Archiv für April, 2013

Als ich mir gerade mal wieder mit Bildblog.de die Zeit vertrieben habe, bin ich auf den folgenden Artikel gestoßen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/celebrity-kultur-der-preis-des-ruhms-12140342.html

Da ich eigentlich zu fast allem eine Meinung habe, das es mir wert ist, mehr als eine halbe Minute darüber nachzudenken, wollte ich diese natürlich gerne in der Kommentarsektion kundtun und stieß dabei auf das übliche Problem: „Bitte registrieren Sie sich, um an der Diskussion teilzunehmen.“

Jetzt mal ernsthaft, muss ich mich wirklich bei jeder einzelnen Seite registrieren, nur um dort einmalig einen Kommentar abgeben zu können?
Ok, ich verstehe, warum das notwendig ist (rechtliche Absicherung, Schutz vor Spam, etc.), aber es nervt!

Und dann kam mir eine Idee:
Ich habe da doch dieses Blog, das ich vor einer Weile angelegt und seitdem erst ein einziges Mal benutzt habe. Wieso nehme ich nicht einfach diesen Ort als Plattform, um meine Meinung zu äußern?
(Ja, manchmal brauche ich verdammt lange, um das Offensichtliche zu erkennen…)

Also zum eigentlichen Thema:

In kurzen Worten zusammengefasst, steht in besagtem Artikel, dass Stars so unglaublich viel Hass entgegenschlägt und wie schwer das für diese armen Menschen ist. Hach, wie traurig!

Versteht mich bitte nicht falsch: Ich will damit nicht sagen, dass es den Prominenten Recht geschieht, wie sie behandelt werden, aber in gewisser Weise haben sie es nun einmal verdient und das meine ich im absolut wörtlichen Sinne. Aber fangen wir erstmal im Kleinen an:

1.) Jeder Mensch, der ein gewisses Maß an sozialen Kontakten pflegt, wird sicherlich schon bemerkt haben, dass es Menschen gibt, die ihn (*) nicht leiden können.

2.) Außerdem ist es eine bekannte Tatsache, dass Menschen dazu neigen, mit großer Begeisterung über alles und jeden zu lästern, oftmals sogar über ihre besten Freunde.

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Faktor besteht darin, dass Menschen dazu neigen, sich selbst als den Mittelpunkt des Universums zu betrachten (was aus der eigenen Perspektive betrachtet auch nicht gerade wenig Sinn ergibt) und sich häufig sehr schnell gekränkt fühlen, wenn man ihnen nicht dieselbe Beachtung schenkt, die sie einem zuteil werden lassen, selbst wenn das logisch betrachtet überhaupt nicht möglich ist. Ich spreche hier aus Erfahrung:

Eine Zeit lang habe ich selbst hobbymäßig ein wenig Musik gemacht. Ich hatte dabei eine Menge Spaß und habe immer versucht, mein Bestmögliches zu geben, weil ich der Meinung war, dass ich das einerseits mir selbst schulde und andererseits ich natürlich auch gehofft habe, möglichst viele Menschen damit zu erreichen, was logischerweise dann am besten funktioniert, wenn man den potentiellen Zuhörern versucht, etwas Gutes zu bieten.
Natürlich habe ich mich nie auch nur im Geringsten als Star betrachtet. Ich wusste, dass ich relativ gut bin, aber die Betonung liegt hierbei auf relativ: Wenn der Durchschnitt sich auf extrem niedrigem Niveau befindet, ist es nicht sonderlich schwer besser zu sein. Gemessen an meinem eigenen Maßstab war ich noch immer weit entfernt davon, richtig gut zu sein.
Langer Rede kurzer Sinn: Ich dachte nicht, dass ich besonders viel Beachtung bekomme und es hat mich auch nie besonders interessiert. Ich wollte einfach nur das Beste geben, wozu ich in der Lage war.

Entsprechend überrascht war ich demzufolge natürlich, als ich mit großer Belustigung feststellte, dass es ein paar Leute gab, die ihre Zeit dafür opferten, um zu einem (in keinster Weise beachtenswerten) Song-Context zu kommen, einzig und allein, um mich auszubuhen.
Ernsthaft: Die haben dafür sogar ein paar Euro Eintritt bezahlt!

3.) Sobald man sich mit etwas an die Öffentlichkeit wendet, fühlen sich offensichtlich Leute dazu berufen, ihre Meinung darüber genauso öffentlich kund zu tun.
(Genau genommen ist das, was ich hier mache, nichts anderes.)

Dass der Anteil der „Hater“ unter denjenigen, die von der eigenen Existenz Kenntnis nehmen, keine absolute Zahl mit einer festen Obergrenze ist, sondern vielmehr ein relativer Anteil, sollte sich von selbst ergeben.

Wenn also schon unter den vielleicht ein paar hundert Leuten, denen mein künstlerisches Schaffen aufgefallen ist, ein paar dabei sind, die mich interessant genug fanden, um mich zu ihrem persönlichen Feind zu erklären, ist es doch eigentlich nur logisch, dass dieses Grüppchen bei einem Star, den Millionen (in manchen Fällen sogar Milliarden) Menschen kennen, beachtliche Ausmaße annimmt.
Gehen wir einfach mal davon aus, dass generell 1% der Leute, die die Existenz eines Menschen wahrnehmen, ihn scheiße finden, kommen wir bei Weltstars damit schon mal schnell auf einige Millionen und auch wenn das relativ gesehen eine Minderheit ist, ist es trotzdem ein Haufen Leute, die eine Menge Lärm veranstalten können!

Dazu kommen dann natürlich auch noch fanatische Fans, Sensationsgeile, usw.

Simpel gesagt: Jeder Mensch muss mit seinem eigenen Häufchen menschlicher Scheiße kämpfen. Bei Stars ist das kein bisschen anders als bei normalen Menschen, das Häufchen ist nur aufgrund ihrer immensen Popularität entsprechend größer…

Auch das Ausmaß der Verunglimpfungen ist eigentlich nicht wirklich größer. Vermutlich hat so gut wie jeder in seinem Umfeld mindestens eine Person, die hinter seinem Rücken so richtig üble Dinge über ihn erzählt. In den meisten Fällen ignorieren wir so etwas eben einfach.

Im Endeffekt läuft es also darauf hinaus, dass die armen Stars in dieser Hinsicht genau dieselben Probleme haben, wie jeder andere Mensch auch, nur halt in einem viel größeren Rahmen, weil ihr gesamtes Leben sich nunmal in einem viel größeren Rahmen abspielt!

Und was die größten Ausreißer angeht, kann ich das Problem, dass es ja auch so schwierig ist, dagegen vorzugehen nicht wirklich nachvollziehen. Ok, ein Zivilprozess mag ja teuer sein, aber wenn beispielsweise jemand unbefugt in private Räume einbricht und Fotos macht, ist das eine Straftat, also ein Fall für Polizei und Staatsanwaltschaft und die werden staatlich finanziert. Man muss also nicht unbedingt große Geldsummen aufwenden, um Hilfe gegen derartige Übergriffe zu bekommen:

Jemand bricht bei dir ein und macht Fotos? Geh zur Polizei und zeig ihn an!

Jemand kauft besagte Fotos und verdient damit Geld? Bewusst aus einer Straftat Gewinn zu ziehen, ist meines Wissens auch nicht legal und spätestens ab dem Punkt, wo derjenige schon im Voraus für derartige Fotos Geld bietet, handelt es sich um Anstiftung zu einer Straftat und das ist definitiv strafbar!

Es mag zwar viele Leute geben, die der Meinung sind, dass es denjenigen, die so etwas gewerblich betreiben, am meisten weh tut, wenn man sie finanziell trifft, aber seien wir mal realitisch: Geld haben die doch zur Genüge, Schmerzensgelder oder Schadensersatz werden da als Betriebskosten einkalkuliert.
Eine strafrechtliche Verurteilung hingegen ist nicht so einfach vom Tisch zu kriegen. Selbst wenn es nur eine Geldstrafe ist, weil Erstverurteilung, danach ist derjenige vorbestraft!

Wer also einfach nur will, dass die Übeltäter bestraft werden, sollte eine Strafanzeige stellen.
(Zur Sicherheit kann man ja auch noch als Nebenkläger in den Prozess einsteigen, das kostet dann vielleicht ein bisschen was für den Anwalt, aber bei Weitem nicht so viel wie ein Zivilprozess!)

Natürlich ist auch in diesen Fällen kein Rechtssystem perfekt, aber dieses Problem betrifft nicht nur Stars, sondern auch jeden anderen Menschen…

* Eine kleine Anmerkung am Rande: Ich benutze der Einfachheit halber das generative Maskulinum. Wer hierin eine Geschlechterdiskriminierung sieht, hat meines Erachtens eine psychologische Behandlung mindestens genauso dringend notwendig wie ich!
So, damit wäre dieses Thema dann auch geklärt und ich kann mir in zukünftigen Texten jegliche Gedanken darüber, ob meine Ausdrucksweise in dieser Hinsicht irgendwie inkorrekt ist, sparen.
Kritik an meiner Praxis diesbezüglich nehme ich natürlich gerne entgegen und möglicherweise auch als Steilvorlage, um mich mit großer Begeisterung über die Dummheit der Person, die sie äußert, zu echauffieren.  :)

Seit nunmehr einer Woche habe ich mein bisheriges Antidepressivum abgesetzt und nehme stattdessen ein neues Medikament. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit der Veränderung:

– Ich kann viel klarer denken.
– Das ständige Verlangen nach irgendetwas, das mich für einen Moment zufrieden macht, ist nicht mehr vorhanden. Ich fühle mich durchgängig recht zufrieden.
– Ich habe nicht mehr andauernd Hunger. Genau genommen ist mir mein Hungergefühl fast komplett abhanden gekommen, aber da ich durch das letzte Medikament mehr als 15 Kilo zugenommen habe, finde ich das eigentlich ziemlich gut.
– Depressiv fühle ich mich auch zur Zeit nicht, mein Antrieb ist sogar schon jetzt gesteigert, auch wenn ich zur Zeit noch nicht wirklich davon profitieren kann. (Mehr dazu gleich.)
– Ein weiter praktischer Nebeneffekt: Offensichtlich ist durch das neue Medikament mein Blutdruck gestiegen und da der vorher viel zu niedrig war, ist auch das eine tolle Sache.

Alles in Allem ist mein neues Antidepressivum also richtig toll und ich habe auch kaum Nebenwirkungen:
Mir ist nicht übel, ich habe keine Kopfschmerzen, meine Blase funktioniert auch noch, ich bin nicht tot umgefallen, … -> Eigentlich ist alles im grünen Bereich, ich hatte mir den Umstieg viel problematischer vorgestellt!

Natürlich gibt es auch ein paar kleinere Unannehmlichkeiten:

Zum Einen wäre da natürlich dieser nervige Schwindel im Kopf, der besonders dann auftritt, wenn ich mich bewege oder auch nur schnelle Bewegungen mit den Augen mache…

Außerdem bin ich in emotionaler Sicht aktuell sehr dünnhäutig und reagiere extrem empfindlich auf, naja, eigentlich absolut alles…

Also in die Uni kann ich zur Zeit natürlich nicht gehen, was etwas blöd ist, weil gerade das neue Semester begonnen hat und ich ja eigentlich gerade wegen meiner Unfähigkeit, mich richtig aufs Studium zu konzentrieren, auf ein neues Medikament umgestiegen bin. Aber naja, in ein paar Wochen wird das bestimmt alles besser sein und dann wird alles toll. -> Ich bin optimistisch! =)

Ein bisschen problematisch sind auch andere Aktivitäten, zum Beispiel war mein letzter Einkauf (ich brauchte viele Fertiggerichte, denn Kochen ist mir momentan auch zu viel) ein einziger Alptraum. Als ich ihn hinter mich gebracht hatte, war ich völlig fertig mit den Nerven, aber immerhin hatte ich dieses mal keinen Nervenzusammenbruch wie nach dem Einkauf zwei Tage davor!

A propos Nervenzusammenbruch: Gestern abend hatte ich auch mal wieder einen kleinen davon. Im Endeffekt ist aber nicht viel passiert, war zwar unschön, aber ich hab weder mich noch eine andere Person verletzt und auch keine Gegenstände kaputt gemacht!
Einzig die Nerven meiner Freundin mussten mal wieder besonders leiden. :/

Ich vermute, dass meine kleinen Zusammenbrüche bis jetzt so glimpflich abgelaufen sind. hängt in erster Linie damit zusammen, dass dank des neuen Medikamtents selbst, wenn es mir richtig beschissen geht, ein Teil von mir immer noch völlig klar denken kann.
Ich beobachte dann also quasi meinen eigenen Zusammenbruch und kann in einem gewissen Rahmen dafür sorgen, dass ich dabei nichts allzu dummes tue.
Dabei fühle ich mich zwar ein wenig zwiegespalten, denn immerhin funktioniert mein rationales Denken ziemlich unbeeinflusst vom Rest von mir, aber auch wenn das ein wenig beunruhigend ist, hat es ja durchaus seine Vorteile.

Also alles in Allem fühle ich mich ziemlich gut! :D

Aus Sicht eines normalen Menschen muss das Alles ziemlich merkwürdig klingen:
Meine aktuellen Probleme schränken mich so massiv ein, dass ich, abgesehen davon, den Tag unverletzt zu überstehen, eigentlich überhaupt nichts auf die Reihe kriege.
Trotzdem habe ich das Gefühl, es geht mir im Prinzip so gut wie schon lange nicht mehr.

Kurz gesagt:
Da aktuell meine Depressionen wegfallen, kommen mir alle anderen Probleme wie Nebensächlichkeiten vor.

Das Problem daran ist, dass ich mich demzufolge daran sehr schwer tue, meine aktuellen Probleme wirklich ernst zu nehmen…
Gestern abend dachte ich noch (nach meinem kleinen Zusammenbruch) „Wenn das nicht bald besser wird, bin ich reif für die Geschlossene“, heute frage ich mich schon wieder, ob ich mich nicht viel zu sehr anstelle, weil ich entschlossen habe, auch morgen nicht zur Uni zu gehen…
Zugegeben, mit dem ganzen Schwindel und so könnte meine Lernfähigkeit ein wenig eingeschränkt sein (obwohl ich andererseits ja wunderbar klar denken kann, also irgendwie…) und eigentlich möchte ich ja auch nicht riskieren, dass mein nächster Nervenzusammenbruch inmitten meiner Kommilitonen stattfindet… Aber andererseits denke ich mir die ganze Zeit, dass ich mich doch eigentlich viel zu sehr anstelle, denn schließlich fühle ich mich doch überhaupt nicht so richtig beschissen, die meiste Zeit zumindest.

Langer Rede kurzer Sinn:

Nachdem ich jahrelang mit Depressionen gelebt habe, scheine ich irgendwie die Fähigkeit verloren zu haben, Probleme, die keine Depression sind, noch so richtig ernst zu nehmen.

Sehr irritierend das Ganze!

Hoffentlich ist die Umstellungsphase bald vorbei und ich kann endlich davon profitieren, dass es mir so klasse geht… ;)