Süchtig? (Teil 1)

Veröffentlicht: 16. September 2013 in Persönliches, Politik & Gesellschaft, Psycho-Scheiße
Schlagwörter:, , , ,

Seit neuestem gibt es in meiner Diagnosen-Sammlung einen neuen Eintrag:

„Abhängigkeit von Cannabinoiden (F12.2)“

Gestellt wurde mir diese Diagnose während eines Klinikaufenthalts, bei dem es eigentlich um die Behandlung meiner Depression gehen sollte und letztendlich sorgte sie dafür, dass genau das nicht im vollen Umfang geschehen konnte, denn die Klinik vertrat die Meinung, dass vor einer sinnvollen Depressionsbehandlung zuerst einmal eine „Suchtentwöhnung“ stattfinden müsse und meine Krankenkasse wiederrum findet, dass dies nicht zu den Leistungen gehört, die zu erbringen sie verpflichtet sind.

Fazit: Die ursprünglich für die Depressionsbehandlung genehmigten 3 Wochen(*) wurden zwar als Kulanzleistung bezahlt, aber da die Klinik auf weiteren 3 Wochen Suchtbehandlung bestand, bevor sie sich offiziell mit der Depression beschäftigt hätten(**), „einigte“ man sich letztendlich darauf, dass ich entweder die weitere Behandlung hätte selbst bezahlen müssen, was ich nicht konnte, oder die Behandlung abbrechen und heimfahren, was ich dann gezwungenermaßen tat.

Man kann nun darüber denken, was man will:
„Selbst schuld“ ist eine Variante und in gewisser Weise ist diese nicht mal so abwegig, denn hätte ich das Kiffen mal einfach sein gelassen, wäre ich gar nicht in dieser Situation gelandet und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich genau das auch getan hätte, wenn mir bewusst gewesen wäre, dass es zu derartigen Problem führt.

An diesem Punkt wird es allerdings etwas komplizierter, denn Sucht ist anerkanntermaßen eine Krankheit und ein Süchtiger kann nicht einfach aus eigener Kraft aufhören, süchtig zu sein.
Das heißt also, dass ich entweder unschuldig bin in der Hinsicht, dass mein Fehlverhalten Symptom einer Krankheit ist, oder irgendwas stimmt nicht mit der Suchtdiagnose. Letzteres wiederrum würde bedeuten, dass meine Probleme das Resultat einer Fehldiagnose wären und auch das wäre nicht meine Schuld.

Moralisch betrachtet, bin ich also fein raus. Praktisch gesehen, bringt mir das allerdings einen Scheiß, denn die Konsequenzen werden dadurch ja nicht abgemildert.

Trotzdem ist es für mich wichtig, darüber Klarheit zu kriegen, ob ich nun süchtig bin oder nicht, denn diese Frage hat natürlich einen gewissen Einfluss darauf, wie ich mein weiteres Vorgehen gestalte:
Eine zutreffende Suchtdiagnose bedeutet, dass ich meinen Fokus darauf legen muss, die Sucht behandeln zu lassen. Eine ambulante Suchtentwöhnung wäre dann vermutlich sinnvoll, wofür allerdings auch erstmal die Kostenfrage geklärt werden müsste. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe wäre nicht die schlechteste Idee.
All das wäre natürlich eine ziemliche Verschwendung von Zeit und Energie, die ich an anderer Stelle viel sinnvoller einsetzen könnte, falls die Diagnose falsch ist. In diesem Fall wäre es deutlich besser, mich darauf zu konzentrieren, weiterhin gegen die Probleme anzukämpfen, die in mir das Bedürfnis wecken, auf irgendeine Weise aus der Realität zu flüchten.

Sicher ist nur eines: Ich werde nicht mehr Kiffen!

 

* meine KV bewilligt standardmäßig immer nur 3 Wochen auf einmal und danach muss ein Verlängerungsantrag gestellt werden

** in der Praxis wurde zwar ein Teil der Therapiezeit an eine nicht wirklich sinnvolle Suchtbehandlung verschwendet, aber hauptsächlich ging es dann eigentlich doch um die Depression

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s