Studie zu Pegida zeigt: Pegida ist unbedeutend und verdient keinerlei Beachtung

Veröffentlicht: 18. Januar 2015 in Intelligenz neu definiert, Politik & Gesellschaft

In Bezug auf http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20210/studie-ueber-pegida-demonstranten-zeigt-pegida-demonstranten-lehnen-teilnahme-an-studie-ab/

Vor ein paar Tagen wurde eine Studie durchgeführt, die Pegida-Demonstranten befragt hat, um eine demographische Einordnung der Bewegung zu erlauben. Dabei wurden rund 1200 Demonstranten angesprochen und gefragt, ob sie an der Befragung teilnehmen, ein Drittel der Angeprochenen nahm das Angebot an.

Herr Niggemeier kritisiert nun, dass in den Ergebnissen die Erfolgsquote bei der Suche nach Teilnehmern zu wenig Beachtung erhält. So sei es irreführend, dass in der grafischen Darstellung der Ergebnisse nur die Teilnehmer der Studie, also diejenigen über die man etwas herausgefunden hat, ihren Antworten entsprechende Balken erhalten. Richtiger wäre es aber laut Herrn Niggemeier vielmehr, wenn zusätzlich ein ganz großer Balken anzeigen würde, dass zwei Drittel der Angesprochenen gar nicht teilnehmen wollten.

Auch wenn mir der Grundgedanke einleuchtet, frage ich mich allerdings, warum die Forderung hier bereits endet. Wäre es nicht ehrlicher, wenn dem Diagramm ein noch viel größerer Balken hinzugefügt würde, der all die Demonstranten repräsentiert, die nicht einmal gefragt wurden, ob sie an der Studie teilnehmen? Dann könnte man direkt auf den ersten Blick erkennen, dass nur ein winziger Bruchteil der Demonstranten befragt wurde. Viel mehr könnte man zumindest der grafischen Darstellung dann natürlich nicht mehr entnehmen, aber wen interessiert schon, wie sich ein Bruchteil der Demonstranten zusammensetzt, wenn man doch eigentlich etwas über die Gesamtheit erfahren möchte?

Aber eigentlich wäre auch das völlig inkonsequent, denn dabei würde wiederum überhaupt nicht berücksichtigt, dass fast die gesamte Weltbevölkerung nicht an den Pegida-Demonstrationen teilnimmt…

Kurz gesagt, die einzige, wirklich ehrliche Darstellung der Studienergebisse ließe sich dieser Logik zufolge in einem Satz auf den Punkt bringen: „Diese Studie ist absolut nichtssagend, da nur 0,00000005% der Weltbevölkerung befragt wurden.“

Oder um es anders zu formulieren: Jede Studie hat nur eine begrenzte Aussagekraft. Das sollte eigentlich jedem bewusst sein und auf keinen Fall sollte man von einem Wissenschaftler erwarten, dass er seine eigentlichen Forschungsergebnisse hinter einer Überbetonung dessen, was sie nicht beinhalten, zu verstecken!

 

Ein weiteres Problem, das ich mit der Kritik von Herrn Niggemeier habe, besteht darin, dass er ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass die Umfragesituation nicht der Norm entspricht. Er scheint nicht einmal auf die Idee zu kommen, dass eine Erfolgsquote von 33% beim Ansprechen potentieller Studienteilnehmer völlig durchschnittlich sein könnte. Auch die negative Grundhaltung der Demonstranten primär gegenüber der Presse, die auch die Forscher zu spüren gekriegt haben, könnte durchaus normal sein. Manche Demonstranten glauben nunmal, dass die Presse ihrem Job, wahrheitsgemäß und neutral zu berichten, nicht allzu gut nachkommt. Wäre dies anders, würden wohl viele Menschen gar nicht erst eine Notwendigkeit dazu sehen, auf die Straße zu gehen, um ihrer Meinung Gehör zu verschaffen…

Es soll auch durchaus Menschen geben, die glauben, dass Demonstrationen vom Verfassugsschutz beobachtet werden und die Mitarbeiter desselben Datenbanken erstellen, in die sie möglichst viele Informationen über alle Demonstrationsteilnehmer sammeln. Ob das stimmt oder nicht, ist dabei nicht einmal relevant! Es erklärt in jedem Fall einen weiteren Teil der Leute, die sich einer Befragung verweigern, denn erstens könnten die „Forscher“ ja in Wirklichkeit Gott weiß wer sein und zweitens, selbst wenn sie wirklich das sind, was sie behaupten, arbeiten sie immer noch für den Staat und wer weiß schon, wie viel Einfluss „die“ auf so einen Forscher nehmen können. Was ich damit sagen will: Misstrauische, teils sogar paranoide Demonstranten gibt es nicht nur bei Pegida.

Und dann darf man natürlich auch nicht vergessen, dass es durchaus Leute gibt, die schlichtweg keine Lust haben, an einer Befragung teilzunehmen oder gerade, aus welchem Grund auch immer, in Eile sind.

Der springende Punkt ist: Die beschriebenen Umstände wirken auf mich alles andere als außergewöhnlich, insbesondere gemessen daran, dass es sich um eine Befragung von Pegida-Demonstrante handelt.

Herr Niggemeier hingegen findet die Umfragesituation „ungewöhnlich“ und übersieht dabei vollkommen, dass er in diesem Punkt (mangels genauerer Überprüfung) nur seine persönliche Meinung wiedergibt.

Selbst auf einen Kommentar meinerseits, in dem ich genau diese Kritik ausgedrückt habe, bekam ich als Antwort nur Folgendes:

@malvar infected: Kann es sein, dass Sie das alles da oben nicht gelesen haben? Vorländer beschreibt doch selbst, wie ungewöhnlich die Umfragesituation war, vgl. etwa die Zitate aus der „Leipziger Volkszeitung“.

Das Problem ist allerdings, dass Vorländer einfach nur die Umstände beschreibt (und betont, dass er nicht an eine Verzerrung der Ergebnisse durch diese glaubt). „Wie ungewöhnlich die Umfragesituation war“, ist hingegen eine Wertung, die erst von Herrn Niggemeier ins Spiel gebracht wurde.

 

Für mich ergibt sich insofern ein etwas anderes Bild des Beschriebenen:

Ein Forscher führt eine ganz normale Studie durch und veröffentlicht diese. Die Medien nehmen daraus das, woraus man gute Schlagzeilen machen kann und geben es (bis auf ein paar Ausnahmen) unreflektiert wieder. Herr Niggemeier beleuchtet diesen Einzelfall, aber anstatt ihn als gutes Beispiel für das zu machen, was die Medien andauernd falsch machen, schießt er sich auf einen einzelnen Forscher ein, der eigentlich nur seinen Job gemacht hat, so wie es vermutlich auch jeder seiner Kollegen tun würde.

Aus meiner Sicht ist diese Darstellung deswege tragisch, weil ich es eigentlich für sinnvoll halte, den Menschen größeres Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass Studien durchaus hinterfragt und im Kontext ihrer Entstehungsumstände interpretiert werden müssen. Das Fazit, dass es Aufgabe der Forscher ist, in ihren Publikationen diese Tatsache, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, stärker zu betonen, ist deswegen völlig kontraproduktiv, da es diejenigen, die eigentlich mehr über das, was sie lesen, nachdenken sollten, aus der Verantwortung entlässt und diese stattdessen denjenigen zuschiebt, für die das eigenständige Denken so normal ist, dass sie es für unnötig halten, extra dazu aufzufordern!

 

PS: Er ist für diese Argumentation eigentlich irrelevant, aber ich möchte den folgenden Gedanken trotzdem noch loswerden: Wenn man wirklich hinterfragt, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte, wäre es dann nicht viel sinnvoller, zu überprüfen, inwiefern die Platzierung oder das Auftreten der Befrager sich darauf ausgewirkt haben könnte, wer an der Umfrage teilnimmt? Beispielsweise wird ein Befrager, der sich in der Nähe der Polizei platziert, andere Demo-Teilnehmer erwischen als ein Befrager, der sich in den Kern der Demo begibt, wo am lautesten gebrüllt wird. Nur um mal ein Beispiel zu nennen für die vielen Faktoren zu nennen, die einen viel größeren Einfluss haben können als Sample-Größe oder Erfolgsquote beim Ansprechen…

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