Archiv für die Kategorie ‘Politik & Gesellschaft’

Link: Wenn der Postmann zweimal klickelt oder meine persönliche Hausdurchsuchung (tarnkappe.info)

Kommentar von „Dennix“:
„Ich frage mich immer wieder wie leichtsinnig einige Konsumenten in der Szene unterwegs sind. Da wird konsequent auf den „Schutz“ der anonymen Betreibernetzwerke von Usenet-Foren, OCH-Foren, Ebook-Spender vertraut und der VPN-Einsatz einfach ignoriert und als nicht nötig deklassiert. Und dann noch nicht mal die Festplatten vollverschlüsseln, obwohl es ein paar Klicks sind die zuverlässig davor schützen, dass ein Anfangsverdacht überhaupt erst bestätigt werden kann. Eine HD dient genau dazu: Den Anfangsverdacht durch dingliche Beschlagnahme von Beweisen zu sichern. Schutz vor HD: Einen VPN benutzen. Ihr macht es den Ermittlungsbehörden einfach zu leicht. Wie kann man nur so leichtsinnig sein.[…]“

Mein erster Gedanke zu diesem Kommentar: „Richtig!“
Dann ist mir aufgefallen, dass ich all diese Vorsichtsmaßnahmen auch nicht befolge…

Ich bewege mich nun schon seit mehr als 15 Jahren am Rande der Warez-Szene. Als ich das erste Mal einen Film heruntergeladen habe, wurde dieser mir von einem „Internet-Freund“ im Verlauf von zwei Tagen per IRC geschickt. „Road Trip“, auf englisch (was ich damals noch nicht besonders gut beherrscht habe, aber ich kannte den Film ja schon) in einer 200MB großen .asf Datei.
Ich bin mir heute nicht einmal mehr sicher, ob ich mir die Datei jemals komplett anschaut habe, denn die Qualität war schlecht, die Sprache für mich nur sehr schwer verständlich und der Film, den ich schon kannte, nicht wirklich so toll, dass ich ihn ein zweites Mal sehen musste…

Aber der Punkt war: Mir hatte jemand einen kompletten Film über das Internet zugeschickt und den hatte ich jetzt auf meinem Computer!!!

In den Jahren danach war ich in der „FXP-Scene“ aktiv:
Ich habe miterlebt, wie Filme und Musik über ein riesiges Netzwerk aus öffentlichen und privaten FTP-Servern, hin und her geschoben wurden.
Um von diesen Servern für den eigenen Bedarf herunterladen zu dürfen, musste man ein monatliches Pensum an „W4R3Z“ (Leetspeek und Caps waren damals noch voll in Mode!) auf diesen Hochladen, das für einen gut sortierten, aktuellen und schnellen Server bei Weitem die Möglichkeiten eines einzelnen Nutzers überstieg. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, brauchte man eine komplette FXP-Crew.

Ich war über die Jahre in diversen mehr oder weniger erfolgreichen Crews. Was wir damals getan haben, war im Prinzip der Vorläufer der P2P-Netzwerke:
Wir haben Daten ausgetauscht und im Gegenzug für das, was wir uns heruntergeladen haben, Downloadmöglichkeiten für andere User des Netzwerkes bereit gestellt.

Damals war das allerdings noch sehr viel mehr Arbeit, denn Serverkapazitäten im benötigten Ausmaß standen damals keiner Privatperson zubezahlbaren Preisen zur Verfügung. Wir mussten also improvisieren, aber glücklicherweise war es damals mit Recht und Gesetz im Internet noch nicht allzu weit herbestellt…
Anders gesagt: Was die Jugendlichen meiner Generation im Internet so an Blödsinn angestellt haben, bezeichnet man heutzutage als Cyberkriminalität.

Ich war damals nicht besonders tief in der Warez-Scene. Die Gruppierungen, zu denen ich Kontakt hatte, waren für die Szene etwa so wichtig wie ein paar örtliche bis überregionale Fußballvereine für die Weltmeisterschaft. Ich war ein unbedeutendes, kleines Licht.

Nichtsdestotrotz war ich, was für einen computeraffinen Jugendlichen nicht allzu ungewöhnlich war, Mitglied in diversen Gruppierungen, die durchaus mit dem Spiegelbest-Forum vergleichbar sind, das nun nach langer verdeckter Ermittlung zerschlagen wurde. Die Dinge, in die ich involviert war, waren aus der heutigen Perspektive um ein Vielfaches krimineller als das, was die Verfassering des obigen Artikels getan hat, um eine Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung ihrer Daten und Geräte und noch unbekannte rechtliche Konsequenzen zu verdienen.

Was mich trotz Allem davor gerettet hat, jemals Probleme mit der Justiz zu bekommen: VPNs, verschlüsselte Festplatten und andere penible Sicherheitsmaßnahmen waren es mit Sicherheit nicht…

Nachdem ich schon von meiner ersten Online-„Raubkopie“ berichtet habe:
Meine wirklich erste „Raubkopie“ war eine VHS auf der „Der König der Löwen“ mit einer Videokamera abgefilmt worden war und die mein Vater (Polizist) von einem Arbeitskollegen bekommen hatte, um sie für ihn zu kopieren, weil wir über luxuriöse zwei Videorekorder verfügten. Bei dieser Gelegenheit hat mein Vater dann natürlich auch eine Kopie für uns gemacht und von dieser wiederum diverse Kopien für unseren Freundes- und Bekanntenkreis erstellt.

Ein anderer Kollege meines Vaters hat uns damals mit PC-Sachen geholfen, also Hardware kaufen und einbauen, Software installieren, usw. Von ihm hab ich gelernt, wie man Computer zusammenschraubt, raubkopierte Software installiert und vervielfältigt und Musik-CDs brennt.

Während heutzutage immer mehr Leute überlegen, was in dieser Hinsicht erlaubt ist und was nicht, herrschte damals ein sehr simpler Tenor: „Toll, man kann Musik/Filme/Spiele/Programme bekommen, ohne dafür zu bezahlen!“.
Und was die Polizei dagegen unternommen hat: siehe oben

Heutzutage sind die Zustände anders: Das Internet ist sehr viel besser überwacht als früher und die Polizeibeamten, die noch in einer Welt groß geworden sind, wo es schlicht und einfach eine nette Geste war, einem Bekannten eine Kassette zu überspielen oder ein gelesenes Buch an einen Freund weiterzugeben, machen Hausdurchsuchungen bei netten Damen, die ihren Buchzirkel ins Internet verlegt haben.

Wenn heute jemand meine Aktivitäten im Internet überwachen würde, wäre das Resultat ziemlich durchschnittlich. Ich tue nichts, was für die Strafverfolgung, Geheimdienste oder etwaige unbekannte Verschwörungen interessant wäre:

  • Meine kriminellen Aktivitäten entsprechen etwa denen des Durchschnittsnutzers, aber ich halte mich dabei immer auf sicherer Distanz zu den Netzwerken, die gerade unter Beschuss stehen.
  • Ich bin politisch interessiert, aber nicht aktiv.
  • Ich habe, wie jeder andere Mensch, meine Leichen im Keller, die mir furchtbar peinlich sind, aber nichts davon ist juristisch relevant.
  • Ich verschlüssele sporadisch meinen Datenverkehr. (Klingt spannender als es ist, denn die meiste Zeit war das einfach nur ein Nebeneffekt des VPN, den ich benutzt habe, um US-Netflix sehen zu können.)

Warum sich mein Profil vom „cyberkriminellen“ Jugendlichen zum harmlosen Durchschnittsbürger gewandelt hat:

Eigentlich ist das ziemlich von selbst passiert… Ich wusste immer schon relativ gut, wo die Grenzen liegen, habe unötig große Risiken vermieden und bei weniger riskanten Unternehmungen ein Minimum an Vorsicht walten lassen.

Ich gebe monatlich bis zu 10€ für Dienstleistungen wie OCH-Multihoster, VPN, Remote-Torrent-Downloader, etc aus. Das ist selbst für mich kein besonders großer Betrag und die Vorteile (auch bei gesetzestreuer Nutzung des Internets) sind vielfältig.

Hier hört es aber auch schon auf mit meiner Vorsicht im Internet. Ich benutze weder Tor, noch habe ich meinen Rechner komplett verschlüsselt. Auch den VPN benutze ich nur sporadisch.
Mein bester Schutz vor Online-Überwachung besteht in einer sicheren Verbindung zu irgendeinem halbseidenen Unternehmen irgendwo im Ausland, wo die Copyright-Verfechter rechtlich nichts tun können. Glaube ich zumindest…

Anders gesagt: Meine Schutzmaßnahmen sind rudimentär und so unvorsichtig, wie ich für gewöhnlich mit meiner Anonymität bin, dürfte es keiner Behörde schwer fallen, beispielsweise dieses Blog auf mich persönlich zurückzuführen. Auch Google und Facebook wissen vermutlich so gut wie alles über mich.

Ich könnte jetzt ausgiebig erklären, dass ich mich vom durchschnittlichen Internetnutzer insofern abhebe, dass mir das Ausmaß meiner Anonymität im Netz immer bewusst ist und ich mich über die aktuellen Entwicklungen in der Netzpolitik auf dem Laufenden halte, weshalb ich auch immer weiß, welche Kanäle für Warez gerade im Interesse der Ermittlungen stehen, aber um ehrlich zu sein, besteht mein gesamter Schutz vor rechtlichen Problemen wegen Raubkopien in der Einhaltung einer einzigen, simplen Regel.

Ich gebe in Bezug auf Warez nie etwas zurück:

  • Ich bezahle kein Geld für illegale Download-Angebote.
  • Ich nutze keine P2P-Netzwerke.
  • Ich poste niemals einen eigenen Upload in den Foren, in denen ich Downloads finde.
  • Ich verlinke gute Quellen nicht für meine Freunde.
  • Ich bedanke mich allerhöchstens per Klick auf einen automatisierten Bedankomat, wenn erst dadurch der Link sichtbar wird.

Ich bin das, was man in der Warez-Scene als „Leecher“ bezeichnet:
In meiner Jugend bezeichnete dieser Begriff einen Parasisiten, der verachtet und aus Foren vertrieben wurde. Heute hingegen fühle ich mich in derselben Position eher wie ein geschätzter Kunde:

Seit die Medienindustrie gezielt Jagd auf Privatpersonen macht, die nicht ausschließlich selbst konsumieren, ist die Warez-Scene zu einem lukrativen Geschäftsfeld geworden.

Ich bezahle niemals direkt Geld für Warez. Ich „verschenke“ auch keine Amazon-Gutscheine für den Zugang zu Büchern. Ich bin nur Kunde eines legalen Services, der mir (neben anderen Leistungen) schnellere Downloads von diversen Filehostern erlaubt. Diese Filehoster sind wiederum legale Services, die es jedem erlauben, Dateien dort zu veröffentlichen und für unbegrenzten (= schnellen) Zugriff auf die Downloads wiederum Geld verlangen.

Um möglichst viel Marktanteil zu bekommen, bieten diese legalen Filehoster den Uploadern natürlich einen Anreiz, genau ihren Service zu nutzen:
Wer eine besonders beliebte Dateien hochläd und indirekt für viel zahlende Kundschaft sorgt, kriegt eine Provision.

Logischerweise werden diese Angebote nicht in erster Linie für legale Inhalte genutzt…

An die Stelle der engagierten Upper aus meiner Jugend sind nun etwas kapitalistischere User getreten, die im großen Stil Warez auf den beliebtesten Filehostern spiegeln und mit Glück dafür ordentliche Provisionen von den Filehostern abgreifen, bevor sie gesperrt werden, weil dem Filehoster auffällt, dass sie ja die ganze Zeit illegale Sachen verbreitet haben.

Auch die Filehoster bewegen sich großteils im Graubereich der Legalität: Um möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften, muss ein Hoster attraktiv für seine Kunden bleiben und für die meisten seiner Kunden ist er genau dann maximal attraktiv, wenn alle illegalen Downloadanbote auf diesem Hoster verfügbar sind.

Gleichzeitig muss aber natürlich das Ganze „legal“ bleiben. Das heißt, es muss den Rechteinhabern aus der Medienindustrie eine Möglichkeit gegeben werden, Beschwerde einzureichen, wenn eine Datei ihre Urheberrechte verletzt. Angelehnt an den „Digital Millenium Copyright Act“, der in den USA eine tragende Rolle bei der Einführung von Online-Urheberrechten spielte, wird dieser Vorgang im Allgemeinen als „DMCA Notice“ bezeichnet.
Im Grunde genommen, unterscheidet sich der DMCA-Vorgang bei einem Hoster, der sein Geld primär mit Warez verdient, nicht von dem eines seriösen Anbieters wie Youtube. Der „Warez-Hoster“ hat aber natürlich viel weniger Personal zur Verfügung, um diese Beschwerden zu verarbeiten. Auch seine Erkennungsmethoden für erneute Uploads illegaler Dateien sind viel weniger effektiv… In anderen Worten: Der „Warez-Hoster“ kommt seinen Verpflichtungen zwar widerwillig nach, tut aber sein Bestes, um die Vorgänge zu verlangsamen.

Auch die Auszahlung der Provisionen darf natürlich nicht stattfinden, wenn der Uploader als Folge eines solchen Vorgangs gesperrt wurde. Dem Hoster bringt das die Möglichkeit, einen Großteil der „erarbeiteten“ Provisionen ihrer Nutzer einfach für sich zu behalten. In manchen Fällen heißt es aber natürlich dann nur noch: „Mist, wir haben mal wieder was ausgezahlt und erst im Nachhinein bemerkt, dass der Upload illegal war…“

Rechtlich lässt sich dagegen nur schwer vorgehen, aber es bleibt ein offenes Geheimnis, dass die meisten sogenannten „One Click Hoster“ (kurz: OCH) ihr Geld damit verdienen, bewusst die Verbreitung von Raubkopien zu fördern.

Die Warez-Scene ist zu einem Geschäftsfeld geworden, in dem folgende Skills erforderlich sind:

  • Vertrieb von illegalen Waren
  • Verschleierung von Geldbewegungen
  • Absicherung gegen Strafverfolgung
  • Kundenzufriedenheit

Traditionell führt ein berufliches Betätigungsfeld mit den oben genannten Voraussetzungen zu organisierter Kriminalität und auch in der Warez-Szene haben angesichts der massiven Verfolgung frustrierte Idealisiten den Berufkriminellen das Feld überlassen.

Im Gegensatz zur Warez-Szene meiner Jugend, besteht das „Gewerbe Raubkopien“ heutzutage in erster Linie aus skrupellosen Cyberkriminellen, die nicht aus irgendeiner Ideologie heraus Medienerzeugnisse mit der Allgemeinheit teilen wollen.

Für diese Unternehmen ist ist die „Szene“ ein lukratives Geschäft mit verhältnismäßig niedrigem Risiko. Zusätzlich bringt es ein gewisses Maß in Reichweite im Internet, die sich natürlich für andere, illegale Zwecke nutzen lässt.

Und dann gibt es eben noch die Idealisten:

Obwohl Spiegelbest nicht immer die besten Entscheidungen getroffen hat, hat er sein Projekt offensichtlich nicht aus finanzieller Motivation gegründet. Seine Organisation bestand nicht aus professionellen Cyberkriminellen, sondern aus lesebegeisterten Normalbürgern (und einem verdeckten Ermittler im Auftrag der Medienindustrie).

Er selbst wirkte auch weniger wie ein ausgebuffter Verbrecher als wie ein jung gebliebenes Mitglied der selben Szene, in der ich und meine Freunde uns früher bewegt haben.
Sein Projekt ist der Jugendtraum meiner Generation: Etwas Großes erschaffen! Die Welt verändern! Wichtig sein! Etwas Gutes tun! …

Keine der Personen, die durch diesen „Ermittlungserfolg“ gefasst wurden, spielt eine tragende Rolle im Warez Business. Die „Zerschlagung“ des „Raubkopierer-Rings“ hat auf das Angebot an illegalen Büchern keine negative Auswirkung gehabt.
Im Gegenteil: Während vorher noch manche Angebote, die ihre ebooks vom Spiegelbest-Projekt bezogen, aus Rücksicht auf die Autoren eine „Schonfrist“ für Neuveröffentlichungen eingehalten hatten, ist diese Sitte nun gemeinsam mit dem Projekt ausgestorben…

Gegen die Verbreitung unlizensierter Ebooks hat die ganze Aktion nichts ausgerichtet…

Den Handel mit Raubkopien effektiv zu verhindern, ist eine unmögliche Aufgabe für die Medienindustrie!

Solange ein Gut teuer und begehrenswert ist, werden Menschen nach einem Weg suchen, es zu bekommen, obwohl sie es sich auf legale Weise nicht leisten können. Es wird immer einen Schwarzmarkt geben und ein legales Unternehmen kann nur versuchen, einen größtmöglichen Marktanteil im legalen Bereich zu erlangen.

Ein effektiver Weg, um ein Monopol auf dem legalen Markt zu erhalten, ist alle Konkurrenten in die Illegalität zu treiben.

Spiegelbest zu zerschlagen, hat den Medienvertreibenden nicht dabei geholfen, die Verbreitung von Raubkopien einzudämmen. Die Aktion hat ihnen aber trotzdem Vorteile gebracht:

Das Spiegelbest-Projekt war ein Versuch, auf gesellschaftlich akzeptierte Weise einen alternativen Markt für Ebooks zu schaffen. Die Betreiber haben sich nicht selbst bereichert und sich sogar eigene Grenzen gesetzt, um den Buchverkäufen weniger zu schaden. Spiegelbest hat ein Zeichen gesetzt dafür, dass die Warez-Scene auch aus Menschen besteht, die Medien lieben und einen Weg finden wollen, wie weiterhin Kunst geschaffen werden kann und trotzdem jeder unbegrenzten Zugriff darauf hat.

Als solches Zeichen war es gefährlicher für die Medienindustrie als der klar definierbare Schwarzmarkt, in den sie die Warez-Szene inzwischen fast vollständig gedrängt hat.

Medienverlage haben noch immer ein Monopol auf die Verbreitung von Jahrzehnten unserer Kulturgeschichte!

„Yellow Submarine“ von den Beatles zu kennen, zähle ich zur Allgemeinbildung. Um diese Bildung zu erlangen, gibt es aber keinen legalen Weg, bei dem nicht irgendjemand auf irgendeinem Weg diesen Verlagen Geld zahlt!

Dass Kunstwerke einen Eigentümer haben, der über sie frei verfügen kann, ist ein Relikt aus der Zeit, als es noch nicht möglich war, das besagte Kunstwerk quasi kostenlos unendlich oft zu kopieren und an jeden Menschen zu verteilen, der es besitzen möchte.

Früher oder später wird dieses Relikt aus unserem Bewusstsein verschwinden. Schon jetzt gibt es legale Flatrates für die meisten Medien und schon jetzt vernetzen sich die Anbieter dieser Flatrates mit unseren Internetprovidern. In nicht allzu ferner Zukunft werden wir ohne weiter darüber nachzudenken, für Medien mit unseren monatlichen Grundausgaben mitbezahlen und im Internet einfach auf alles zugreifen, was uns interessiert.

In nicht allzu ferner Zukunft werden wir eine Medien-Versorgung erreichen, die wir ohne die Bemühungen der Medienindustrie schon vor zehn Jahren hätten haben können…

Aber das Warten wird sich gelohnt haben: Nicht für uns, aber für die Rechteinhaber!
Denn wer will schon, dass es der gesamten Menschheit besser geht, wenn man etwas ganz für sich allein besitzen kann?

Oder es zumindest exklusiv mit dem organisierten Verbrechen teilt..

 

 

Kurze Einordnung meiner politischen Position:
Ich bin gegen Rassismus, für den Sozialstaat und ich habe bei der letzten Bundestagswahl für die Linke gestimmt. Globalisierung finde ich im Prinzip gut, aber ich möchte keiner Weltgemeinschaft angehören, die in Bezug auf Bürger- und Menschenrechte andere Standards definiert als das Deutsche Grundgesetz. Von letzterem bin ich im Übrigen sehr überzeugt, zumindest was Artikel 1-19 betrifft, also die Grundrechte. (Den Rest hab ich ehrlich gesagt nie gelesen.)
Den Islam betrachte ich kritisch und damit meine ich nicht nur islamistische Terroristen sondern die gesamte Religion. Gleiches gilt für das Christentum, das Judentum und auch fast jede andere Religionsgemeinschaft. Ich finde es gut, an etwas zu glauben und damit dem eigenen Leben einen Sinn zu geben, aber ich finde, dass jeder Mensch seinen eigenen, persönlichen Glauben haben sollte und dieser auch allgemein akzeptiert werden sollte. Missionierung bzw. Religionswerbung sollte deshalb passiv bleiben und damit meine ich, dass wenn jemand danach fragt, man ihm ausgiebigst vorschwärmen darf, wie toll der eigene Gott und dessen Gesetze sind, aber diejenigen, die davon nichts wissen wollen, soll man gefälligst in Ruhe lassen!
Des weiteren vertrete ich das, was ich als „radikalen Pazifismus“ bezeichne: Ich bin gegen jede Form der Gewaltanwendung, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Wenn man jedoch einen gewaltsamen Angriff nicht abwehren kann, ohne selbst Gewalt anzuwenden, sollte man dies schnell, entschlossen und effektiv tun. Dabei zählt in erster Linie, Schaden an sich selbst und (friedlichen) Unbeteiligten zu verhindern, die Gesundheit bzw. das Überleben des Angreifers ist ein erstrebenswerter Bonus, aber dem primären Ziel immer unterzuordnen.

 

Was ist Pegida und warum soll ich dagegen demonstrieren?

Heute wurde ich von einem Freund per WhatsApp gefragt, ob ich zur Gegendemo gegen Pegida mitkommen wolle. Ich erklärte daraufhin sehr höflich, dass mir Pegida ziemlich egal sei und ich insofern kein Interesse daran habe. Eigentlich wollte ich hinzufügen, dass ich aber jederzeit für eine Demo gegen die gesamte Menschheit zur Verfügung stehe, aber hielt diesen Zusatz dann aber doch nicht für wichtig genug, um ihn auf meiner Handytastatur einzutippen. (Ich hasse Schreiben auf dem Smartphone, da hilft selbst die beste Tastatur-App nicht…)

Im Nachhinein erschien es mir dann aber doch so langsam mal für sinnvoll, mich mit der Frage zu beschäftigen, was dieses Pegida eigentlich ist und vor Allem, was es erreichen will.

Bis jetzt hatte ich nicht viel darüber gelesen, außer dass sich von den vielen Leuten, die sich darüber aufregen, offenbar nur die wenigsten wirklich ernsthaft darüber informieren, um was es dabei geht. Auch meine Freundin erzählt zwar regelmäßig, wie toll sie es findet, dass sich alle so dagegen stellen, aber über die Inhalte konnte sie mir nie wirklich viel mehr sagen, als dass die alle ziemlich rechts sind, auf ihren Demos Parolen wie „Ali raus!“ brüllen (eine zugegebenermaßen sehr belustigende Vorstellung) und, ähh, dass das Nazis sind.
Ok, da war wahrscheinlich noch mehr und auch durchaus berechtigte Kritik dabei, aber eine objektive Beschreibung des Phänomens konnte sie mir eben auch nicht geben und dazu mich selbst zu informieren, war ich schlichtweg zu faul, bzw. hat es mich auch nicht genug interessiert…

Da aber nun schon meine Freunde anfangen, dagegen zu demonstrieren, ist es wohl nun wirklich an der Zeit, dass ich mir eine fundierte Meinung zu diesem Thema zulege.

 

Erster Anlaufpunkt: Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Patriotische_Europ%C3%A4er_gegen_die_Islamisierung_des_Abendlandes

Die Wikipedia-Seite ist sehr lang und vermutlich recht informativ oder vielleicht auch überhaupt nicht. Ich habe nur Ausschnitte gelesen und nach primär offiziellen Links gesucht, wobei mir zuerst einmal das folgende Thesenpapier gefunden:

http://www.i-finger.de/pegida-positionspapier.pdf

Besonders kritisch finde ich den Punkt „9. PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!“. Ich bin der Meinung, dass wer in Deutschland kriminell wird, ein deutsches Problem ist und deshalb auch genauso bestraft und idealerweise reformiert wird wie jeder deutsche Staatsbürger. Es mag Einzelfälle geben, in denen Leute schon mit dem Vorsatz, Straftaten zu begehen, in unser Land kommen und in diesen Fällen kann man sicherlich über eine Abschiebung streiten, aber wenn ein sogenannter Migrant als Kind hier her kommt und irgendwann als Jugendlicher so richtig scheiße baut, kann die Antwort nicht lauten, ihn in ein Land abzuschieben, wo er bestenfalls ein paar Verwandte von Familienbesuchen kennt, aber wohl auf keinen Fall zu Hause ist!

Ansonsten muss ich eigentlich sagen, dass das alles recht gut klingt. Manche Punkte wirken sehr undurchdacht und bei anderen Punkten können natürlich anders gemeint und nur möglichst harmlos formuliert sein, aber allein nach dem zu urteilen, was auf diesem Thesenpapier steht, würde ich wohl eher auf Seiten von Pegida auf die Straße gehen (wenn da nicht dieser furchtbare Punkt 9 wäre) als mich einer Gegendemonstration anzuschließen.

Das Problem ist nur: Wikipedia… Im Allgemeinen sind die Informationen dort meistens sehr neutral und fundiert, aber bei einem so jungen Phänomen, das gerade so kontrovers diskutiert wird, würde ich niemals blind darauf vertrauen, dass alles, was dort steht, auch wirklich der Wahrheit entspricht. Dass das Thesenpapier auf einer ansonsten ungenutzten Domain liegt, deren Bezug zu Pegida völlig unklar ist, macht das Ganze auch nicht unbedingt vertrauenswürdiger…

 

Zweiter Anlauf: Facebook

Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass Pegida sich primär auf Facebook organisiert, also überwand ich als nächstes meine Abneigung gegen dieses furchtbar unübersichtliche Datensammlungsmonster, ähh, ich meine natürlich „Social Network“ und besuchte die offizielle Pegida-Facebookseite.

Das Schöne an Seiten wie Facebook ist, dass man ganz leicht überprüfen kann, ob man auf der richtigen Seite gelandet ist, indem man die „Likes“ betrachtet. Es ist zwar kein eindeutiges Echtheitszertifikat, aber über 150.000 Likes sind ein ziemliches eindeutiges Zeichen!

https://www.facebook.com/pages/PEGIDA/790669100971515

Die erste Enttäuschung: Der im Profil angegebene Link zur Homepage pegida.de führt auf genau dieselbe Facebookseite, auf der ich mich bereits befinde. Eine richtige, offizielle Webseite wäre mir lieber gewesen…

Das Problem mit einer Präsentation auf Facebook ist, dass das Netzwerk nicht wirklich (also eigentlich so gar nicht) darauf ausgelegt ist, konstant dieselben, zuverlässigen Informationen anzuzeigen. Social Media ist „lebendig“, „up to date“ und erlaubt schnellen Zugang zu den neuesten Trends, Begriffe wie „beständig“ oder „vertrauenswürdig“ hingegen würden zur Beschreibung der Netzwerke wohl niemandem in den Sinn kommen.
Anders gesagt: Social Media Netzwerke sind ein nützlicher Wegweiser, aber die eigentlichen Informationen verbergen sich hinter den Links zu anderen Quellen.

Ich entschied mich zuerst für ein Video, das die „Pegida-Pressekonferenz in voller Länge“ versprach. Vielversprechend!
Leider handelte es sich aber, genauer gesagt, um eine Pegida-Pressekonferenz zu einer kürzlich wegen Terrorgefahr abgesagten Demo. Möglicherweise interessant, aber nicht der ideale Einstiegspunkt für einen ersten Eindruck…

Alternativ gab es im selben Post auch noch einen Link zu einer öffentlich-rechtlichen Talkshow.

 

Politik trifft auf Protest – Pegida bei „GÜNTHER JAUCH“

http://daserste.ndr.de/guentherjauch/Politik-trifft-auf-Protest-Pegida-bei-GUeNTHER-JAUCH,guentherjauch474.html

Die Sendung „Günther Jauch“ habe ich zwar meines Wissens noch nie gesehen, aber selbst ich, als oft hinter dem Mond lebender Mensch, kenne den ehemaligen Moderator von „Wer wird Millionär“ und „Stern TV“ und wenn ich nichts verpasst habe, genießt der Mann noch immer einen sehr guten, seriösen Ruf.
Pegida selbst verlinkt den Beitrag ohne kritischen Kommentar, das heißt, sie fühlen sich dort offenbar fair präsentiert und dass Herr Jauch seine Sendung zum Schauplatz für rechtspopulistische Selbstdarstellungen werden lässt, erscheint mir auch äußerst unrealistisch.
Zu Gast in der Sendung sind die Sprecherin von Pegida und ein paar prominente Politiker. Ich glaube, hier habe ich einen guten Einstiegspunkt in das Thema „Pegida“ gefunden…

Mein erster Eindruck zur Pegida-Sprecherin: Rein optisch wäre die Frau die perfekte Besetzung für die Rolle eines weiblichen Nazi-Offiziers. Blonde Haare, blaue Augen, strenges Auftreten… Wäre das ein Hollywood-Film, wäre diese Dame eindeutig die Oberschurkin und Pegida entweder von Grund auf schlecht oder in größter Gefahr, von ihr für einen furchtbaren Plan instrumentalisiert zu werden!
Blöderweise ist das echte Leben aber nicht so simpel, also muss ich wohl weiter schauen… :(

Zweite Erkenntnis: Die AfD ist wirklich so scheiße, wie meine Freundin immer sagt!
„Es ist der Beginn der Islamisierung“, dass eine Demo wegen einer Terrordrohung abgesagt wurde. Alles klar…

Interessant wird es an dem Punkt, an dem ein paar Interviewfetzen gezeigt werden, in denen Pegida-Demonstranten ziemlich rechte Aussagen von sich geben. Das Interessanteste daran ist, dass es davon mehrere Stunden auf panorama.de zu sehen gibt.
Ich entscheide, dass ich dort vermutlich einen noch viel besseren Eindruck davon gewinnen kann, was es mit dieser Bewegung eigentlich auf sich hat.

 

MDR Panorama: Die Interviews in voller Länge

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Kontaktversuch-Luegenpresse-trifft-Pegida-,pegida136.html

Neben einem etwas längeren Zusammenschnitt von 6 Minuten findet man etwas weiter unten im Artikel zwei weitere Videos, die jeweils 90 Minuten lang das komplette Material zeigen, das zusammengeschnitten wurde. Ich weiß nicht, ob es dieses Angebot zu allen Sendungen gibt oder ob der MDR sich hier besondere Mühe gibt, den eloquent formulierten Vorwurf „Lügenpresse!“ zu entkräften. Wenn meine GEZ-Gebühren auf diese Weise genutzt werden, mildert das aber auf jeden Fall den Frust darüber, für etwas zahlen zu müssen, das ich so gut wie gar nicht nutze und großteils nichtmal gut finde.

Klar deutlich wird: Pegida ist rechts. Aber ist das wirklich so dramatisch?
Auch wenn es hierzulande allgemein üblich ist, „politisch rechts“ oder „patriotisch“ mit „Nazi“ gleichzusetzen, gibt es da doch einen sehr großen Unterschied: Der Nationalsozialismus war extrem rassistisch und hat es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die „jüdische Rasse“ gleich komplett auszurotten.

Von der Minderwertigkeit der Menschen aus anderen Ländern spricht hier aber keiner und über die Ausrottung anderer „Rassen“ wird zumindest nicht offen diskutiert. Vielmehr ist der meiste rechte Unsinn, den die Leute von sich geben, das logische Resultat einer bedenklichen Mischung aus menschlicher Ignoranz und „Vollkommener Bullshit, den die Presse verbreitet“. Dieselbe „Lügenpresse“, die Pegida verteufelt, wird immer wieder zitiert, um die Angst vor „Islamisierung“ zu begründen:

Beispielsweise wäre da der Fall des „Islamrabatts“, in dem ein Mörder eine geringere Strafe erhielt, weil gerade Ramadan war. Eine Ungeheuerlichkeit!
Natürlich ist das so nie passiert (*), aber diese Version der Geschichte war nunmal in der Presse sehr präsent.

Die Antworten auf die Frage „Wie sieht denn ihre persönliche Islamisierung aus?“ (kein wörtliches Zitat!) unterscheiden sich zwar von Person zu Person, aber eigentlich haben sie alle eines gemeinsam: Unter „Islamisierung“ stellen sich die meisten Demonstranten furchtbare Dinge vor, die der Einfluss des Islams in unserem Land vermeintlich hat.

Der springende Punkt dabei ist aber, dass diese Islamisierung, gegen die bei Pegida demonstriert wird, großteils gar nicht existiert, aber wenn sie das täte, wäre sie richtig scheiße!

Von manchen Interviewten kommen dann noch die üblichen, abwertenden Vorurteile gegenüber Ausländern, die stehlen, Krankheiten in unser Land schleppen, von unseren Steuern ein schönes, arbeitsfreies Leben genießen, … Passend dazu werden dann natürlich Einzelfälle genannt, in denen Ausländer wirklich nicht die angenehmsten Zeitgenossen sind und die gut integrierten, angenehmen Mitbürger vergessen, denen man täglich begegnet und dabei überhaupt nicht bewusst wahrnimmt, dass sie eigentlich auch zu „den Ausländern“ gehören.

Kurz gesagt: Pegida wirkt wie eine aufgebrachte Menge von Menschen, die durch Angst, Wut und Frustration angetrieben werden und eigentlich alle nicht so richtig wissen, wovon sie reden.

Und um ehrlich zu sein, wenn ich mich in die Köpfe dieser Leute versetze und mir vorstelle, ich würde den ganzen Schwachsinn über Ausländer und islamisierende Bedrohungen wirklich glauben, würde ich voll dahinter stehen!

 

Manche der kritisierten Punkte sind ja sogar echte Probleme:
Es gibt in Deutschland wirklich kriminelle Ausländer. Es gibt auch Ausländer (meist Jugendliche), die in Deutschland leben und das Wort „Deutscher“ als Beleidigung nutzen. Unter uns leben Islamisten, die sich wünschen, uns Ungläubige komplett auszulöschen und die gesamte Welt zu einem einzigen Gottesstaat zu vereinen.(**)

Alle der genannten Punkte sind Fakten und eigentlich ist es auch völlig normal, diese Dinge nicht gut zu finden, aber das öffentlich auszusprechen ist in Deutschland sehr riskant. Man könnte ja schließlich für einen Nazi gehalten werden.

Pegida geht dieses Risiko ein, was meiner Meinung nach mutig und bewundernswert ist, und verzapft dabei eine Unmenge an uninformiertem Blödsinn. Außerdem werden deutsche Fahnen geschwenkt und ein wenig mit diesem Konzept namens „Patriotismus“ experimentiert, mit dem es sich ähnlich wie mit Kreditkarten verhält: Es findet auf der gesamten Welt breite Anwendung, aber in Deutschland ist es nur eine Randerscheinung mit fragwürdigem Ruf.

 

Fazit:

Natürlich ist mir bewusst, dass gefährliche, politische Bewegungen in ihren Anfängen („bevor es zu spät ist“) genau so aussehen wie Pegida: Eine Horde Menschen ist wütend, ängstlich und mit der Gesamtsituation unzufrieden und projiziert all das auf ein mehr oder weniger imaginäres Feindbild.

Ließe man die Bewegung immer stärker werden und fügte einen „charismatischen“, vollkommen wahnsinnigen Anführer hinzu, könnte sie ein Land mit einer nicht allzu durchdachten Verfassung wie die der Weimarer Republik vermutlich in ein 4. Reich verwandeln.

Ob es allerdings besonders hilfreich ist, Gegendemos zu veranstalten, um diesen Menschen zu vermitteln, dass das ganze Land gegen sie ist, wage ich zu bezweifeln. Wenn niemand sich die Zeit nimmt, ihnen zuzuhören und ihnen zu erklären, warum ihre Ansichten zum Thema Ausländer und Islam schlichtweg falsch sind und was die wirklichen Gründe für die genannten Probleme sind, werden die Pegida-„Nazis“ wohl kaum einsehen, dass Ausländerfeindlichkeit falsch ist.

Das einzige, was durch Gegendemos vermittelt wird, bzw. was letztendlich bei denjenigen ankommt, gegen die sie sich richten, ist dass alle gegen sie sind, obwohl sie doch Recht haben und ihre Meinung auch begründen können!
Das Gegenüber als Nazi zu bezeichnen, statt auf seine Argumente einzugehen, wird nunmal, unverständlicherweise, von einigen Menschen als Zeichen von argumentativer Unterlegenheit verstanden. Anders gesagt: „Nazi“ zu schreien, ist eine ziemlich idiotische Taktik, wenn man die Diskussion mit Leichtigkeit gewinnen könnte!

Ich komme insofern zu dem Schluss, dass ich auch bei der nächsten Pegida-Gegendemo auf die Teilnahme verzichten werde. Auf der anderen Seite mitlaufen, möchte ich aber genausowenig…

Vielleicht sollte ich mich zwischen Demo und Gegendemo postieren und ein Schild mit der Aufschrift „Ihr seid ALLE unterbelichtet!“ hochhalten? … Ich denke, das ist ein wirklich guter Plan, bei dem absolut nichts schief gehen kann! ;)

 

(*) Im Fall des „Islamrabatts“ wurde lediglich keine „besondere Schwere“ des Verbrechens festgestellt, was nicht heißt, dass es sich dabei um kein besonders schweres Verbrechen handelt, sondern dass es kein ganz besonders furchtbarer Mord war. Hätte der Täter sein Opfer nicht „nur“ erstochen, sondern danach auch noch mit dessen abgetrennten Kopf auf dem Marktplatz Fußball gespielt, wäre das Urteil vermutlich anders ausgefallen.
In der Begründung dieser Entscheidung wurde unter Anderem(!) erwähnt, dass der Geistes- oder Gemütszustand des Täters in irgendeiner Weise durch das Fasten zum Ramadan negativ beeinflusst war. Das wurde allerdings in keinster Weise als mildernder Umstand gewertet und der Täter wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

(**) Ich sage nicht, dass diese Fälle besonders häufig sind oder einen relevanten Anteil der Ausländer/Moslems ausmachen. Einzelfälle sind aber trotzdem Dinge, die wirklich geschehen und über die man auch sprechen darf!

In Bezug auf http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20210/studie-ueber-pegida-demonstranten-zeigt-pegida-demonstranten-lehnen-teilnahme-an-studie-ab/

Vor ein paar Tagen wurde eine Studie durchgeführt, die Pegida-Demonstranten befragt hat, um eine demographische Einordnung der Bewegung zu erlauben. Dabei wurden rund 1200 Demonstranten angesprochen und gefragt, ob sie an der Befragung teilnehmen, ein Drittel der Angeprochenen nahm das Angebot an.

Herr Niggemeier kritisiert nun, dass in den Ergebnissen die Erfolgsquote bei der Suche nach Teilnehmern zu wenig Beachtung erhält. So sei es irreführend, dass in der grafischen Darstellung der Ergebnisse nur die Teilnehmer der Studie, also diejenigen über die man etwas herausgefunden hat, ihren Antworten entsprechende Balken erhalten. Richtiger wäre es aber laut Herrn Niggemeier vielmehr, wenn zusätzlich ein ganz großer Balken anzeigen würde, dass zwei Drittel der Angesprochenen gar nicht teilnehmen wollten.

Auch wenn mir der Grundgedanke einleuchtet, frage ich mich allerdings, warum die Forderung hier bereits endet. Wäre es nicht ehrlicher, wenn dem Diagramm ein noch viel größerer Balken hinzugefügt würde, der all die Demonstranten repräsentiert, die nicht einmal gefragt wurden, ob sie an der Studie teilnehmen? Dann könnte man direkt auf den ersten Blick erkennen, dass nur ein winziger Bruchteil der Demonstranten befragt wurde. Viel mehr könnte man zumindest der grafischen Darstellung dann natürlich nicht mehr entnehmen, aber wen interessiert schon, wie sich ein Bruchteil der Demonstranten zusammensetzt, wenn man doch eigentlich etwas über die Gesamtheit erfahren möchte?

Aber eigentlich wäre auch das völlig inkonsequent, denn dabei würde wiederum überhaupt nicht berücksichtigt, dass fast die gesamte Weltbevölkerung nicht an den Pegida-Demonstrationen teilnimmt…

Kurz gesagt, die einzige, wirklich ehrliche Darstellung der Studienergebisse ließe sich dieser Logik zufolge in einem Satz auf den Punkt bringen: „Diese Studie ist absolut nichtssagend, da nur 0,00000005% der Weltbevölkerung befragt wurden.“

Oder um es anders zu formulieren: Jede Studie hat nur eine begrenzte Aussagekraft. Das sollte eigentlich jedem bewusst sein und auf keinen Fall sollte man von einem Wissenschaftler erwarten, dass er seine eigentlichen Forschungsergebnisse hinter einer Überbetonung dessen, was sie nicht beinhalten, zu verstecken!

 

Ein weiteres Problem, das ich mit der Kritik von Herrn Niggemeier habe, besteht darin, dass er ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass die Umfragesituation nicht der Norm entspricht. Er scheint nicht einmal auf die Idee zu kommen, dass eine Erfolgsquote von 33% beim Ansprechen potentieller Studienteilnehmer völlig durchschnittlich sein könnte. Auch die negative Grundhaltung der Demonstranten primär gegenüber der Presse, die auch die Forscher zu spüren gekriegt haben, könnte durchaus normal sein. Manche Demonstranten glauben nunmal, dass die Presse ihrem Job, wahrheitsgemäß und neutral zu berichten, nicht allzu gut nachkommt. Wäre dies anders, würden wohl viele Menschen gar nicht erst eine Notwendigkeit dazu sehen, auf die Straße zu gehen, um ihrer Meinung Gehör zu verschaffen…

Es soll auch durchaus Menschen geben, die glauben, dass Demonstrationen vom Verfassugsschutz beobachtet werden und die Mitarbeiter desselben Datenbanken erstellen, in die sie möglichst viele Informationen über alle Demonstrationsteilnehmer sammeln. Ob das stimmt oder nicht, ist dabei nicht einmal relevant! Es erklärt in jedem Fall einen weiteren Teil der Leute, die sich einer Befragung verweigern, denn erstens könnten die „Forscher“ ja in Wirklichkeit Gott weiß wer sein und zweitens, selbst wenn sie wirklich das sind, was sie behaupten, arbeiten sie immer noch für den Staat und wer weiß schon, wie viel Einfluss „die“ auf so einen Forscher nehmen können. Was ich damit sagen will: Misstrauische, teils sogar paranoide Demonstranten gibt es nicht nur bei Pegida.

Und dann darf man natürlich auch nicht vergessen, dass es durchaus Leute gibt, die schlichtweg keine Lust haben, an einer Befragung teilzunehmen oder gerade, aus welchem Grund auch immer, in Eile sind.

Der springende Punkt ist: Die beschriebenen Umstände wirken auf mich alles andere als außergewöhnlich, insbesondere gemessen daran, dass es sich um eine Befragung von Pegida-Demonstrante handelt.

Herr Niggemeier hingegen findet die Umfragesituation „ungewöhnlich“ und übersieht dabei vollkommen, dass er in diesem Punkt (mangels genauerer Überprüfung) nur seine persönliche Meinung wiedergibt.

Selbst auf einen Kommentar meinerseits, in dem ich genau diese Kritik ausgedrückt habe, bekam ich als Antwort nur Folgendes:

@malvar infected: Kann es sein, dass Sie das alles da oben nicht gelesen haben? Vorländer beschreibt doch selbst, wie ungewöhnlich die Umfragesituation war, vgl. etwa die Zitate aus der „Leipziger Volkszeitung“.

Das Problem ist allerdings, dass Vorländer einfach nur die Umstände beschreibt (und betont, dass er nicht an eine Verzerrung der Ergebnisse durch diese glaubt). „Wie ungewöhnlich die Umfragesituation war“, ist hingegen eine Wertung, die erst von Herrn Niggemeier ins Spiel gebracht wurde.

 

Für mich ergibt sich insofern ein etwas anderes Bild des Beschriebenen:

Ein Forscher führt eine ganz normale Studie durch und veröffentlicht diese. Die Medien nehmen daraus das, woraus man gute Schlagzeilen machen kann und geben es (bis auf ein paar Ausnahmen) unreflektiert wieder. Herr Niggemeier beleuchtet diesen Einzelfall, aber anstatt ihn als gutes Beispiel für das zu machen, was die Medien andauernd falsch machen, schießt er sich auf einen einzelnen Forscher ein, der eigentlich nur seinen Job gemacht hat, so wie es vermutlich auch jeder seiner Kollegen tun würde.

Aus meiner Sicht ist diese Darstellung deswege tragisch, weil ich es eigentlich für sinnvoll halte, den Menschen größeres Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass Studien durchaus hinterfragt und im Kontext ihrer Entstehungsumstände interpretiert werden müssen. Das Fazit, dass es Aufgabe der Forscher ist, in ihren Publikationen diese Tatsache, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, stärker zu betonen, ist deswegen völlig kontraproduktiv, da es diejenigen, die eigentlich mehr über das, was sie lesen, nachdenken sollten, aus der Verantwortung entlässt und diese stattdessen denjenigen zuschiebt, für die das eigenständige Denken so normal ist, dass sie es für unnötig halten, extra dazu aufzufordern!

 

PS: Er ist für diese Argumentation eigentlich irrelevant, aber ich möchte den folgenden Gedanken trotzdem noch loswerden: Wenn man wirklich hinterfragt, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte, wäre es dann nicht viel sinnvoller, zu überprüfen, inwiefern die Platzierung oder das Auftreten der Befrager sich darauf ausgewirkt haben könnte, wer an der Umfrage teilnimmt? Beispielsweise wird ein Befrager, der sich in der Nähe der Polizei platziert, andere Demo-Teilnehmer erwischen als ein Befrager, der sich in den Kern der Demo begibt, wo am lautesten gebrüllt wird. Nur um mal ein Beispiel zu nennen für die vielen Faktoren zu nennen, die einen viel größeren Einfluss haben können als Sample-Größe oder Erfolgsquote beim Ansprechen…

Seit neuestem gibt es in meiner Diagnosen-Sammlung einen neuen Eintrag:

„Abhängigkeit von Cannabinoiden (F12.2)“

Gestellt wurde mir diese Diagnose während eines Klinikaufenthalts, bei dem es eigentlich um die Behandlung meiner Depression gehen sollte und letztendlich sorgte sie dafür, dass genau das nicht im vollen Umfang geschehen konnte, denn die Klinik vertrat die Meinung, dass vor einer sinnvollen Depressionsbehandlung zuerst einmal eine „Suchtentwöhnung“ stattfinden müsse und meine Krankenkasse wiederrum findet, dass dies nicht zu den Leistungen gehört, die zu erbringen sie verpflichtet sind.

Fazit: Die ursprünglich für die Depressionsbehandlung genehmigten 3 Wochen(*) wurden zwar als Kulanzleistung bezahlt, aber da die Klinik auf weiteren 3 Wochen Suchtbehandlung bestand, bevor sie sich offiziell mit der Depression beschäftigt hätten(**), „einigte“ man sich letztendlich darauf, dass ich entweder die weitere Behandlung hätte selbst bezahlen müssen, was ich nicht konnte, oder die Behandlung abbrechen und heimfahren, was ich dann gezwungenermaßen tat.

Man kann nun darüber denken, was man will:
„Selbst schuld“ ist eine Variante und in gewisser Weise ist diese nicht mal so abwegig, denn hätte ich das Kiffen mal einfach sein gelassen, wäre ich gar nicht in dieser Situation gelandet und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich genau das auch getan hätte, wenn mir bewusst gewesen wäre, dass es zu derartigen Problem führt.

An diesem Punkt wird es allerdings etwas komplizierter, denn Sucht ist anerkanntermaßen eine Krankheit und ein Süchtiger kann nicht einfach aus eigener Kraft aufhören, süchtig zu sein.
Das heißt also, dass ich entweder unschuldig bin in der Hinsicht, dass mein Fehlverhalten Symptom einer Krankheit ist, oder irgendwas stimmt nicht mit der Suchtdiagnose. Letzteres wiederrum würde bedeuten, dass meine Probleme das Resultat einer Fehldiagnose wären und auch das wäre nicht meine Schuld.

Moralisch betrachtet, bin ich also fein raus. Praktisch gesehen, bringt mir das allerdings einen Scheiß, denn die Konsequenzen werden dadurch ja nicht abgemildert.

Trotzdem ist es für mich wichtig, darüber Klarheit zu kriegen, ob ich nun süchtig bin oder nicht, denn diese Frage hat natürlich einen gewissen Einfluss darauf, wie ich mein weiteres Vorgehen gestalte:
Eine zutreffende Suchtdiagnose bedeutet, dass ich meinen Fokus darauf legen muss, die Sucht behandeln zu lassen. Eine ambulante Suchtentwöhnung wäre dann vermutlich sinnvoll, wofür allerdings auch erstmal die Kostenfrage geklärt werden müsste. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe wäre nicht die schlechteste Idee.
All das wäre natürlich eine ziemliche Verschwendung von Zeit und Energie, die ich an anderer Stelle viel sinnvoller einsetzen könnte, falls die Diagnose falsch ist. In diesem Fall wäre es deutlich besser, mich darauf zu konzentrieren, weiterhin gegen die Probleme anzukämpfen, die in mir das Bedürfnis wecken, auf irgendeine Weise aus der Realität zu flüchten.

Sicher ist nur eines: Ich werde nicht mehr Kiffen!

 

* meine KV bewilligt standardmäßig immer nur 3 Wochen auf einmal und danach muss ein Verlängerungsantrag gestellt werden

** in der Praxis wurde zwar ein Teil der Therapiezeit an eine nicht wirklich sinnvolle Suchtbehandlung verschwendet, aber hauptsächlich ging es dann eigentlich doch um die Depression

Veggie-Tag

Veröffentlicht: 7. August 2013 in Politik & Gesellschaft
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Aktuell ist der von den Grünen geplante Veggie-Tag ein ziemlich großes Thema, das die Massen schockiert, obwohl es eigentlich ein alter Hut ist.

Mein erster Gedanke dazu war „typischer Grünen-Schwachsinn“ und würde darum nicht gerade so ein Rummel gemacht, hätte ich wohl auch nicht weiter darüber nachgedacht. Aber da nunmal aktuell jeder über dieses Thema redet, habe ich mir eben doch meine Gedanken gemacht und eigentlich finde ich die Idee gar nicht schlecht:

Einmal pro Woche vegetarisch zu essen, schadet niemandem und wenn ich daran denke, was in der Kantine meiner ehemaligen Universität so als Fleisch serviert wurde, glaube ich nicht, dass ich da irgendwas vermissen würde.
Ein Tag pro Woche, an dem Fleisch einfach nicht angeboten wird, dürfte auch helfen, dem Stigma entgegenzuwirken,  welches vegetarischem Essen anhaftet. („Echte Männer brauchen Fleisch!“)
Außerdem spart der Staat ein bisschen Geld, weil selbst minderwertiges Fleisch immer noch teuerer ist als Gemüse.
Und letztendlich wird ja niemand dazu gezwungen täglich in der Kantine zu speisen.

Alles in Allem also eigentlich eine gute Idee, die ein paar Vorteile bringt und niemandem schadet. Ich bin dafür!

Besonders erfreulich finde ich allerdings, dass es den Grünen diesmal gelungen ist, den Sinn ihrer Idee so zu erklären, dass es auch bei mir angekommen ist. Nicht so wie die „Frauenquote“, über die ich mich sehr lange extrem aufgeregt habe, bis ich mal auf die Idee kam den Gesetzesentwurf zu lesen und festgestellt habe, dass es sich in wirklichkeit um eine allgemein formulierte Geschlechterquote handelt und nicht, wie der Name andeutet, eine verfassungswidrige Bevorzugung von Frauen.
Vielleicht lernen die Grünen ja doch noch, wie sie ihre Themen auch außerhalb der hirnlos alternativen Wählerschicht verkaufen können. :)

Vor ein paar Tagen habe ich etwas für mich äußerst untypisches getan:
Ich habe mir den Film „God Bless America“ auf DVD gekauft.

Eigentlich tue ich so etwas nicht, aber der Film hatte mich derart begeistert, dass ich mir dachte: „Ich möchte die Macher dieses Films unterstützen!“.
Also habe ich mir auf Amazon eine schöne Version herausgesucht, die für 10 Euro sogar noch diverse Bonus-Features wie z.B. Kommentare bietet, die ich mir in diesem Fall sogar gerne ansehen möchte und eigentlich bereue ich den Kauf auch nicht. Im Gegenteil: Ich freue mich, die Macher eines außergewöhnlichen Films unterstützt zu haben und hoffentlich damit zu deren Motivation, weiterhin Filme zu drehen, die nicht allein auf kommerziellen Erfolg ausgelegt sind, zu produzieren.

Trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen, denn ich habe gleichzeitig auch die sogenannte „Contentmafia“ unterstützt, womit ich den riesigen Apparat der Unterhaltungsindustrie meine, der kontinuierlich daran arbeitet, sogenannte „Raubkopierer“ (womit selbst Menschen, deren größtes Verbrechen darin besteht, unauthorisierte Kopien von Filmen anzusehen) zu kriminalisieren und neue Wege zu erschaffen, aus dem „Schutz der eigenen Urheberrechte“ Gewinn zu erwirtschaften.

Die „Contentmafia“ hat es nicht nur geschafft, die Politik derart zu beeinflussen, dass in seltenen Einzelfällen die illegale Vervielfältigung von urheberrechtlich geschütztem Material härter bestraft wird als manche Verbrechen. Eigentlich ist die Aussage „Raubkopierer werden heutzutage schwerer bestraft als Kinderschänder“ sogar eines der dämlichsten Argumente gegen den Urheberrechtswahn, denn im Normalfall werden für ersteres höchstens Geldstrafen verhängt (außer es geht um kommerziell motivierte Verstöße im großen Stil), während Kindesmissbrauch nicht nur vor Gericht durchaus sehr ernst genommen wird.

Andere „Erfolge“ der Unterhaltungsindustrie sind dagegen deutlich problematischer:
Durch kreative Auslegung der Realität ist es ihnen unter anderem gelungen, aus Fällen, in denen Menschen ein paar Musikstücke oder einen einzelnen Film heruntergeladen haben, Schäden von mehreren tausend Euro zu errechnen und diese vor Gericht einzuklagen.
In Einzelfällen ging dies schon soweit, dass Menschen in finanzieller Hinsicht komplett vernichtet wurden, weil sie den Fehler gemacht haben, eine CD im Wert von 20€ illegal herunterzuladen und dafür einen Schadensersatz im 5 bis 6-stelligen Bereich zahlen müssen. Bei einem normalen Einkommen kann das Abtragen derartiger Schulden zur Lebensaufgabe werden.

Auch, wenn es um das Beschneiden von Bürgerrechten geht, ist die Unterhaltungsindustrie immer ganz vorn dabei:
Als vor ein paar Jahren unsere Regierung die grandiose Idee hatte, das Internet in verfassungsfeindlicher Art und Weise zu zensieren (-> „Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen“), gab es einen großen Aufschrei von Bürgerrechtlern und Organisationen zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch.
Auch die Unterhaltungsindustrie schrie laut, vor Begeisterung und danach die Zensur auch auf Webseiten auszuweiten, die illegale Kopien von urheberrechtlich geschützten Material anbieten.

Aber die „Contentmafia“ hat auch eigene Ideen:

Zum Beispiel wäre da das Prinzip der „x-Strikes-Regelung“, bei der einem Menschen, der x (<=3) mal bei einer Urheberrechtsverletzung erwischt wurde, der Zugang zum Internet gesperrt wurde und das in Zeiten, in denen selbst seriöse Experten und hochrangige Politiker fordern, selbigen Zugang zum allgemeinen Menschenrecht zu erklären.

Nicht zu vergessen sind auch die wiederholten Bemühungen der Copyright-Lobbyisten, die Regierungen diverser Länder dazu zu bringen, ihnen diverse Möglichkeiten zur Überwachung von Internetnutzern zu geben, die eigentlich den Strafverfolgungsbehörden vorbehalten sind und selbst diesen in jedem einzelnen Fall zuerst durch einen richterlichen Beschluss erlaubt werden müssen.
Selbst die Forderung nach einer Erlaubnis, in private Computer einzudringen, um dort nach „Raubkopien“ zu suchen, halten einige Lobbyisten für angemessen. Es wurde sogar schon vorgeschlagen, im Zuge dessen Selbstjustiz zu üben, indem man die (bereits gehackten) Computer der entlarvten „Raubkopierer“ beschädigt.

Und hier wird der Kauf meiner DVD zum Problem:

Lobbyarbeit kostet Geld und das Geld der Unterhaltungsindustrie kommt unter anderem durch den Verkauf von DVDs.
Anders gesagt: Jedes Mal, wenn ich eine DVD kaufe, helfe ich dabei, einen Krieg gegen meine Bürgerrechte zu finanzieren!

Ein banales, eigentlich erfreuliches Ereignis bekommt so einen äußerst bitteren Beigeschmack:

Zwar habe ich mir etwas gekauft, woran ich Freude habe und gleichzeitig auch noch diverse Künstler unterstützt, die diese Unterstützung meiner Meinung nach absolut verdient haben. Gleichzeitig habe ich aber, wenn auch nur für einen kurzen Moment, meine Überzeugungen verraten und aus selbstsüchtigen Motiven einer Organisation, die ich verachte, dabei geholfen, einen Krieg gegen unser aller Bürgerrechte zu führen.

Immerhin gibt es ein kleines Trostpflaster: Der Film ist meines Wissens eine Independent-Produktion und die von mir gewählte DVD eine Ausgabe, die ein kleiner Verlag in einer Reihe herausgebracht hat, die sich auf wenig bekannte, kontroverse Filme beschränkt. Ich habe insofern die Hoffnung, dass nur ein sehr kleiner Teil des Kaufpreises bei der Contentmafia landet.

(Und ich werde in Zukunft das Wort Contentmafia nicht mehr in Anführungszeichen setzen, denn im Gegensatz zur Bezeichnung „Raubkopierer“  ist es eigentlich völlig zutreffend.)

Heute gab es mal wieder eine Demo in Frankfurt. Das is an und für sich nichts spannendes, denn es passiert regelmäßig.

Die besagte Demo „eskalierte“, nachdem die Polizei anfing, gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorzugehen, die nur ihr verfassungsmäßiges Demonstrationsrecht ausüben wollten. Auch das ist an und für sich kaum erwähnenswert, denn das macht die hessische Polizei schon seit Jahren (vielleicht auch Jahrzehnten, aber ich habe es nur die letzten Jahre mitgekriegt) immer wieder, insbesondere dann, wenn die Öffentlichkeit gerade mit einem anderen Thema beschäftigt ist.

Was an besagtem Vorfall allerdings etwas ungewöhnlich ist: Diesmal wird dem verfassungsfeindlichen Vorgehen der Polizei Beachtung geschenkt, selbst die FAZ berichtet kritisch über den Vorfall.

Warum sich ausgerechnet heute deutsche Bundesbürger darüber aufregen, dass ihre (in vielerlei Hinsicht nur auf dem Papier existenten) Grundrechte mit Füßen getreten werden, lässt sich leicht erklären, denn gestern passierte Ähnliches bereits in der Türkei:
Auch dort reagierte die Polizei völlig unverhältnismäßig auf einen friedlichen Protest und verletzte massenhaft unschuldige Demonstranten.

Im Gegensatz zur deutschen Bevölkerung scheinen die dort lebenden Türken allerdings weniger daran gewöhnt zu sein, dass derartiges passiert: Der Vorfall sorgte landesweit für Demonstrationen und selbst das türkische Militär griff ein und verteilte Atemschutzmasken an die Demonstranten, um den Schaden, den das von der Polizei eingesetzte Tränengas anrichtete, zumindest ein wenig einzudämmen.
Auch erwähnenswert ist, dass viele türkische Polizisten sich irgendwann weigerten, weiterhin unschuldige Menschen anzugreifen.

Kurz gesagt: Dank der Türkei ist das Thema Polizeigewalt sowieso schon in den Medien präsent gewesen.

Die einzigen, denen dies offenbar nicht aufgefallen war, sind die Verantwortlichen bei der Frankfurter Polizei, denn als heute auch in besagter deutschen Stadt eine legale, aber offensichtlich unerwünschte Demonstration stattfand, ging die Polizei trotzdem nach Schema F vor:
Zuerst wurden die Demonstranten eingekesselt.
Als nächstes wurden völlig haltlose Forderungen gestellt, die natürlich nicht von jedem Demonstranten befolgt wurden.
Und als dann endlich die ersten vereinzelten Demonstranten ein nicht hundertprozentig erlaubtes Verhalten zeigten, konnte das beginnen, worauf sich vermutlich einige der diensthabenden Beamten schon den ganzen Tag gefreut hatten: Horden von bewaffneten (ja, auch Schlagstöcke und Pfefferspray sind Waffen!) Polizisten in Kampfmontur verprügelten hilflose Demonstranten, die eigentlich nur vorhatten, gewaltfrei und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben für ihre politische Meinung einzutreten.
Als kleines Sahnehäubchen entschied die Polizei dann noch, den Rettungskräften, die die verletzten Demonstranten hätten versorgen sollen, den Zugang zu diesen zu versperren.

Das alles klingt nach einem unglaublichen Skandal, aber wie bereits erwähnt, passiert Ähnliches geradezu regelmäßig!
Vielleicht gibt es nicht immer dermaßen viele Verletzte, aber dass bei Demonstrationen im deutschen Bundesgebiet Bürgerrechte mit Füßen getreten werden, ist heutzutage schon Normalität: Friedliche Demonstranten werden unter vorgeschobenen Gründen verhaftet, z.B. weil die Polizisten ein Fähnchen mit einer politischen Botschaft zur gefährlichen Waffe erklären. (Anstatt das Fähnchen zu schwenken, könnte man ja auch dessen Stiel benutzen, um jemanden zu erstechen!)

Das Erschreckendste daran ist für mich, dass es im Normalfall keine Sau interessiert!
Wenn nicht zumindest eine beachtliche Anzahl Menschen verletzt werden, sind derartige Vorfälle aus Sicht der meisten Menschen offenbar nicht einmal erwähnenswert.
Aber selbst wenn Schulkinder und Rentner durch die Polizei schwer verletzt werden (-> Stuttgart 21), passiert im Endeffekt nicht viel.
Die Öffentlichkeit regt sich ein Weilchen auf, dann wird der Vorfall vergessen und die Täter kommen ungestraft davon: Selbst für den Stuttgart21-Vorfall wurde nie auch nur ein einziger der Verantwortlichen strafrechtlich verurteilt. Stattdessen schikanierte die dortige Polizei sogar noch während das Thema im öffentlichen Bewusstsein war, diejenigen, die Beweise für die Polizeigewalt erbracht hatten, indem sie Hausdurchsuchungen anordneten und Video-Beweismaterial beschlagnahmten, dass schon lange veröffentlich worden war und wohl auch noch einmal zusätzlich der Polizei übergeben worden wäre, wenn diese einfach mal danach gefragt hätte.

Aber am Ende triumphierte die Gerechtigkeit: Ein Volksentscheid des gesamten Bundeslandes (das großteils vom ursprünglichen Problem überhaupt nicht betroffen war) rechtfertigte das Stuttgart 21 Bauprojekt und alle waren zufrieden, abgesehen vielleicht von den wenigen Unglücklichen, die für den Rest ihres Lebens mit den Verletzungen leben müssen, die ihnen die Polizei zugefügt hat.

Ehrlich gesagt, ist es mir völlig unverständlich: Abgesehen von den Einwohnern Stuttgarts interessierte bei diesem Vorfall doch eigentlich niemanden der blöde Bahnhof, sondern einzig und allein die Tatsache, dass Polizeikräfte gewaltsam gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen sind und viele Menschen völlig ungerechtfertigt verletzten.
Aber obwohl dieses eigentliche Problem nie zufriendenstellend geklärt wurde, ist der Vorfall inzwischen schon so gut wie vergessen.

Vermutlich wird es sich mit dem heutigen Zwischenfall in Frankfurt genauso verhalten:
Zuerst gibt es einen großen Aufschrei, dann wird die Untersuchung des Vorfalls so lange verzögert, bis das öffentliche Interesse abgeklungen ist und am Ende sind die einzigen, für die das Ganze strafrechtliche Konsequenzen haben wird, die Opfer, die zusätzlich zu ihren Verletzungen auch noch mit Strafanzeigen leben müssen.
Aus politischer Sicht scheinen diese Vorfälle auch nicht allzu beachtenswert zu sein:
Wie üblich werden Linke, Grüne und Piraten den Vorfall lautstark kritisieren, aber:
Die Piraten werden im Allgemeinen sowieso nicht ernstgenommen.
Die Linken gelten zwar als etwas seriöser, sind aber auch nicht stark genug, um wirklich etwas zu bewirken.
Und was die Grünen betrifft: Stuttgart 21 war einer der Hauptgründe, warum diese Partei in Baden-Württemberg an die Macht gekommen ist und das Einzige, was dabei effektiv rauskam, war eine Volksabstimmung zur Legitimierung des Bauprojekts, das schon längst nicht mehr das eigentlich Thema hätte sein dürfen.

Ansonsten wären da noch:
Die FDP, die sich noch immer nicht entscheiden kann, ob sie für Bürgerrechte eintreten oder lieber gemeinsam mit der CDU gegen ebendiese vorgehen. (Mal ganz abgesehen davon, dass sie spätestens nach der Bundestagswahl kaum noch politische Relevanz besiten dürften.)
Die SPD, die im Prinzip zu Allem bereit ist, was es ihnen ermöglicht, mit zu regieren. (Einzige Ausnahme ist natürlich eine Koalition mit der Linken, der ihnen eigentlich politisch am nächsten stehenden Partei. Diese Option wird ausgeschlossen, um „die eigene Glaubwürdigkeit nicht zu gefährden“.)
Und letzten Endes natürlich die CDU, die regelmäßig Gesetze entwirft, die in verfassungswidriger Weise unsere Grundrechte einschränken. Von dieser Seite ist sowieso nichts zu erwarten, außer Beschwerden darüber, wie gefährlich es doch heutzutage für die armen Polizisten ist.

Passend dazu wurde ja auch gerade erst ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Polizisten mit Überwachungskameras ausgestattet werden, weil es in letzter Zeit immer häufiger zu gewaltsamen Übergriffen gegen sie kommt.
Dass es vielleicht eine bessere Alternative wäre, den Ruf der Polizei zu verbessern (z.B. indem man sie nicht mehr andauernd unschuldige Bürger zusammenschlagen lässt), wird hierbei nicht einmal in Erwägung gezogen…
Generell scheint die Polizei inzwischen immer weniger ihrem eigentlichen Auftrag nachkommen zu wollen:
Polizeireviere in Krisenbezirken werden einfach geschlossen.
Polizeireviere in Innenstädten gleichen inzwischen immer mehr Bunkern, in denen sich die Polizisten verstecken: Früher konnte man einfach in ein Polizeirevier hineinspazieren, die Anwesenheit von unzähligen Polizisten, also Sicherheitskräften, war damals genug Schutz. Inzwischen muss man erstmal durch eine Doppelschleuse, um ein Polizeirevier zu betreten. Vermutlich könnte man direkt vor einem Polizeirevier Hilfe schreiend zu Tode geprügelt werden, bevor sich ein Beamter dazu bequemt, mal nachzuschauen, was los ist!

Selbst schlechtes Wetter versetzt die Polizisten heutzutage in Angst und Schrecken:
Vor Kurzem wollte ich eine Ruhestörung melden und mir wurde von der Polizei erklärt, dass sie aufgrund des Glatteises nicht kommen werden. Damit war nicht gemeint, dass wegen des Glatteises so viele Unfälle passiert sind, dass die Polizei zu beschäftigt war, um sich um eine Ruhestörung zu kümmern. Nein, die Polizei wollte schlichtweg nicht wegen einer solchen Lappalie das Risiko eingehen, auf den glatten Straßen zu fahren!

Ist es unter diesen Umstände verwunderlich, dass ich bei „Polizei“ nicht mehr an meinen Freund und Helfer denke, sondern nur noch an einen Haufen Feiglinge, die sich nur dann stark fühlen, wenn sie zu Hunderten, bewaffnet und in Schutzkleidung, auf unbewaffnete, ungeschützte Zivilisten einprügeln?

Um ehrlich zu sein, kann ich es gut nachvollziehen, wenn jemand im betrunkenen Zustand das tut, was wohl inzwischen die meisten auch nüchtern gerne tun würden, sich aber aus Gründen der Vernuft verkneifen, und Polizisten angreifen!

Vermutlich ist es insofern auch nicht einmal unbegründet, dass die Polizei sich inzwischen aus Angst vor der Zivilbevölkerung verbarrikadiert, denn schließlich geben sie uns genug Gründe, sie angreifen zu wollen und vermutlich würde unser Grundgesetz dies sogar rechtfertigen (siehe Widerstandsrecht), wenn es nicht inzwischen nur noch ein theoretisches Konstrukt wäre, das zwar toll klingt, aber in der Realität von unserer Regierung einfach ignoriert wird!

Zu guter Letzt möchte ich aber auch noch ein Beispiel dafür bringen, dass nicht alle Polizisten so sind wie beispielsweise die der Stadt Frankfurt:

Vor ein paar Jahren gab es ja den sogenannten Bildungsstreik, bei dem sich Schüler und Studenten bundesweit (leider erfolglos) gegen die immer weniger werdene Finanzierung unseres Bildungssystems wehren wollten und natürlich fanden im Rahmen dessen auch einige Demonstrationen statt.
In Frankfurt und Wiesbaden stießen diese Demonstrationen natürlich, wie in Hessen üblich, auf mehr oder weniger gewaltsamen Widerstand durch die Polizei.
Ich hatte damals allerdings das Glück, dass die einzige Demonstration, an der ich teilnahm, in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt stattfand und insofern sind meine Erinnerungen in dieser Hinsicht deutlich positiver als die von vielen Frankfurter Studenten:

Die Demonstration damals verlief friedlich. Ca. 20.000 Studenten zogen protestierend durch die Stadt auf einem von der Polizei abgesperrten Weg. Als Teilnehmer der Demonstration hatte man hierbei das Gefühl, dass so gut wie keine Polizei anwesend war, da die Polizisten sich offensichtlich außer Sichtweite aufhielten, um nicht negativ aufzufallen bzw. ein unangenehmes Klima zu schaffen. (erster Pluspunkt!)
Die Demonstration verlief, wie gesagt, friedlich und als wir am Ende unsere Weges ankamen, stellte sich heraus, dass die Polizei in ihrer Planung nicht allzu durchdacht gehandelt hatte:
Seitlich unseres Weges war alles abgesperrt und auch am Ende des geplanten Weges gab es eine Polizeisperre. Offensichtlich wollte man verhindern, dass der Demonstrationszug einfach nach dem vorher abgesprochenen Weg weitermarschiert und hielt es dabei für vollkommen realistisch, dass ein Zug von 20.000 Personen einfach umdreht und auf demselben Weg, auf dem sie gekommen waren, zurücklief.
Besonders prolematisch daran war die Tatsache, dass unsere Demonstration in etwa vor dem rheinland-pfälzischen Landtag endete und niemand auf die Idee gekommen war, den Weg dort hinein auch abzusperren.
Es kam also, wie es kommen musste: Irgendjemand fing an, in ebendiese Richtung zu laufen, die Masse folgte und ehe ich mich versah, standen wir mitten im Abgeordnetenhaus des Landtags, was uns natürlich nicht gerade ungelegen kam.
Wo wir also schon unbefugt im Landtag standen, demonstrierten wir natürlich dort weiter, lautstark, aber weiterhin friedlich, von ein paar Idioten abgesehen, die es für eine großartige Idee hielten, das Klopapier aus den dortigen Toiletten zu entfernen und durch die Luft zu werfen. Aber gut, das war zwar unnötig und auch irgendwie dämlich, aber wirklicher Schaden wurde so nicht angerichtet. (Später stellte sich heraus, dass ein paar Einzelpersonen wohl im Eifer des Gefechts etwas an die Wände geschrieben hatten und eine Person offenbar eine alte Schreibmaschine aus irgendeiner Ausstellung, die dort stattfand, geklaut hat. Das war natürlich nicht in Ordnung, aber wie gesagt, es handelte sich dabei um Einzelpersonen und im Allgemeinen waren wir sehr friedlich, auch wenn manche Zeitungen (die nicht anwesend waren) im Nachhinein etwas anderes behaupteten.)

Nun kann man sich natürlich vorstellen, wie dies geendet hätte, wenn das Ganze in Hessen passiert wäre und ich möchte darauf auch gar nicht groß eingehen, denn es gibt genug reale Vorfälle von unverhältnismäßiger Polizeigewalt in diesem Bundesland, so dass es wirklich nicht nötig ist, auch noch über hypothetische Situationen dieser Art nachzudenken.

Wirklich bemerkenswert war hingegen das, was die rheinland-pfälzische Polizei unternahm:
Anstatt einen Großeinsatz zu starten, weil ja schließlich ein politisches Gebäude besetzt worden war, schickte man einfach nur zwei Polizisten zu uns, die erklärten, wir dürften nun gerne unsere Forderungen verlesen, aber danach sollten wir dann doch bitte das Gebäude wieder verlassen.
Und genau das haben wir dann auch getan: Jemand aus der Menge verlas unsere Forderungen, was vielleicht 2 Minuten dauerte und daraufhin zogen wir von Dannen, höchstzufrieden, weil wir ein bisschen rebelliert und uns Gehör verschafft hatten.

Letztendlich war es wohl genau diese Reaktion der Polizei, die den entscheidenden Unterschied zwischen einer friedlichen Demonstration und einer gewaltsamen Ausschreitung bewirkte, denn auch wenn wir nicht prinzipiell auf Stress auswaren, hätten sich unter den 20.000 Studenten mit Sicherheit genug Leute gefunden, die auch zu Gewalt bereit gewesen wären, wenn die Situation dies erfordert hätte, denn schließlich hatten wir im Vorfeld die Bilder von Demonstrationen in Frankfurt gesehen, bei der die Polizei unnötigerweise Gewalt gegen harmlose Studenten angewandt hatte und in vielen von uns brodelte insofern eine ziemliche Wut.

Hätte die Polizei damals Gewalt gegen uns angewendet, hätten auch wir (oder zumindest ein nicht unbeträchtlicher Teil von uns) mit Gewalt geantwortet, denn schließlich ist es nicht nur unser Recht uns gegen unrechtmäßige Übergriffe von Seiten des Staates zur Wehr zu setzen, sondern in gewisser Weise auch unsere Pflicht!

Aber die Mainzer Polizei tat damals etwas viel klügeres: Sie präsentierte sich uns nicht als Feind, sondern als das, was sie eigentlich sein soll, nämlich ein staatliches Organ, dessen Aufgabe es ist, zum Wohle aller dafür zu sorgen, dass Gesetze eingehalten werden.
Anders gesagt: Die Polizei trat uns als Freund, der an unsere Vernunft appelliert, gegenüber und bewirkte dadurch in Minuten mehr als ein gewaltsamer Polizeieinsatz in Stunden hätte schaffen können.

Ich wünschte, die Polizei im restlichen Bundesgebiet würde genauso vernünftig handeln, wie die Polizisten damals, dann würde es wohl gar nicht erst zu Vorfällen, wie heute mal wieder in FFM, kommen.

Im Prinzip fasst ein kurzes Zitat aus dem Lied „Immer mitten in die Fresse rein“ perfekt das zusammen, was ich der hessischen Polizei und den Politikern, die derartige Einsätze anordnen, sagen möchte:

„Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man dir das nicht erklärt?“
(Irgendwie ist es schon ziemlich beunruhigend, dass eine Punkband mehr Ahnung von Politik hat als unsere gewählten Volksvertreter…)