Archiv für Januar, 2015

Macht Pegida dumm?

Veröffentlicht: 29. Januar 2015 in Uncategorized
Schlagwörter:, , , , ,

So langsam frage ich mich doch, ob Pegida nicht gefährlicher ist, als ich ursprünglich dachte.

Ich glaube zwar noch immer, dass die Pegida-Demonstranten nicht wirklich eine rechte Gefahr darstellt, sondern nur vergleichsweise harmloser, uninformierter Aktionismus ist. Es erscheint mir jedoch immer wahrscheinlicher, dass die Borniertheit mit der rechte Mythen wie der Islam-Rabatt als Beispiele für die fortschreitende „Islamisierung“ herangezogen werden, durchaus ansteckend ist.

Das neueste Beispiel, das diese Befürchtung zu bestätigen scheint, habe ich gerade im Blog von Stefan Niggemeier gelesen:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20380/welt-und-leipziger-volkszeitung-fallen-auf-falsche-pegida-seite-herein

Auf den ersten Blick handelt es sich hierbei nur um ein weiterer Fall von schlechter Recherche und Aufmerksamkeitsgeilheit der Medien: Eine Pegida-Satire wird von einer Zeitung für bare Münze genommen (oder die besagte Zeitung tut zumindest so, um einen Aufsehen erregenden Artikel schreiben zu können), mehrere Mainstream-Medien springen auf den fahrenden Zug auf ohne die Geschichte zu hinterfragen und Stefan Niggemeier klärt in seinem Blog darüber auf, was eigentlich passiert ist.
Eigentlich eine Standardsituation, bis auf eine Kleinigkeit:
Die Kritik an denjenigen, die sich damit schwer tun, Satire und Realität zu unterscheiden, macht letztendlich einen ähnlichen Fehler.

Genauer gesagt, geht es um folgende Passage:
„Um es kurz zu machen: Hinter der Facebookseite stehen keine Unterstützer von Lutz Bachmann oder Pegida. Im Gegenteil. Es handelt sich um eine Satire, die die die neurechte Rhetorik in überspitzter Form persifliert. Darauf reingefallen sind wohl auch zahlreiche Pegida-Anhänger, die anfeuerten, kommentierten, „gefällt mir“ klickten und teilten.

Zugegebenermaßen spricht Herr Niggemeier nur von „zahlreichen“ Pegida-Anhängern und begrenzt die Zuverlässigkeit der Aussage mit einem „wohl“, aber wenn man den Artikel am Stück liest, übersieht man diese Details dann doch recht leicht, insbesondere in Verbindung mit dem darauf folgenden Zitat des verantwortlichen Satirikers, dessen zweiter Satz lautet:
„Oder auch: Wie sammle ich 2700 Pegidioten in einer Woche:“

Ich möchte Herrn Niggemeier nun nicht unterstellen, bewusst der Eindruck zu erwecken, dass es sich bei den Unterstützern der Pegida-Satire zumindest großteils um Leute handelt, die das ernst meinen, aber er stellt dies nunmal auch nicht in Frage, was mmn. jedoch bei genauerer Betrachtung durchaus angebracht wäre:

Zuerst einmal das offensichtlichste Problem: Selbst wenn es sich bei den 2700 Likes wirklich ausschließlich um Pegida-Anhänger handelt, sind das nicht einmal 2% dessen, was die echte Pegida-Seite zu verzeichnen hat. Hinzu kommt, dass 2700 Likes in Facebook-Maßstäben auch unabhängig von dieser durchaus ernüchternden Quote nicht wirklich viel sind.

Als nächstes kommt dann auch noch die Frage, ob die eigentlich doch nicht so zahlreichen Befürworter der Satire wirklich Pegida-Anhänger sind oder ob es sich dabei nicht vielmehr um Leute handeln könnte, die durchaus verstanden haben, dass es sich um eine Satire handelt und gerade deswegen auf „Like“ geklickt haben. Die Satire ist nämlich bei Weitem nicht so schwer zu entlarven, wie man anhand des Niggemeier-Artikels denken könnte:
Unter Anderem wird dort Claudia Roth als „Agentin der islamistischen „SALATFISTER““ bezeichnet, was selbst beim dümmsten Neonazi (*) für Zweifel an der Echtheit der Seite sorgen sollte. (**)

Kurz gesagt: Es ist nicht nur möglich, sondern durchaus wahrscheinlich, dass ein Großteil derjenigen, „die anfeuerten, […] „gefällt mir“ klickten und teilten“ sich dabei genauso über Pegida lustig gemacht haben wie derjenige, der das Fake-Profil erstellt hat. Diese Leute Pegida zuzuordnen erscheint mir insofern ähnlich sinnlos, wie jemanden, der begeistert ein Titanic-Heft mit Hitler auf dem Cover liest, deswegen als Nazi zu bezeichnen…

Was natürlich trotzdem bleibt, sind einige Kommentare, die durchaus ziemlich rechts wirken. Allerdings wurden diese erstens nur von einem kleinen Teil derjenigen geschrieben, die die Seite geliked haben, und zweitens ist auch hier nicht gesagt, dass es sich bei den Verfassern auch wirklich um Leute gehandelt hat, die das ernst meinen. Flamebaiting und Getrolle sind ja schließlich im Internet nicht gerade eine Seltenheit.

Meine Zusammenfassung des Ereignis würde insofern lauten:
– Irgendjemand hat auf Facebook mehr oder weniger erfolgreich eine Pegida-Satire inszeniert, die wahrscheinlich von einigen Leuten (die vermutlich die Artikel gar nicht wirklich gelesen haben) ernst genommen wurde.
– Ein paar Zeitungen haben so getan, als wäre ihnen jeder Wink mit dem Zaunpfahl völlig entgangen, um daraus einen Aufreger-Artikel machen zu können, woraufhin der für die Seite Verantwortliche das Ganze stolz „aufgeklärt“ hat.
– Selbiger hat darufhin auch gleich die Gelegenheit dazu genutzt, jeden Like seiner Seite zum „Pegidioten“ zu erklären, der die Satire nicht erkannt hat und vermutlich weil die Annahme, dass Pegida eh nur aus doofen Nazis besteht, gerade so beliebt ist, wurde das Märchen vom angeblich so erfolgreichen Fake selbst von einem normalerweise sehr skeptischen Medienjournalisten wie Herrn Niggemeier ohne weitere Nachfrage übernommen.

Fazit:
Warum sich die Mühe geben, einen erfolgreichen Fake aufzuziehen, wenn man doch genauso gut im Nachhinein den Erfolg faken kann…

 

(*) Das ist nur ein Beispiel! Ich habe keine Ahnung, ob der dümmste Neonazi zu Pegida gehört oder ob es bei Pegida überhaupt mehr als ein paar vereinzelte Rechtsradikale gibt…
(**) Bemerkenswerterweise entspringt dieses Zitat einem Satz, auf den sich die „auf den Fake hereingefallene“ Zeitung explizit bezieht! Man folgere daraus, was man will…

Kurze Einordnung meiner politischen Position:
Ich bin gegen Rassismus, für den Sozialstaat und ich habe bei der letzten Bundestagswahl für die Linke gestimmt. Globalisierung finde ich im Prinzip gut, aber ich möchte keiner Weltgemeinschaft angehören, die in Bezug auf Bürger- und Menschenrechte andere Standards definiert als das Deutsche Grundgesetz. Von letzterem bin ich im Übrigen sehr überzeugt, zumindest was Artikel 1-19 betrifft, also die Grundrechte. (Den Rest hab ich ehrlich gesagt nie gelesen.)
Den Islam betrachte ich kritisch und damit meine ich nicht nur islamistische Terroristen sondern die gesamte Religion. Gleiches gilt für das Christentum, das Judentum und auch fast jede andere Religionsgemeinschaft. Ich finde es gut, an etwas zu glauben und damit dem eigenen Leben einen Sinn zu geben, aber ich finde, dass jeder Mensch seinen eigenen, persönlichen Glauben haben sollte und dieser auch allgemein akzeptiert werden sollte. Missionierung bzw. Religionswerbung sollte deshalb passiv bleiben und damit meine ich, dass wenn jemand danach fragt, man ihm ausgiebigst vorschwärmen darf, wie toll der eigene Gott und dessen Gesetze sind, aber diejenigen, die davon nichts wissen wollen, soll man gefälligst in Ruhe lassen!
Des weiteren vertrete ich das, was ich als „radikalen Pazifismus“ bezeichne: Ich bin gegen jede Form der Gewaltanwendung, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Wenn man jedoch einen gewaltsamen Angriff nicht abwehren kann, ohne selbst Gewalt anzuwenden, sollte man dies schnell, entschlossen und effektiv tun. Dabei zählt in erster Linie, Schaden an sich selbst und (friedlichen) Unbeteiligten zu verhindern, die Gesundheit bzw. das Überleben des Angreifers ist ein erstrebenswerter Bonus, aber dem primären Ziel immer unterzuordnen.

 

Was ist Pegida und warum soll ich dagegen demonstrieren?

Heute wurde ich von einem Freund per WhatsApp gefragt, ob ich zur Gegendemo gegen Pegida mitkommen wolle. Ich erklärte daraufhin sehr höflich, dass mir Pegida ziemlich egal sei und ich insofern kein Interesse daran habe. Eigentlich wollte ich hinzufügen, dass ich aber jederzeit für eine Demo gegen die gesamte Menschheit zur Verfügung stehe, aber hielt diesen Zusatz dann aber doch nicht für wichtig genug, um ihn auf meiner Handytastatur einzutippen. (Ich hasse Schreiben auf dem Smartphone, da hilft selbst die beste Tastatur-App nicht…)

Im Nachhinein erschien es mir dann aber doch so langsam mal für sinnvoll, mich mit der Frage zu beschäftigen, was dieses Pegida eigentlich ist und vor Allem, was es erreichen will.

Bis jetzt hatte ich nicht viel darüber gelesen, außer dass sich von den vielen Leuten, die sich darüber aufregen, offenbar nur die wenigsten wirklich ernsthaft darüber informieren, um was es dabei geht. Auch meine Freundin erzählt zwar regelmäßig, wie toll sie es findet, dass sich alle so dagegen stellen, aber über die Inhalte konnte sie mir nie wirklich viel mehr sagen, als dass die alle ziemlich rechts sind, auf ihren Demos Parolen wie „Ali raus!“ brüllen (eine zugegebenermaßen sehr belustigende Vorstellung) und, ähh, dass das Nazis sind.
Ok, da war wahrscheinlich noch mehr und auch durchaus berechtigte Kritik dabei, aber eine objektive Beschreibung des Phänomens konnte sie mir eben auch nicht geben und dazu mich selbst zu informieren, war ich schlichtweg zu faul, bzw. hat es mich auch nicht genug interessiert…

Da aber nun schon meine Freunde anfangen, dagegen zu demonstrieren, ist es wohl nun wirklich an der Zeit, dass ich mir eine fundierte Meinung zu diesem Thema zulege.

 

Erster Anlaufpunkt: Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Patriotische_Europ%C3%A4er_gegen_die_Islamisierung_des_Abendlandes

Die Wikipedia-Seite ist sehr lang und vermutlich recht informativ oder vielleicht auch überhaupt nicht. Ich habe nur Ausschnitte gelesen und nach primär offiziellen Links gesucht, wobei mir zuerst einmal das folgende Thesenpapier gefunden:

http://www.i-finger.de/pegida-positionspapier.pdf

Besonders kritisch finde ich den Punkt „9. PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!“. Ich bin der Meinung, dass wer in Deutschland kriminell wird, ein deutsches Problem ist und deshalb auch genauso bestraft und idealerweise reformiert wird wie jeder deutsche Staatsbürger. Es mag Einzelfälle geben, in denen Leute schon mit dem Vorsatz, Straftaten zu begehen, in unser Land kommen und in diesen Fällen kann man sicherlich über eine Abschiebung streiten, aber wenn ein sogenannter Migrant als Kind hier her kommt und irgendwann als Jugendlicher so richtig scheiße baut, kann die Antwort nicht lauten, ihn in ein Land abzuschieben, wo er bestenfalls ein paar Verwandte von Familienbesuchen kennt, aber wohl auf keinen Fall zu Hause ist!

Ansonsten muss ich eigentlich sagen, dass das alles recht gut klingt. Manche Punkte wirken sehr undurchdacht und bei anderen Punkten können natürlich anders gemeint und nur möglichst harmlos formuliert sein, aber allein nach dem zu urteilen, was auf diesem Thesenpapier steht, würde ich wohl eher auf Seiten von Pegida auf die Straße gehen (wenn da nicht dieser furchtbare Punkt 9 wäre) als mich einer Gegendemonstration anzuschließen.

Das Problem ist nur: Wikipedia… Im Allgemeinen sind die Informationen dort meistens sehr neutral und fundiert, aber bei einem so jungen Phänomen, das gerade so kontrovers diskutiert wird, würde ich niemals blind darauf vertrauen, dass alles, was dort steht, auch wirklich der Wahrheit entspricht. Dass das Thesenpapier auf einer ansonsten ungenutzten Domain liegt, deren Bezug zu Pegida völlig unklar ist, macht das Ganze auch nicht unbedingt vertrauenswürdiger…

 

Zweiter Anlauf: Facebook

Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass Pegida sich primär auf Facebook organisiert, also überwand ich als nächstes meine Abneigung gegen dieses furchtbar unübersichtliche Datensammlungsmonster, ähh, ich meine natürlich „Social Network“ und besuchte die offizielle Pegida-Facebookseite.

Das Schöne an Seiten wie Facebook ist, dass man ganz leicht überprüfen kann, ob man auf der richtigen Seite gelandet ist, indem man die „Likes“ betrachtet. Es ist zwar kein eindeutiges Echtheitszertifikat, aber über 150.000 Likes sind ein ziemliches eindeutiges Zeichen!

https://www.facebook.com/pages/PEGIDA/790669100971515

Die erste Enttäuschung: Der im Profil angegebene Link zur Homepage pegida.de führt auf genau dieselbe Facebookseite, auf der ich mich bereits befinde. Eine richtige, offizielle Webseite wäre mir lieber gewesen…

Das Problem mit einer Präsentation auf Facebook ist, dass das Netzwerk nicht wirklich (also eigentlich so gar nicht) darauf ausgelegt ist, konstant dieselben, zuverlässigen Informationen anzuzeigen. Social Media ist „lebendig“, „up to date“ und erlaubt schnellen Zugang zu den neuesten Trends, Begriffe wie „beständig“ oder „vertrauenswürdig“ hingegen würden zur Beschreibung der Netzwerke wohl niemandem in den Sinn kommen.
Anders gesagt: Social Media Netzwerke sind ein nützlicher Wegweiser, aber die eigentlichen Informationen verbergen sich hinter den Links zu anderen Quellen.

Ich entschied mich zuerst für ein Video, das die „Pegida-Pressekonferenz in voller Länge“ versprach. Vielversprechend!
Leider handelte es sich aber, genauer gesagt, um eine Pegida-Pressekonferenz zu einer kürzlich wegen Terrorgefahr abgesagten Demo. Möglicherweise interessant, aber nicht der ideale Einstiegspunkt für einen ersten Eindruck…

Alternativ gab es im selben Post auch noch einen Link zu einer öffentlich-rechtlichen Talkshow.

 

Politik trifft auf Protest – Pegida bei „GÜNTHER JAUCH“

http://daserste.ndr.de/guentherjauch/Politik-trifft-auf-Protest-Pegida-bei-GUeNTHER-JAUCH,guentherjauch474.html

Die Sendung „Günther Jauch“ habe ich zwar meines Wissens noch nie gesehen, aber selbst ich, als oft hinter dem Mond lebender Mensch, kenne den ehemaligen Moderator von „Wer wird Millionär“ und „Stern TV“ und wenn ich nichts verpasst habe, genießt der Mann noch immer einen sehr guten, seriösen Ruf.
Pegida selbst verlinkt den Beitrag ohne kritischen Kommentar, das heißt, sie fühlen sich dort offenbar fair präsentiert und dass Herr Jauch seine Sendung zum Schauplatz für rechtspopulistische Selbstdarstellungen werden lässt, erscheint mir auch äußerst unrealistisch.
Zu Gast in der Sendung sind die Sprecherin von Pegida und ein paar prominente Politiker. Ich glaube, hier habe ich einen guten Einstiegspunkt in das Thema „Pegida“ gefunden…

Mein erster Eindruck zur Pegida-Sprecherin: Rein optisch wäre die Frau die perfekte Besetzung für die Rolle eines weiblichen Nazi-Offiziers. Blonde Haare, blaue Augen, strenges Auftreten… Wäre das ein Hollywood-Film, wäre diese Dame eindeutig die Oberschurkin und Pegida entweder von Grund auf schlecht oder in größter Gefahr, von ihr für einen furchtbaren Plan instrumentalisiert zu werden!
Blöderweise ist das echte Leben aber nicht so simpel, also muss ich wohl weiter schauen… :(

Zweite Erkenntnis: Die AfD ist wirklich so scheiße, wie meine Freundin immer sagt!
„Es ist der Beginn der Islamisierung“, dass eine Demo wegen einer Terrordrohung abgesagt wurde. Alles klar…

Interessant wird es an dem Punkt, an dem ein paar Interviewfetzen gezeigt werden, in denen Pegida-Demonstranten ziemlich rechte Aussagen von sich geben. Das Interessanteste daran ist, dass es davon mehrere Stunden auf panorama.de zu sehen gibt.
Ich entscheide, dass ich dort vermutlich einen noch viel besseren Eindruck davon gewinnen kann, was es mit dieser Bewegung eigentlich auf sich hat.

 

MDR Panorama: Die Interviews in voller Länge

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Kontaktversuch-Luegenpresse-trifft-Pegida-,pegida136.html

Neben einem etwas längeren Zusammenschnitt von 6 Minuten findet man etwas weiter unten im Artikel zwei weitere Videos, die jeweils 90 Minuten lang das komplette Material zeigen, das zusammengeschnitten wurde. Ich weiß nicht, ob es dieses Angebot zu allen Sendungen gibt oder ob der MDR sich hier besondere Mühe gibt, den eloquent formulierten Vorwurf „Lügenpresse!“ zu entkräften. Wenn meine GEZ-Gebühren auf diese Weise genutzt werden, mildert das aber auf jeden Fall den Frust darüber, für etwas zahlen zu müssen, das ich so gut wie gar nicht nutze und großteils nichtmal gut finde.

Klar deutlich wird: Pegida ist rechts. Aber ist das wirklich so dramatisch?
Auch wenn es hierzulande allgemein üblich ist, „politisch rechts“ oder „patriotisch“ mit „Nazi“ gleichzusetzen, gibt es da doch einen sehr großen Unterschied: Der Nationalsozialismus war extrem rassistisch und hat es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die „jüdische Rasse“ gleich komplett auszurotten.

Von der Minderwertigkeit der Menschen aus anderen Ländern spricht hier aber keiner und über die Ausrottung anderer „Rassen“ wird zumindest nicht offen diskutiert. Vielmehr ist der meiste rechte Unsinn, den die Leute von sich geben, das logische Resultat einer bedenklichen Mischung aus menschlicher Ignoranz und „Vollkommener Bullshit, den die Presse verbreitet“. Dieselbe „Lügenpresse“, die Pegida verteufelt, wird immer wieder zitiert, um die Angst vor „Islamisierung“ zu begründen:

Beispielsweise wäre da der Fall des „Islamrabatts“, in dem ein Mörder eine geringere Strafe erhielt, weil gerade Ramadan war. Eine Ungeheuerlichkeit!
Natürlich ist das so nie passiert (*), aber diese Version der Geschichte war nunmal in der Presse sehr präsent.

Die Antworten auf die Frage „Wie sieht denn ihre persönliche Islamisierung aus?“ (kein wörtliches Zitat!) unterscheiden sich zwar von Person zu Person, aber eigentlich haben sie alle eines gemeinsam: Unter „Islamisierung“ stellen sich die meisten Demonstranten furchtbare Dinge vor, die der Einfluss des Islams in unserem Land vermeintlich hat.

Der springende Punkt dabei ist aber, dass diese Islamisierung, gegen die bei Pegida demonstriert wird, großteils gar nicht existiert, aber wenn sie das täte, wäre sie richtig scheiße!

Von manchen Interviewten kommen dann noch die üblichen, abwertenden Vorurteile gegenüber Ausländern, die stehlen, Krankheiten in unser Land schleppen, von unseren Steuern ein schönes, arbeitsfreies Leben genießen, … Passend dazu werden dann natürlich Einzelfälle genannt, in denen Ausländer wirklich nicht die angenehmsten Zeitgenossen sind und die gut integrierten, angenehmen Mitbürger vergessen, denen man täglich begegnet und dabei überhaupt nicht bewusst wahrnimmt, dass sie eigentlich auch zu „den Ausländern“ gehören.

Kurz gesagt: Pegida wirkt wie eine aufgebrachte Menge von Menschen, die durch Angst, Wut und Frustration angetrieben werden und eigentlich alle nicht so richtig wissen, wovon sie reden.

Und um ehrlich zu sein, wenn ich mich in die Köpfe dieser Leute versetze und mir vorstelle, ich würde den ganzen Schwachsinn über Ausländer und islamisierende Bedrohungen wirklich glauben, würde ich voll dahinter stehen!

 

Manche der kritisierten Punkte sind ja sogar echte Probleme:
Es gibt in Deutschland wirklich kriminelle Ausländer. Es gibt auch Ausländer (meist Jugendliche), die in Deutschland leben und das Wort „Deutscher“ als Beleidigung nutzen. Unter uns leben Islamisten, die sich wünschen, uns Ungläubige komplett auszulöschen und die gesamte Welt zu einem einzigen Gottesstaat zu vereinen.(**)

Alle der genannten Punkte sind Fakten und eigentlich ist es auch völlig normal, diese Dinge nicht gut zu finden, aber das öffentlich auszusprechen ist in Deutschland sehr riskant. Man könnte ja schließlich für einen Nazi gehalten werden.

Pegida geht dieses Risiko ein, was meiner Meinung nach mutig und bewundernswert ist, und verzapft dabei eine Unmenge an uninformiertem Blödsinn. Außerdem werden deutsche Fahnen geschwenkt und ein wenig mit diesem Konzept namens „Patriotismus“ experimentiert, mit dem es sich ähnlich wie mit Kreditkarten verhält: Es findet auf der gesamten Welt breite Anwendung, aber in Deutschland ist es nur eine Randerscheinung mit fragwürdigem Ruf.

 

Fazit:

Natürlich ist mir bewusst, dass gefährliche, politische Bewegungen in ihren Anfängen („bevor es zu spät ist“) genau so aussehen wie Pegida: Eine Horde Menschen ist wütend, ängstlich und mit der Gesamtsituation unzufrieden und projiziert all das auf ein mehr oder weniger imaginäres Feindbild.

Ließe man die Bewegung immer stärker werden und fügte einen „charismatischen“, vollkommen wahnsinnigen Anführer hinzu, könnte sie ein Land mit einer nicht allzu durchdachten Verfassung wie die der Weimarer Republik vermutlich in ein 4. Reich verwandeln.

Ob es allerdings besonders hilfreich ist, Gegendemos zu veranstalten, um diesen Menschen zu vermitteln, dass das ganze Land gegen sie ist, wage ich zu bezweifeln. Wenn niemand sich die Zeit nimmt, ihnen zuzuhören und ihnen zu erklären, warum ihre Ansichten zum Thema Ausländer und Islam schlichtweg falsch sind und was die wirklichen Gründe für die genannten Probleme sind, werden die Pegida-„Nazis“ wohl kaum einsehen, dass Ausländerfeindlichkeit falsch ist.

Das einzige, was durch Gegendemos vermittelt wird, bzw. was letztendlich bei denjenigen ankommt, gegen die sie sich richten, ist dass alle gegen sie sind, obwohl sie doch Recht haben und ihre Meinung auch begründen können!
Das Gegenüber als Nazi zu bezeichnen, statt auf seine Argumente einzugehen, wird nunmal, unverständlicherweise, von einigen Menschen als Zeichen von argumentativer Unterlegenheit verstanden. Anders gesagt: „Nazi“ zu schreien, ist eine ziemlich idiotische Taktik, wenn man die Diskussion mit Leichtigkeit gewinnen könnte!

Ich komme insofern zu dem Schluss, dass ich auch bei der nächsten Pegida-Gegendemo auf die Teilnahme verzichten werde. Auf der anderen Seite mitlaufen, möchte ich aber genausowenig…

Vielleicht sollte ich mich zwischen Demo und Gegendemo postieren und ein Schild mit der Aufschrift „Ihr seid ALLE unterbelichtet!“ hochhalten? … Ich denke, das ist ein wirklich guter Plan, bei dem absolut nichts schief gehen kann! ;)

 

(*) Im Fall des „Islamrabatts“ wurde lediglich keine „besondere Schwere“ des Verbrechens festgestellt, was nicht heißt, dass es sich dabei um kein besonders schweres Verbrechen handelt, sondern dass es kein ganz besonders furchtbarer Mord war. Hätte der Täter sein Opfer nicht „nur“ erstochen, sondern danach auch noch mit dessen abgetrennten Kopf auf dem Marktplatz Fußball gespielt, wäre das Urteil vermutlich anders ausgefallen.
In der Begründung dieser Entscheidung wurde unter Anderem(!) erwähnt, dass der Geistes- oder Gemütszustand des Täters in irgendeiner Weise durch das Fasten zum Ramadan negativ beeinflusst war. Das wurde allerdings in keinster Weise als mildernder Umstand gewertet und der Täter wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

(**) Ich sage nicht, dass diese Fälle besonders häufig sind oder einen relevanten Anteil der Ausländer/Moslems ausmachen. Einzelfälle sind aber trotzdem Dinge, die wirklich geschehen und über die man auch sprechen darf!

Gedankenlesen

Veröffentlicht: 19. Januar 2015 in Intelligenz neu definiert, Psycho-Scheiße

Da diskutiert man, nichts ahnend, ein bisschen im Internet über die Vor- und Nachteile von automatisierten Überwachungssystemen und plötzlich (also so 5 Tage später) kommt dann so eine Antwort:

Technik mitten in Deutschland – illegal dazu
mit dieser kann man aus Entfernung z.b. 100m in Häuser schauen, was dort getan gesagt, gemacht wird, wenn die Nahe genug rankommen können die nach suchen der Frequenz eines angepeilten die Frequenz suchen (dauert derzeit ca 3 Tage bis gefunden) Ab dann kann man gemütlich mitlesen was derjenige denkt.

Und dabei hatte ich doch eigentlich nur geschrieben, dass ich es prinzipiell nicht falsch finde, wenn die Polizei Computerprogramme benutzt, um gewisse Aspekte ihrer Arbeit (im konkreten Fall ging es um Rasterfahndung) teilweise zu automatisieren…

Aber Spaß beiseite:
Auch wenn das im ersten Moment lustig klingt, bin ich sehr froh, dass ich trotz meiner durchaus ansehnlichen Sammlung an F-Diagnosen von jeglichen Psychosen verschont geblieben bin!

Stimmungsschwankungen und Dissoziation sind zwar echt scheiße und machen das Leben oft äußerst unangenehm, aber wenn man nicht einmal mehr in der Lage ist, Realität und Wahnvorstellungen auseinander zu halten und auch keine Logik der Welt daran mehr etwas ändern kann, ist man ja so richtig angeschissen, vor Allem, wenn man nicht mal mehr in der Lage ist, sich Hilfe zu holen, weil die Psychiater ja allesamt Teil der eingebildeten Verschwörung sind, hat man doch eigentlich so gut wie gar keine Chance mehr…

Doch nun genug der düsteren Gedanken, ich sollte besser wieder darüber nachdenken, was für verdammt coole Sachen man mit einer derartigen Technik anstellen könnte! :D

(Vielleicht dazu mehr in einem folgenden Post…)

In Bezug auf http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20210/studie-ueber-pegida-demonstranten-zeigt-pegida-demonstranten-lehnen-teilnahme-an-studie-ab/

Vor ein paar Tagen wurde eine Studie durchgeführt, die Pegida-Demonstranten befragt hat, um eine demographische Einordnung der Bewegung zu erlauben. Dabei wurden rund 1200 Demonstranten angesprochen und gefragt, ob sie an der Befragung teilnehmen, ein Drittel der Angeprochenen nahm das Angebot an.

Herr Niggemeier kritisiert nun, dass in den Ergebnissen die Erfolgsquote bei der Suche nach Teilnehmern zu wenig Beachtung erhält. So sei es irreführend, dass in der grafischen Darstellung der Ergebnisse nur die Teilnehmer der Studie, also diejenigen über die man etwas herausgefunden hat, ihren Antworten entsprechende Balken erhalten. Richtiger wäre es aber laut Herrn Niggemeier vielmehr, wenn zusätzlich ein ganz großer Balken anzeigen würde, dass zwei Drittel der Angesprochenen gar nicht teilnehmen wollten.

Auch wenn mir der Grundgedanke einleuchtet, frage ich mich allerdings, warum die Forderung hier bereits endet. Wäre es nicht ehrlicher, wenn dem Diagramm ein noch viel größerer Balken hinzugefügt würde, der all die Demonstranten repräsentiert, die nicht einmal gefragt wurden, ob sie an der Studie teilnehmen? Dann könnte man direkt auf den ersten Blick erkennen, dass nur ein winziger Bruchteil der Demonstranten befragt wurde. Viel mehr könnte man zumindest der grafischen Darstellung dann natürlich nicht mehr entnehmen, aber wen interessiert schon, wie sich ein Bruchteil der Demonstranten zusammensetzt, wenn man doch eigentlich etwas über die Gesamtheit erfahren möchte?

Aber eigentlich wäre auch das völlig inkonsequent, denn dabei würde wiederum überhaupt nicht berücksichtigt, dass fast die gesamte Weltbevölkerung nicht an den Pegida-Demonstrationen teilnimmt…

Kurz gesagt, die einzige, wirklich ehrliche Darstellung der Studienergebisse ließe sich dieser Logik zufolge in einem Satz auf den Punkt bringen: „Diese Studie ist absolut nichtssagend, da nur 0,00000005% der Weltbevölkerung befragt wurden.“

Oder um es anders zu formulieren: Jede Studie hat nur eine begrenzte Aussagekraft. Das sollte eigentlich jedem bewusst sein und auf keinen Fall sollte man von einem Wissenschaftler erwarten, dass er seine eigentlichen Forschungsergebnisse hinter einer Überbetonung dessen, was sie nicht beinhalten, zu verstecken!

 

Ein weiteres Problem, das ich mit der Kritik von Herrn Niggemeier habe, besteht darin, dass er ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass die Umfragesituation nicht der Norm entspricht. Er scheint nicht einmal auf die Idee zu kommen, dass eine Erfolgsquote von 33% beim Ansprechen potentieller Studienteilnehmer völlig durchschnittlich sein könnte. Auch die negative Grundhaltung der Demonstranten primär gegenüber der Presse, die auch die Forscher zu spüren gekriegt haben, könnte durchaus normal sein. Manche Demonstranten glauben nunmal, dass die Presse ihrem Job, wahrheitsgemäß und neutral zu berichten, nicht allzu gut nachkommt. Wäre dies anders, würden wohl viele Menschen gar nicht erst eine Notwendigkeit dazu sehen, auf die Straße zu gehen, um ihrer Meinung Gehör zu verschaffen…

Es soll auch durchaus Menschen geben, die glauben, dass Demonstrationen vom Verfassugsschutz beobachtet werden und die Mitarbeiter desselben Datenbanken erstellen, in die sie möglichst viele Informationen über alle Demonstrationsteilnehmer sammeln. Ob das stimmt oder nicht, ist dabei nicht einmal relevant! Es erklärt in jedem Fall einen weiteren Teil der Leute, die sich einer Befragung verweigern, denn erstens könnten die „Forscher“ ja in Wirklichkeit Gott weiß wer sein und zweitens, selbst wenn sie wirklich das sind, was sie behaupten, arbeiten sie immer noch für den Staat und wer weiß schon, wie viel Einfluss „die“ auf so einen Forscher nehmen können. Was ich damit sagen will: Misstrauische, teils sogar paranoide Demonstranten gibt es nicht nur bei Pegida.

Und dann darf man natürlich auch nicht vergessen, dass es durchaus Leute gibt, die schlichtweg keine Lust haben, an einer Befragung teilzunehmen oder gerade, aus welchem Grund auch immer, in Eile sind.

Der springende Punkt ist: Die beschriebenen Umstände wirken auf mich alles andere als außergewöhnlich, insbesondere gemessen daran, dass es sich um eine Befragung von Pegida-Demonstrante handelt.

Herr Niggemeier hingegen findet die Umfragesituation „ungewöhnlich“ und übersieht dabei vollkommen, dass er in diesem Punkt (mangels genauerer Überprüfung) nur seine persönliche Meinung wiedergibt.

Selbst auf einen Kommentar meinerseits, in dem ich genau diese Kritik ausgedrückt habe, bekam ich als Antwort nur Folgendes:

@malvar infected: Kann es sein, dass Sie das alles da oben nicht gelesen haben? Vorländer beschreibt doch selbst, wie ungewöhnlich die Umfragesituation war, vgl. etwa die Zitate aus der „Leipziger Volkszeitung“.

Das Problem ist allerdings, dass Vorländer einfach nur die Umstände beschreibt (und betont, dass er nicht an eine Verzerrung der Ergebnisse durch diese glaubt). „Wie ungewöhnlich die Umfragesituation war“, ist hingegen eine Wertung, die erst von Herrn Niggemeier ins Spiel gebracht wurde.

 

Für mich ergibt sich insofern ein etwas anderes Bild des Beschriebenen:

Ein Forscher führt eine ganz normale Studie durch und veröffentlicht diese. Die Medien nehmen daraus das, woraus man gute Schlagzeilen machen kann und geben es (bis auf ein paar Ausnahmen) unreflektiert wieder. Herr Niggemeier beleuchtet diesen Einzelfall, aber anstatt ihn als gutes Beispiel für das zu machen, was die Medien andauernd falsch machen, schießt er sich auf einen einzelnen Forscher ein, der eigentlich nur seinen Job gemacht hat, so wie es vermutlich auch jeder seiner Kollegen tun würde.

Aus meiner Sicht ist diese Darstellung deswege tragisch, weil ich es eigentlich für sinnvoll halte, den Menschen größeres Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass Studien durchaus hinterfragt und im Kontext ihrer Entstehungsumstände interpretiert werden müssen. Das Fazit, dass es Aufgabe der Forscher ist, in ihren Publikationen diese Tatsache, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, stärker zu betonen, ist deswegen völlig kontraproduktiv, da es diejenigen, die eigentlich mehr über das, was sie lesen, nachdenken sollten, aus der Verantwortung entlässt und diese stattdessen denjenigen zuschiebt, für die das eigenständige Denken so normal ist, dass sie es für unnötig halten, extra dazu aufzufordern!

 

PS: Er ist für diese Argumentation eigentlich irrelevant, aber ich möchte den folgenden Gedanken trotzdem noch loswerden: Wenn man wirklich hinterfragt, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte, wäre es dann nicht viel sinnvoller, zu überprüfen, inwiefern die Platzierung oder das Auftreten der Befrager sich darauf ausgewirkt haben könnte, wer an der Umfrage teilnimmt? Beispielsweise wird ein Befrager, der sich in der Nähe der Polizei platziert, andere Demo-Teilnehmer erwischen als ein Befrager, der sich in den Kern der Demo begibt, wo am lautesten gebrüllt wird. Nur um mal ein Beispiel zu nennen für die vielen Faktoren zu nennen, die einen viel größeren Einfluss haben können als Sample-Größe oder Erfolgsquote beim Ansprechen…