VG Media verliert Bezug zur deutschen Sprache, Google mutmaßlich schuld daran

Veröffentlicht: 22. Oktober 2014 in Uncategorized

Heute hat die VG Media gegenüber Google „kapituliert“ und dazu diese Pressemitteilung herausgegeben:

https://www.vg-media.de/images/stories/pdfs/presse/2014/141022_pm_vgmedia_gratiseinwilligung-google.pdf
(Da ich mich nicht traue, aus der Pressemitteilung zu zitieren, ohne vorher einen Anwalt zu konsultieren, verlinke ich sie hier nur und gehe davon aus, dass jeder, der wissen will, was genau darin steht, sie sich selbst durchliest.)

Was auf den ersten Blick nach einem Sieg für Google klingt, ist in Wirklichkeit aber nur ein weiterer Angriff seitens der VG Media. Die „Kapitulation“ besteht darin, dass Google vorläufig eine Erlaubnis erteilt wurde, die Angebote der VG-Media weiterhin im gewohnten Maß in ihrem Index zu listen, ohne dafür zu bezahlen, zumindest so lange, bis ein Gericht klärt, ob die VGM Google dazu zwingen kann, ihre Angebote zu listen und auch noch dafür zu bezahlen. Man könnte hier wohlwollend von einer Waffenruhe sprechen.

Genau genommen tut die VG Media auch genau das, aber nicht in Bezug auf den aktuellen Status, den sie wie gesagt als „Kapitulation“ ihrerseits bezeichnen. Stattdessen werfen sie Google vor, sich einer „Waffenruhe“ verweigert zu haben, die offenbar darin bestanden hätte, dass Google erstmal ihre Angebote weiterhin wie gehabt listed und dafür zumindest so lange Geld bezahlt, bis ein Gericht klärt, ob sie das überhaupt tun müssen.

Kurz gesagt: Die VG Media hat offenbar die Bedeutung der Worte „Kapitulation“ und „Waffenruhe“ vertauscht und so wurde dann aus „VG Media bietet Waffenruhe an, weil Google nicht kapituliert“ stattdessen „VG Media kapituliert, weil Google sich einer Waffenruhe verweigert“. Ob die Tatsache, dass die VGM selbst in ihrer Pressemitteilung das Wort „Waffenruhe“ in Anführungszeichen setzt, als Eingeständnis gemeint ist, dass sie diesen Begriff nicht in seiner eigentlichen Bedeutung verwenden oder vielmehr darauf hinweisen soll, dass sie sich in der Verwendung dieses Begriffs nicht ganz sicher fühlen, da er in ihrem normalen Wortschatz nicht vorkommt, bleibt vorerst ungeklärt. Diesbezügliche Anfragen an den Verfasser der Pressemitteilung sind leider auch als alles andere als erfolgsversprechend zu betrachten, da eine Kommunikation über derartige Fragen nun einmal als Verständigungsbasis voraussetzen würde, dass beide Seiten in der selben Sprache kommunizieren, was aufgrund der offenkundig sehr starken Diskrepanz zwischen (Duden-)Deutsch und VGM-Sprech natürlich nicht zutrifft.

Da eine eine Kommunikation mit der VG Media also nicht möglich ist, wäre es wohl sinnvoller stattdessen zuerst einmal ein paar grundlegende Fragen zu klären, wie zum Beispiel die, ob das Leistungsschutzrecht sich nur auf journalistische Arbeiten beschränkt oder auch dadaistische Kunstprojekte wie die der VGM umfasst. Auch die Frage, wie deutsche Gerichte mit Klägern umgehen sollen, die in keiner allgemein anerkannten, menschlichen Sprache kommunizieren, wird noch viel Anlass zur Diskussion bieten.

Auch wenn diese scbwierige Situation für den Großteil unserer Gesellschaft äußerst unerfreulich ist, gibt sie doch zumindest für die linguistische Fachwelt Anlass zur Hoffnung: Nicht nur gibt es nun eine weitere Sprache, die erforscht werden kann, sondern es ist auch damit zu rechnen, dass in naher Zukunft betrachtliche Forschungsgelder verfügbar gemacht werden für die Suche nach einer rechtlich unanfechtbaren Kommunikation zwischen Gerichten und sprachlich beeinträchtigten Klägern bzw Beklagten.

Man kann also guten Gewissens sagen, dass der heutige Tag zwar einen großer Schritt für die menschliche Dummheit dargestellt hat, aber zugleich auch eine große Chance für die Wissenschaft mit sich bringt.

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