persönlichen Glauben haben sollte und dieser auch allgemein akzeptiert werden sollte. Missionierung bzw. Religionswerbung sollte deshalb passiv bleiben und damit meine ich, dass wenn jemand danach fragt, man ihm ausgiebigst vorschwärmen darf, wie toll der eigene Gott und dessen Gesetze sind, aber diejenigen, die davon nichts wissen wollen, soll man gefälligst in Ruhe lassen!
Des weiteren vertrete ich das, was ich als „radikalen Pazifismus“ bezeichne: Ich bin gegen jede Form der Gewaltanwendung, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Wenn man jedoch einen gewaltsamen Angriff nicht abwehren kann, ohne selbst Gewalt anzuwenden, sollte man dies schnell, entschlossen und effektiv tun. Dabei zählt in erster Linie, Schaden an sich selbst und (friedlichen) Unbeteiligten zu verhindern, die Gesundheit bzw. das Überleben des Angreifers ist ein erstrebenswerter Bonus, aber dem primären Ziel immer unterzuordnen.

 

Was ist Pegida und warum soll ich dagegen demonstrieren?

Heute wurde ich von einem Freund per WhatsApp gefragt, ob ich zur Gegendemo gegen Pegida mitkommen wolle. Ich erklärte daraufhin sehr höflich, dass mir Pegida ziemlich egal sei und ich insofern kein Interesse daran habe. Eigentlich wollte ich hinzufügen, dass ich aber jederzeit für eine Demo gegen die gesamte Menschheit zur Verfügung stehe, aber hielt diesen Zusatz dann aber doch nicht für wichtig genug, um ihn auf meiner Handytastatur einzutippen. (Ich hasse Schreiben auf dem Smartphone, da hilft selbst die beste Tastatur-App nicht…)

Im Nachhinein erschien es mir dann aber doch so langsam mal für sinnvoll, mich mit der Frage zu beschäftigen, was dieses Pegida eigentlich ist und vor Allem, was es erreichen will.

Bis jetzt hatte ich nicht viel darüber gelesen, außer dass sich von den vielen Leuten, die sich darüber aufregen, offenbar nur die wenigsten wirklich ernsthaft darüber informieren, um was es dabei geht. Auch meine Freundin erzählt zwar regelmäßig, wie toll sie es findet, dass sich alle so dagegen stellen, aber über die Inhalte konnte sie mir nie wirklich viel mehr sagen, als dass die alle ziemlich rechts sind, auf ihren Demos Parolen wie „Ali raus!“ brüllen (eine zugegebenermaßen sehr belustigende Vorstellung) und, ähh, dass das Nazis sind.
Ok, da war wahrscheinlich noch mehr und auch durchaus berechtigte Kritik dabei, aber eine objektive Beschreibung des Phänomens konnte sie mir eben auch nicht geben und dazu mich selbst zu informieren, war ich schlichtweg zu faul, bzw. hat es mich auch nicht genug interessiert…

Da aber nun schon meine Freunde anfangen, dagegen zu demonstrieren, ist es wohl nun wirklich an der Zeit, dass ich mir eine fundierte Meinung zu diesem Thema zulege.

 

Erster Anlaufpunkt: Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Patriotische_Europ%C3%A4er_gegen_die_Islamisierung_des_Abendlandes

Die Wikipedia-Seite ist sehr lang und vermutlich recht informativ oder vielleicht auch überhaupt nicht. Ich habe nur Ausschnitte gelesen und nach primär offiziellen Links gesucht, wobei mir zuerst einmal das folgende Thesenpapier gefunden:

http://www.i-finger.de/pegida-positionspapier.pdf

Besonders kritisch finde ich den Punkt „9. PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!“. Ich bin der Meinung, dass wer in Deutschland kriminell wird, ein deutsches Problem ist und deshalb auch genauso bestraft und idealerweise reformiert wird wie jeder deutsche Staatsbürger. Es mag Einzelfälle geben, in denen Leute schon mit dem Vorsatz, Straftaten zu begehen, in unser Land kommen und in diesen Fällen kann man sicherlich über eine Abschiebung streiten, aber wenn ein sogenannter Migrant als Kind hier her kommt und irgendwann als Jugendlicher so richtig scheiße baut, kann die Antwort nicht lauten, ihn in ein Land abzuschieben, wo er bestenfalls ein paar Verwandte von Familienbesuchen kennt, aber wohl auf keinen Fall zu Hause ist!

Ansonsten muss ich eigentlich sagen, dass das alles recht gut klingt. Manche Punkte wirken sehr undurchdacht und bei anderen Punkten können natürlich anders gemeint und nur möglichst harmlos formuliert sein, aber allein nach dem zu urteilen, was auf diesem Thesenpapier steht, würde ich wohl eher auf Seiten von Pegida auf die Straße gehen (wenn da nicht dieser furchtbare Punkt 9 wäre) als mich einer Gegendemonstration anzuschließen.

Das Problem ist nur: Wikipedia… Im Allgemeinen sind die Informationen dort meistens sehr neutral und fundiert, aber bei einem so jungen Phänomen, das gerade so kontrovers diskutiert wird, würde ich niemals blind darauf vertrauen, dass alles, was dort steht, auch wirklich der Wahrheit entspricht. Dass das Thesenpapier auf einer ansonsten ungenutzten Domain liegt, deren Bezug zu Pegida völlig unklar ist, macht das Ganze auch nicht unbedingt vertrauenswürdiger…

 

Zweiter Anlauf: Facebook

Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass Pegida sich primär auf Facebook organisiert, also überwand ich als nächstes meine Abneigung gegen dieses furchtbar unübersichtliche Datensammlungsmonster, ähh, ich meine natürlich „Social Network“ und besuchte die offizielle Pegida-Facebookseite.

Das Schöne an Seiten wie Facebook ist, dass man ganz leicht überprüfen kann, ob man auf der richtigen Seite gelandet ist, indem man die „Likes“ betrachtet. Es ist zwar kein eindeutiges Echtheitszertifikat, aber über 150.000 Likes sind ein ziemliches eindeutiges Zeichen!

https://www.facebook.com/pages/PEGIDA/790669100971515

Die erste Enttäuschung: Der im Profil angegebene Link zur Homepage pegida.de führt auf genau dieselbe Facebookseite, auf der ich mich bereits befinde. Eine richtige, offizielle Webseite wäre mir lieber gewesen…

Das Problem mit einer Präsentation auf Facebook ist, dass das Netzwerk nicht wirklich (also eigentlich so gar nicht) darauf ausgelegt ist, konstant dieselben, zuverlässigen Informationen anzuzeigen. Social Media ist „lebendig“, „up to date“ und erlaubt schnellen Zugang zu den neuesten Trends, Begriffe wie „beständig“ oder „vertrauenswürdig“ hingegen würden zur Beschreibung der Netzwerke wohl niemandem in den Sinn kommen.
Anders gesagt: Social Media Netzwerke sind ein nützlicher Wegweiser, aber die eigentlichen Informationen verbergen sich hinter den Links zu anderen Quellen.

Ich entschied mich zuerst für ein Video, das die „Pegida-Pressekonferenz in voller Länge“ versprach. Vielversprechend!
Leider handelte es sich aber, genauer gesagt, um eine Pegida-Pressekonferenz zu einer kürzlich wegen Terrorgefahr abgesagten Demo. Möglicherweise interessant, aber nicht der ideale Einstiegspunkt für einen ersten Eindruck…

Alternativ gab es im selben Post auch noch einen Link zu einer öffentlich-rechtlichen Talkshow.

 

Politik trifft auf Protest – Pegida bei „GÜNTHER JAUCH“

http://daserste.ndr.de/guentherjauch/Politik-trifft-auf-Protest-Pegida-bei-GUeNTHER-JAUCH,guentherjauch474.html

Die Sendung „Günther Jauch“ habe ich zwar meines Wissens noch nie gesehen, aber selbst ich, als oft hinter dem Mond lebender Mensch, kenne den ehemaligen Moderator von „Wer wird Millionär“ und „Stern TV“ und wenn ich nichts verpasst habe, genießt der Mann noch immer einen sehr guten, seriösen Ruf.
Pegida selbst verlinkt den Beitrag ohne kritischen Kommentar, das heißt, sie fühlen sich dort offenbar fair präsentiert und dass Herr Jauch seine Sendung zum Schauplatz für rechtspopulistische Selbstdarstellungen werden lässt, erscheint mir auch äußerst unrealistisch.
Zu Gast in der Sendung sind die Sprecherin von Pegida und ein paar prominente Politiker. Ich glaube, hier habe ich einen guten Einstiegspunkt in das Thema „Pegida“ gefunden…

Mein erster Eindruck zur Pegida-Sprecherin: Rein optisch wäre die Frau die perfekte Besetzung für die Rolle eines weiblichen Nazi-Offiziers. Blonde Haare, blaue Augen, strenges Auftreten… Wäre das ein Hollywood-Film, wäre diese Dame eindeutig die Oberschurkin und Pegida entweder von Grund auf schlecht oder in größter Gefahr, von ihr für einen furchtbaren Plan instrumentalisiert zu werden!
Blöderweise ist das echte Leben aber nicht so simpel, also muss ich wohl weiter schauen… :(

Zweite Erkenntnis: Die AfD ist wirklich so scheiße, wie meine Freundin immer sagt!
„Es ist der Beginn der Islamisierung“, dass eine Demo wegen einer Terrordrohung abgesagt wurde. Alles klar…

Interessant wird es an dem Punkt, an dem ein paar Interviewfetzen gezeigt werden, in denen Pegida-Demonstranten ziemlich rechte Aussagen von sich geben. Das Interessanteste daran ist, dass es davon mehrere Stunden auf panorama.de zu sehen gibt.
Ich entscheide, dass ich dort vermutlich einen noch viel besseren Eindruck davon gewinnen kann, was es mit dieser Bewegung eigentlich auf sich hat.

 

MDR Panorama: Die Interviews in voller Länge

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Kontaktversuch-Luegenpresse-trifft-Pegida-,pegida136.html

Neben einem etwas längeren Zusammenschnitt von 6 Minuten findet man etwas weiter unten im Artikel zwei weitere Videos, die jeweils 90 Minuten lang das komplette Material zeigen, das zusammengeschnitten wurde. Ich weiß nicht, ob es dieses Angebot zu allen Sendungen gibt oder ob der MDR sich hier besondere Mühe gibt, den eloquent formulierten Vorwurf „Lügenpresse!“ zu entkräften. Wenn meine GEZ-Gebühren auf diese Weise genutzt werden, mildert das aber auf jeden Fall den Frust darüber, für etwas zahlen zu müssen, das ich so gut wie gar nicht nutze und großteils nichtmal gut finde.

Klar deutlich wird: Pegida ist rechts. Aber ist das wirklich so dramatisch?
Auch wenn es hierzulande allgemein üblich ist, „politisch rechts“ oder „patriotisch“ mit „Nazi“ gleichzusetzen, gibt es da doch einen sehr großen Unterschied: Der Nationalsozialismus war extrem rassistisch und hat es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die „jüdische Rasse“ gleich komplett auszurotten.

Von der Minderwertigkeit der Menschen aus anderen Ländern spricht hier aber keiner und über die Ausrottung anderer „Rassen“ wird zumindest nicht offen diskutiert. Vielmehr ist der meiste rechte Unsinn, den die Leute von sich geben, das logische Resultat einer bedenklichen Mischung aus menschlicher Ignoranz und „Vollkommener Bullshit, den die Presse verbreitet“. Dieselbe „Lügenpresse“, die Pegida verteufelt, wird immer wieder zitiert, um die Angst vor „Islamisierung“ zu begründen:

Beispielsweise wäre da der Fall des „Islamrabatts“, in dem ein Mörder eine geringere Strafe erhielt, weil gerade Ramadan war. Eine Ungeheuerlichkeit!
Natürlich ist das so nie passiert (*), aber diese Version der Geschichte war nunmal in der Presse sehr präsent.

Die Antworten auf die Frage „Wie sieht denn ihre persönliche Islamisierung aus?“ (kein wörtliches Zitat!) unterscheiden sich zwar von Person zu Person, aber eigentlich haben sie alle eines gemeinsam: Unter „Islamisierung“ stellen sich die meisten Demonstranten furchtbare Dinge vor, die der Einfluss des Islams in unserem Land vermeintlich hat.

Der springende Punkt dabei ist aber, dass diese Islamisierung, gegen die bei Pegida demonstriert wird, großteils gar nicht existiert, aber wenn sie das täte, wäre sie richtig scheiße!

Von manchen Interviewten kommen dann noch die üblichen, abwertenden Vorurteile gegenüber Ausländern, die stehlen, Krankheiten in unser Land schleppen, von unseren Steuern ein schönes, arbeitsfreies Leben genießen, … Passend dazu werden dann natürlich Einzelfälle genannt, in denen Ausländer wirklich nicht die angenehmsten Zeitgenossen sind und die gut integrierten, angenehmen Mitbürger vergessen, denen man täglich begegnet und dabei überhaupt nicht bewusst wahrnimmt, dass sie eigentlich auch zu „den Ausländern“ gehören.

Kurz gesagt: Pegida wirkt wie eine aufgebrachte Menge von Menschen, die durch Angst, Wut und Frustration angetrieben werden und eigentlich alle nicht so richtig wissen, wovon sie reden.

Und um ehrlich zu sein, wenn ich mich in die Köpfe dieser Leute versetze und mir vorstelle, ich würde den ganzen Schwachsinn über Ausländer und islamisierende Bedrohungen wirklich glauben, würde ich voll dahinter stehen!

 

Manche der kritisierten Punkte sind ja sogar echte Probleme:
Es gibt in Deutschland wirklich kriminelle Ausländer. Es gibt auch Ausländer (meist Jugendliche), die in Deutschland leben und das Wort „Deutscher“ als Beleidigung nutzen. Unter uns leben Islamisten, die sich wünschen, uns Ungläubige komplett auszulöschen und die gesamte Welt zu einem einzigen Gottesstaat zu vereinen.(**)

Alle der genannten Punkte sind Fakten und eigentlich ist es auch völlig normal, diese Dinge nicht gut zu finden, aber das öffentlich auszusprechen ist in Deutschland sehr riskant. Man könnte ja schließlich für einen Nazi gehalten werden.

Pegida geht dieses Risiko ein, was meiner Meinung nach mutig und bewundernswert ist, und verzapft dabei eine Unmenge an uninformiertem Blödsinn. Außerdem werden deutsche Fahnen geschwenkt und ein wenig mit diesem Konzept namens „Patriotismus“ experimentiert, mit dem es sich ähnlich wie mit Kreditkarten verhält: Es findet auf der gesamten Welt breite Anwendung, aber in Deutschland ist es nur eine Randerscheinung mit fragwürdigem Ruf.

 

Fazit:

Natürlich ist mir bewusst, dass gefährliche, politische Bewegungen in ihren Anfängen („bevor es zu spät ist“) genau so aussehen wie Pegida: Eine Horde Menschen ist wütend, ängstlich und mit der Gesamtsituation unzufrieden und projiziert all das auf ein mehr oder weniger imaginäres Feindbild.

Ließe man die Bewegung immer stärker werden und fügte einen „charismatischen“, vollkommen wahnsinnigen Anführer hinzu, könnte sie ein Land mit einer nicht allzu durchdachten Verfassung wie die der Weimarer Republik vermutlich in ein 4. Reich verwandeln.

Ob es allerdings besonders hilfreich ist, Gegendemos zu veranstalten, um diesen Menschen zu vermitteln, dass das ganze Land gegen sie ist, wage ich zu bezweifeln. Wenn niemand sich die Zeit nimmt, ihnen zuzuhören und ihnen zu erklären, warum ihre Ansichten zum Thema Ausländer und Islam schlichtweg falsch sind und was die wirklichen Gründe für die genannten Probleme sind, werden die Pegida-„Nazis“ wohl kaum einsehen, dass Ausländerfeindlichkeit falsch ist.

Das einzige, was durch Gegendemos vermittelt wird, bzw. was letztendlich bei denjenigen ankommt, gegen die sie sich richten, ist dass alle gegen sie sind, obwohl sie doch Recht haben und ihre Meinung auch begründen können!
Das Gegenüber als Nazi zu bezeichnen, statt auf seine Argumente einzugehen, wird nunmal, unverständlicherweise, von einigen Menschen als Zeichen von argumentativer Unterlegenheit verstanden. Anders gesagt: „Nazi“ zu schreien, ist eine ziemlich idiotische Taktik, wenn man die Diskussion mit Leichtigkeit gewinnen könnte!

Ich komme insofern zu dem Schluss, dass ich auch bei der nächsten Pegida-Gegendemo auf die Teilnahme verzichten werde. Auf der anderen Seite mitlaufen, möchte ich aber genausowenig…

Vielleicht sollte ich mich zwischen Demo und Gegendemo postieren und ein Schild mit der Aufschrift „Ihr seid ALLE unterbelichtet!“ hochhalten? … Ich denke, das ist ein wirklich guter Plan, bei dem absolut nichts schief gehen kann! ;)

 

(*) Im Fall des „Islamrabatts“ wurde lediglich keine „besondere Schwere“ des Verbrechens festgestellt, was nicht heißt, dass es sich dabei um kein besonders schweres Verbrechen handelt, sondern dass es kein ganz besonders furchtbarer Mord war. Hätte der Täter sein Opfer nicht „nur“ erstochen, sondern danach auch noch mit dessen abgetrennten Kopf auf dem Marktplatz Fußball gespielt, wäre das Urteil vermutlich anders ausgefallen.
In der Begründung dieser Entscheidung wurde unter Anderem(!) erwähnt, dass der Geistes- oder Gemütszustand des Täters in irgendeiner Weise durch das Fasten zum Ramadan negativ beeinflusst war. Das wurde allerdings in keinster Weise als mildernder Umstand gewertet und der Täter wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

(**) Ich sage nicht, dass diese Fälle besonders häufig sind oder einen relevanten Anteil der Ausländer/Moslems ausmachen. Einzelfälle sind aber trotzdem Dinge, die wirklich geschehen und über die man auch sprechen darf!

Gedankenlesen

Veröffentlicht: 19. Januar 2015 in Intelligenz neu definiert, Psycho-Scheiße

Da diskutiert man, nichts ahnend, ein bisschen im Internet über die Vor- und Nachteile von automatisierten Überwachungssystemen und plötzlich (also so 5 Tage später) kommt dann so eine Antwort:

Technik mitten in Deutschland – illegal dazu
mit dieser kann man aus Entfernung z.b. 100m in Häuser schauen, was dort getan gesagt, gemacht wird, wenn die Nahe genug rankommen können die nach suchen der Frequenz eines angepeilten die Frequenz suchen (dauert derzeit ca 3 Tage bis gefunden) Ab dann kann man gemütlich mitlesen was derjenige denkt.

Und dabei hatte ich doch eigentlich nur geschrieben, dass ich es prinzipiell nicht falsch finde, wenn die Polizei Computerprogramme benutzt, um gewisse Aspekte ihrer Arbeit (im konkreten Fall ging es um Rasterfahndung) teilweise zu automatisieren…

Aber Spaß beiseite:
Auch wenn das im ersten Moment lustig klingt, bin ich sehr froh, dass ich trotz meiner durchaus ansehnlichen Sammlung an F-Diagnosen von jeglichen Psychosen verschont geblieben bin!

Stimmungsschwankungen und Dissoziation sind zwar echt scheiße und machen das Leben oft äußerst unangenehm, aber wenn man nicht einmal mehr in der Lage ist, Realität und Wahnvorstellungen auseinander zu halten und auch keine Logik der Welt daran mehr etwas ändern kann, ist man ja so richtig angeschissen, vor Allem, wenn man nicht mal mehr in der Lage ist, sich Hilfe zu holen, weil die Psychiater ja allesamt Teil der eingebildeten Verschwörung sind, hat man doch eigentlich so gut wie gar keine Chance mehr…

Doch nun genug der düsteren Gedanken, ich sollte besser wieder darüber nachdenken, was für verdammt coole Sachen man mit einer derartigen Technik anstellen könnte! :D

(Vielleicht dazu mehr in einem folgenden Post…)

In Bezug auf http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20210/studie-ueber-pegida-demonstranten-zeigt-pegida-demonstranten-lehnen-teilnahme-an-studie-ab/

Vor ein paar Tagen wurde eine Studie durchgeführt, die Pegida-Demonstranten befragt hat, um eine demographische Einordnung der Bewegung zu erlauben. Dabei wurden rund 1200 Demonstranten angesprochen und gefragt, ob sie an der Befragung teilnehmen, ein Drittel der Angeprochenen nahm das Angebot an.

Herr Niggemeier kritisiert nun, dass in den Ergebnissen die Erfolgsquote bei der Suche nach Teilnehmern zu wenig Beachtung erhält. So sei es irreführend, dass in der grafischen Darstellung der Ergebnisse nur die Teilnehmer der Studie, also diejenigen über die man etwas herausgefunden hat, ihren Antworten entsprechende Balken erhalten. Richtiger wäre es aber laut Herrn Niggemeier vielmehr, wenn zusätzlich ein ganz großer Balken anzeigen würde, dass zwei Drittel der Angesprochenen gar nicht teilnehmen wollten.

Auch wenn mir der Grundgedanke einleuchtet, frage ich mich allerdings, warum die Forderung hier bereits endet. Wäre es nicht ehrlicher, wenn dem Diagramm ein noch viel größerer Balken hinzugefügt würde, der all die Demonstranten repräsentiert, die nicht einmal gefragt wurden, ob sie an der Studie teilnehmen? Dann könnte man direkt auf den ersten Blick erkennen, dass nur ein winziger Bruchteil der Demonstranten befragt wurde. Viel mehr könnte man zumindest der grafischen Darstellung dann natürlich nicht mehr entnehmen, aber wen interessiert schon, wie sich ein Bruchteil der Demonstranten zusammensetzt, wenn man doch eigentlich etwas über die Gesamtheit erfahren möchte?

Aber eigentlich wäre auch das völlig inkonsequent, denn dabei würde wiederum überhaupt nicht berücksichtigt, dass fast die gesamte Weltbevölkerung nicht an den Pegida-Demonstrationen teilnimmt…

Kurz gesagt, die einzige, wirklich ehrliche Darstellung der Studienergebisse ließe sich dieser Logik zufolge in einem Satz auf den Punkt bringen: „Diese Studie ist absolut nichtssagend, da nur 0,00000005% der Weltbevölkerung befragt wurden.“

Oder um es anders zu formulieren: Jede Studie hat nur eine begrenzte Aussagekraft. Das sollte eigentlich jedem bewusst sein und auf keinen Fall sollte man von einem Wissenschaftler erwarten, dass er seine eigentlichen Forschungsergebnisse hinter einer Überbetonung dessen, was sie nicht beinhalten, zu verstecken!

 

Ein weiteres Problem, das ich mit der Kritik von Herrn Niggemeier habe, besteht darin, dass er ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass die Umfragesituation nicht der Norm entspricht. Er scheint nicht einmal auf die Idee zu kommen, dass eine Erfolgsquote von 33% beim Ansprechen potentieller Studienteilnehmer völlig durchschnittlich sein könnte. Auch die negative Grundhaltung der Demonstranten primär gegenüber der Presse, die auch die Forscher zu spüren gekriegt haben, könnte durchaus normal sein. Manche Demonstranten glauben nunmal, dass die Presse ihrem Job, wahrheitsgemäß und neutral zu berichten, nicht allzu gut nachkommt. Wäre dies anders, würden wohl viele Menschen gar nicht erst eine Notwendigkeit dazu sehen, auf die Straße zu gehen, um ihrer Meinung Gehör zu verschaffen…

Es soll auch durchaus Menschen geben, die glauben, dass Demonstrationen vom Verfassugsschutz beobachtet werden und die Mitarbeiter desselben Datenbanken erstellen, in die sie möglichst viele Informationen über alle Demonstrationsteilnehmer sammeln. Ob das stimmt oder nicht, ist dabei nicht einmal relevant! Es erklärt in jedem Fall einen weiteren Teil der Leute, die sich einer Befragung verweigern, denn erstens könnten die „Forscher“ ja in Wirklichkeit Gott weiß wer sein und zweitens, selbst wenn sie wirklich das sind, was sie behaupten, arbeiten sie immer noch für den Staat und wer weiß schon, wie viel Einfluss „die“ auf so einen Forscher nehmen können. Was ich damit sagen will: Misstrauische, teils sogar paranoide Demonstranten gibt es nicht nur bei Pegida.

Und dann darf man natürlich auch nicht vergessen, dass es durchaus Leute gibt, die schlichtweg keine Lust haben, an einer Befragung teilzunehmen oder gerade, aus welchem Grund auch immer, in Eile sind.

Der springende Punkt ist: Die beschriebenen Umstände wirken auf mich alles andere als außergewöhnlich, insbesondere gemessen daran, dass es sich um eine Befragung von Pegida-Demonstrante handelt.

Herr Niggemeier hingegen findet die Umfragesituation „ungewöhnlich“ und übersieht dabei vollkommen, dass er in diesem Punkt (mangels genauerer Überprüfung) nur seine persönliche Meinung wiedergibt.

Selbst auf einen Kommentar meinerseits, in dem ich genau diese Kritik ausgedrückt habe, bekam ich als Antwort nur Folgendes:

@malvar infected: Kann es sein, dass Sie das alles da oben nicht gelesen haben? Vorländer beschreibt doch selbst, wie ungewöhnlich die Umfragesituation war, vgl. etwa die Zitate aus der „Leipziger Volkszeitung“.

Das Problem ist allerdings, dass Vorländer einfach nur die Umstände beschreibt (und betont, dass er nicht an eine Verzerrung der Ergebnisse durch diese glaubt). „Wie ungewöhnlich die Umfragesituation war“, ist hingegen eine Wertung, die erst von Herrn Niggemeier ins Spiel gebracht wurde.

 

Für mich ergibt sich insofern ein etwas anderes Bild des Beschriebenen:

Ein Forscher führt eine ganz normale Studie durch und veröffentlicht diese. Die Medien nehmen daraus das, woraus man gute Schlagzeilen machen kann und geben es (bis auf ein paar Ausnahmen) unreflektiert wieder. Herr Niggemeier beleuchtet diesen Einzelfall, aber anstatt ihn als gutes Beispiel für das zu machen, was die Medien andauernd falsch machen, schießt er sich auf einen einzelnen Forscher ein, der eigentlich nur seinen Job gemacht hat, so wie es vermutlich auch jeder seiner Kollegen tun würde.

Aus meiner Sicht ist diese Darstellung deswege tragisch, weil ich es eigentlich für sinnvoll halte, den Menschen größeres Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass Studien durchaus hinterfragt und im Kontext ihrer Entstehungsumstände interpretiert werden müssen. Das Fazit, dass es Aufgabe der Forscher ist, in ihren Publikationen diese Tatsache, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, stärker zu betonen, ist deswegen völlig kontraproduktiv, da es diejenigen, die eigentlich mehr über das, was sie lesen, nachdenken sollten, aus der Verantwortung entlässt und diese stattdessen denjenigen zuschiebt, für die das eigenständige Denken so normal ist, dass sie es für unnötig halten, extra dazu aufzufordern!

 

PS: Er ist für diese Argumentation eigentlich irrelevant, aber ich möchte den folgenden Gedanken trotzdem noch loswerden: Wenn man wirklich hinterfragt, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte, wäre es dann nicht viel sinnvoller, zu überprüfen, inwiefern die Platzierung oder das Auftreten der Befrager sich darauf ausgewirkt haben könnte, wer an der Umfrage teilnimmt? Beispielsweise wird ein Befrager, der sich in der Nähe der Polizei platziert, andere Demo-Teilnehmer erwischen als ein Befrager, der sich in den Kern der Demo begibt, wo am lautesten gebrüllt wird. Nur um mal ein Beispiel zu nennen für die vielen Faktoren zu nennen, die einen viel größeren Einfluss haben können als Sample-Größe oder Erfolgsquote beim Ansprechen…