Ohne Depressionen kann es mir nur gut gehen!

Veröffentlicht: 2. April 2013 in Persönliches
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Seit nunmehr einer Woche habe ich mein bisheriges Antidepressivum abgesetzt und nehme stattdessen ein neues Medikament. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden mit der Veränderung:

– Ich kann viel klarer denken.
– Das ständige Verlangen nach irgendetwas, das mich für einen Moment zufrieden macht, ist nicht mehr vorhanden. Ich fühle mich durchgängig recht zufrieden.
– Ich habe nicht mehr andauernd Hunger. Genau genommen ist mir mein Hungergefühl fast komplett abhanden gekommen, aber da ich durch das letzte Medikament mehr als 15 Kilo zugenommen habe, finde ich das eigentlich ziemlich gut.
– Depressiv fühle ich mich auch zur Zeit nicht, mein Antrieb ist sogar schon jetzt gesteigert, auch wenn ich zur Zeit noch nicht wirklich davon profitieren kann. (Mehr dazu gleich.)
– Ein weiter praktischer Nebeneffekt: Offensichtlich ist durch das neue Medikament mein Blutdruck gestiegen und da der vorher viel zu niedrig war, ist auch das eine tolle Sache.

Alles in Allem ist mein neues Antidepressivum also richtig toll und ich habe auch kaum Nebenwirkungen:
Mir ist nicht übel, ich habe keine Kopfschmerzen, meine Blase funktioniert auch noch, ich bin nicht tot umgefallen, … -> Eigentlich ist alles im grünen Bereich, ich hatte mir den Umstieg viel problematischer vorgestellt!

Natürlich gibt es auch ein paar kleinere Unannehmlichkeiten:

Zum Einen wäre da natürlich dieser nervige Schwindel im Kopf, der besonders dann auftritt, wenn ich mich bewege oder auch nur schnelle Bewegungen mit den Augen mache…

Außerdem bin ich in emotionaler Sicht aktuell sehr dünnhäutig und reagiere extrem empfindlich auf, naja, eigentlich absolut alles…

Also in die Uni kann ich zur Zeit natürlich nicht gehen, was etwas blöd ist, weil gerade das neue Semester begonnen hat und ich ja eigentlich gerade wegen meiner Unfähigkeit, mich richtig aufs Studium zu konzentrieren, auf ein neues Medikament umgestiegen bin. Aber naja, in ein paar Wochen wird das bestimmt alles besser sein und dann wird alles toll. -> Ich bin optimistisch! =)

Ein bisschen problematisch sind auch andere Aktivitäten, zum Beispiel war mein letzter Einkauf (ich brauchte viele Fertiggerichte, denn Kochen ist mir momentan auch zu viel) ein einziger Alptraum. Als ich ihn hinter mich gebracht hatte, war ich völlig fertig mit den Nerven, aber immerhin hatte ich dieses mal keinen Nervenzusammenbruch wie nach dem Einkauf zwei Tage davor!

A propos Nervenzusammenbruch: Gestern abend hatte ich auch mal wieder einen kleinen davon. Im Endeffekt ist aber nicht viel passiert, war zwar unschön, aber ich hab weder mich noch eine andere Person verletzt und auch keine Gegenstände kaputt gemacht!
Einzig die Nerven meiner Freundin mussten mal wieder besonders leiden. :/

Ich vermute, dass meine kleinen Zusammenbrüche bis jetzt so glimpflich abgelaufen sind. hängt in erster Linie damit zusammen, dass dank des neuen Medikamtents selbst, wenn es mir richtig beschissen geht, ein Teil von mir immer noch völlig klar denken kann.
Ich beobachte dann also quasi meinen eigenen Zusammenbruch und kann in einem gewissen Rahmen dafür sorgen, dass ich dabei nichts allzu dummes tue.
Dabei fühle ich mich zwar ein wenig zwiegespalten, denn immerhin funktioniert mein rationales Denken ziemlich unbeeinflusst vom Rest von mir, aber auch wenn das ein wenig beunruhigend ist, hat es ja durchaus seine Vorteile.

Also alles in Allem fühle ich mich ziemlich gut! :D

Aus Sicht eines normalen Menschen muss das Alles ziemlich merkwürdig klingen:
Meine aktuellen Probleme schränken mich so massiv ein, dass ich, abgesehen davon, den Tag unverletzt zu überstehen, eigentlich überhaupt nichts auf die Reihe kriege.
Trotzdem habe ich das Gefühl, es geht mir im Prinzip so gut wie schon lange nicht mehr.

Kurz gesagt:
Da aktuell meine Depressionen wegfallen, kommen mir alle anderen Probleme wie Nebensächlichkeiten vor.

Das Problem daran ist, dass ich mich demzufolge daran sehr schwer tue, meine aktuellen Probleme wirklich ernst zu nehmen…
Gestern abend dachte ich noch (nach meinem kleinen Zusammenbruch) „Wenn das nicht bald besser wird, bin ich reif für die Geschlossene“, heute frage ich mich schon wieder, ob ich mich nicht viel zu sehr anstelle, weil ich entschlossen habe, auch morgen nicht zur Uni zu gehen…
Zugegeben, mit dem ganzen Schwindel und so könnte meine Lernfähigkeit ein wenig eingeschränkt sein (obwohl ich andererseits ja wunderbar klar denken kann, also irgendwie…) und eigentlich möchte ich ja auch nicht riskieren, dass mein nächster Nervenzusammenbruch inmitten meiner Kommilitonen stattfindet… Aber andererseits denke ich mir die ganze Zeit, dass ich mich doch eigentlich viel zu sehr anstelle, denn schließlich fühle ich mich doch überhaupt nicht so richtig beschissen, die meiste Zeit zumindest.

Langer Rede kurzer Sinn:

Nachdem ich jahrelang mit Depressionen gelebt habe, scheine ich irgendwie die Fähigkeit verloren zu haben, Probleme, die keine Depression sind, noch so richtig ernst zu nehmen.

Sehr irritierend das Ganze!

Hoffentlich ist die Umstellungsphase bald vorbei und ich kann endlich davon profitieren, dass es mir so klasse geht… ;)

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