Denkblockade

Veröffentlicht: 20. Januar 2014 in Persönliches, Psycho-Scheiße, Studium

Es ist mal wieder soweit: In zwei Tagen muss ich eine Hausaufgabe abgeben, die darüber entscheidet, ob ich mein Praktikum gerade noch bestehe oder ob ich schon wieder ein Semester verschwendet habe. Eigentlich sollte ich mit Hochdruck daran arbeiten, aber ich kriege absolut nichts gebacken. Mal wieder…

Was mich daran am meisten frustriert, ist dass ich weiß, wie einfach das Ganze eigentlich sein müsste:
Ich habe mich mit der Aufgabe beschäftigt und die grobe Struktur bereits seit Tagen im Kopf. Die selbst zu entwickelnden Algorithmen sind ein Witz, das „Komplizierteste“ dabei ist die Berechnung von Primzahlen und den Code habe ich schon geschrieben (was auch bereits deutlich länger gedauert hat (>1h), als es eigentlich sollte, wenn ich mich vernünftig konzentrieren könnte(<15min)). Um das Ganze umzusetzen, fehlt mir nur eine simple Abfolge von vielleicht 10 Befehlen, die komplett vom Protokoll vorgegeben ist. Ich muss diese Abfolge nur nachschlagen, abschreiben (bzw. kopieren), ein paar kleinere Anpassungen machen und den Code ergänzen, damit er die geforderte Funktion erfüllt.

Und trotzdem scheitere ich daran:
Zuerst ist es mir tagelang nicht gelungen, mich dazu aufzuraffen, mit der Aufgabe anzufangen. Dann, als ich es gestern endlich mal geschafft hatte, mich zum Arbeiten zu zwingen, ging trotzdem nichts. Ich habe mehrere Stunden lang versucht, mittels der API und diversen Tutorials herauszufinden, wie das Protokoll funktioniert. Ich habe mehrere Codebeispiele kopiert und versucht sie anzupassen, aber das einzige, was dabei herauskam, waren Chaos im Editor und Verzweiflung meinerseits.
Irgendwann ging es mir so beschissen, dass ich ins Bett geflüchtet bin, mir die Decke über den Kopf gezogen und erst einmal geheult habe, weil ich es einfach nicht mehr ertragen konnte: Immer wieder stoße ich an eine Grenze, wo ich zwar eigentlich weiß, was ich nachschlagen muss und mir auch klar ist, dass das überhaupt nicht kompliziert ist, aber sobald ich es versuche, verliere ich den Überblick darüber, was ich da eigentlich tue und laufe in einen Nebel aus Verwirrtheit und Verzweiflung.
Das ist einfach zum Kotzen! Ich stehe vor einer Aufgabe, die mir überhaupt nicht schwerfallen sollte, aber ich kann keinen Gedanken lange genug halten, um zur Lösung zu gelangen.

Wahrscheinlich haben die Medikamente, die gegen meine Angstprobleme helfen sollen, damit etwas zu tun. Das Zeug macht mich schwerfällig im Denken, was meiner Freundin noch viel mehr auffällt als mir selbst.

Aber die Medis wirken nunmal auch: Ich habe zwar immer noch regelmäßig unsinnige Ängste, die mich stark blockieren, aber ich habe seitdem ich sie nehme, nicht mehr so heftige Zusammenbrüche, kann mich leichter wieder aus irgendwelchen Dingen herausreißen, in die ich mich reingesteigert habe und bin besser in der Lage, unangenehme Gefühle auszuhalten. In meiner Therapie bin ich gefühlt ein gutes Stück vorwärts damit gekommen, mich selbst zu verstehen, da ich mich inzwischen an manche Aspekte meiner Erkrankung herantrauen kann, die vorher viel zu beängstigend waren, um überhaupt darüber nachzudenken, geschweige denn sie auszusprechen.
Kurz gesagt: In persönlicher Hinsicht glaube ich, dass ich von den Medis profitiere und durch sie voran komme.

Gleichzeitig scheint es mir aber so, dass sie mich in akademischer Hinsicht aufhalten und auch dieser Fortschritt ist für mich wichtig. Schließlich kann ich ja nicht ewig studieren…

Ich bin mal wieder ziemlich desillusioniert. Mir kommt das Studium zur Zeit unschaffbar vor, aber wirkliche Alternativen sehe ich auch nicht. Zu meinem Gedanken, dass es vielleicht besser wäre, das Ganze einfach hinzuschmeißen und mir einen Job zu suchen, bei dem ich nicht viel denken muss, meinte meine Therapeutin nur, dass das letzten Endes auf Hartz4 bzw. Sozialhilfe hinauslaufen würde.
Was ich mir für mein Leben vorstelle, ist das auch nicht! Einerseits wäre es einfach und ich hätte dann endlich meine Ruhe und müsste nicht mehr andauernd kämpfen, aber andererseits: Welchen Sinn macht das Leben noch, wenn ich all meine Ziele und Träume einfach aufgebe und nur noch vor mich hinvegetiere??

Letzlich bleibt mir wohl nur das zu tun, was ich immer mache: Weiter den Weg gehen, der mir gerade aussichtslos vorkommt und darauf vertrauen, dass das nur eine Phase ist und ich bald wieder besser vorankomme.

Das löst nur leider auch nicht das aktuell dringlichste Problem: Wie schaffe ich es, bis übermorgen eine fertige Abgabe zu haben und meinen Schein zu bestehen? -.-

(Vielleicht sollte ich meinem Praktikumsleiter eine Email schreiben: „Hallo [Praktikumsleiter], ich glaube ich schaffe die Abgabe nicht, weil meine Medikamente mich total langsam im Kopf machen und meine Versuche, das verdammte Protokoll zu verstehen, immer damit enden, dass ich nur noch heulen will (und das meine ich nicht im übertragenen Sinne!). Können wir vielleicht eine Möglichkeit finden, dass ich für die fehlenden Punkte etwas abgebe, sobald mein Kopf wieder einigermaßen funktioniert?“ …
Wirklich wohl fühle ich mich bei dieser Idee aber auch nicht, zumal ich innerhalb der nächsten Woche auch noch an einem Gruppenprojekt in einem andern Fach mitarbeiten muss und Angst habe, dass er dann denkt „Der kann doch offenbar arbeiten, warum behauptet der mir gegenüber so einen Mist?“. Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht aber immerhin in Bezug auf das andere Fach: Das Ganze ist so extrem stumpfsinnig, dass ich es zwar unter normalen Umständen dafür hasse, aber vielleicht überfordert es mich deswegen ja etwas weniger…)

 

Nachtrag: Habe mir jetzt eingeredet, dass mein Kopf klar sein kann, wenn ich nur daran glaube. Danach nochmal an die Aufgabe gesetzt. Das Problem, an dem ich gehangen habe, innerhalb von relativ kurzer Zeit gelöst (ca. 20 Minuten). Ich kapier zwar immer noch nicht genau, warum ich welchen Befehl gewählt habe, aber es läuft: Ich kann simple Textnachrichten verschicken. Der Rest sollte jetzt leichter werden…
Vielleicht sind es doch nicht die Medis, die mich blockieren, sondern einfach nur der Stress, den ich mir selbst mache… :)

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