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Köln

Veröffentlicht: 8. Januar 2016 in Uncategorized
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Da ich momentan persönlich einiges habe, das meine Aufmerksamkeit erfordert, habe ich erst in den letzten Tagen erfahren, dass in Köln etwas passiert ist, denn so ziemlich jeder regt sich in der Hinsicht gerade über das Eine oder das Andere auf. Wirkliche Infos darüber, was überhaupt los ist, sind natürlich wie immer sehr spärlich geseht…

Was ich bisher rekonstruieren konnte:
Vermutlich an Sylvester oder Neujahr ist in Köln ein wütender Mob von ca. 100 bis 150 Männern, offenbar großteils oder sogar komplett aus Immigranten bestehend, unterwegs gewesen und hat während einem nicht genauer definierten Zeitraum im großen Stil Frauen sexuell belästigt und/oder vergewaltigt. Die Polizei hatte (wie immer) nicht genug Leute und war (wie immer) damit überfordert, für Ordnung zu sorgen.

Was wahrscheinlich nicht passiert ist:
All die „besorgten Bürger“, die im letzten Jahr auf den Straßen unterwegs waren, um gegen Flüchtlinge, Ausländer im Allgemeinen und den Verfall der deutschen Kultur zu demonstrieren, haben geholfen, das Schlimmste zu verhindern.

Was genauso wenig passiert ist:
All die besorgten Nazis, die im letzten Jahr regelmäßig Flüchtlingsunterkünfte terrorisiert und/oder angegriffen haben, haben sich schnellstens organisiert, um dem Mob entgegen zu treten.

Was mit absoluter Sicherheit passiert ist:
All die Menschen, die das Geschehen nicht selbst miterlebt haben, geschweige denn auch nur das geringste getan haben, um in diesem Moment zu helfen, regen sich furchtbar auf und/oder schlagen völlig idiotische Lösungen für das vor, was sie als das eigentliche Problem identifiziert zu haben denken:

Irgendeine Politikerin aus Köln, ich glaube die Oberbürgermeisterin, hat vorgeschlagen, dass Frauen sich an einen nicht genauer definierten Verhaltenskodex halten sollten, um sich vor solchen Situationen zu schützen. Ich persönlich finde, dass das sehr vernünftig klingt und schlage als Verhaltenskodex vor: Wenn dich ein Mann begrabscht, ohne dass du es willst, sag ihm einmal klar „nein!“ oder „stop!“ und wenn das nicht reicht, tritt ihm in die Eier und renn weg. Wenn in die Eier treten und wegrennen gerade keine Option ist, setze alle verfügbaren Mittel ein, um dich zu verteidigen.

Das wundervolle an dieser Lösung: Kein Politiker muss dafür irgendetwas tun, denn sexuelle Nötigung ist bereits strafbar und Gewaltanwendung zum Selbstschutz (kurz: „Notwehr“) ist legal.

Was ich damit nicht sagen will:
Die Opfer sind selbst schuld.

Natürlich ist es immer die Schuld des Täters, wenn er eine Straftat begeht und das Opfer ist daran natürlich nicht schuld. Das ist keine Frage, über die man diskutieren muss, sondern schlichtweg die Definition von „Täter“ und „Opfer“.

Was ich stattdessen damit sagen will:
Die Opfer hätten sich besser verteidigen können, wenn sie vorher gelernt hätten, sich zu verteidigen. Natürlich sollte man in einem Rechtsstaat darauf vertrauen können, dass die Staatsgewalt in der Lage ist, die geltenden Gesetze durchzusetzen und jeden einzelnen Bürger zu beschützen.
Nichtsdestotrotz hat jeder Mensch hierzulande das gesetzlich festgeschriebene Recht, sich im Notfall mit allen nötigen Mitteln selbst zu verteidigen. Für mich ergibt sich daraus, dass jeder Mensch sich selbst gegenüber(!) die Verpflichtung hat, zu lernen, wie er sich im Notfall verteidigen kann, übrigens vollkommen unabhängig von seinem Geschlecht.

 

Der eigentliche Streitpunkt ist aber ein anderer:
Der Grund, warum sich alle über die Aussage ärgern, die ich gerade noch als sehr vernünftig bezeichnet habe, ist dass damit wohl in Wirklichkeit weniger gemeint war, dass Frauen Selbstverteidigung lernen sollen, sondern vielmehr, dass sie darauf achten sollen, wie freizügig sie sich kleiden, um die Aufmerksamkeit potentieller Täter nicht auf sich zu lenken.
Das ist einerseits eine sehr bedenkliche Aussage, weil sie von einer Politikerin kommt und andererseits aber auch ein sehr hilfreicher(!) Rat, denn momentan ist nunmal die Situation so, dass Frauen nicht(!) sicher sind vor sexuellen Übergriffen und unabhängig davon, wie die Dinge sein sollten, oft vor genau zwei Optionen stehen: Entweder sie schützen sich selbst, indem sie ihre Sexualität verstecken oder sie riskieren, dass sie aufgrund ihrer offen gezeigten Sexualität ins Visier von Straftätern geraten.

Das ist scheiße, aber leider ist diese Scheiße nunmal die Realität, in der wir gerade leben!

Auf die Frage bezogen, wie Frauen sich kurzfristig davor schützen können, dass ihnen ähnliches passiert wie den Opfern in Köln, ist leider wirklich der beste Ratschlag: Versucht, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen, denn ihr seid nicht sicher!

Und so kommen wir zum nächsten Problem:
Frauen sind in unserem Land (und meines Wissens auch nirgendwo sonst auf der Welt) nicht sicher vor sexuellen Übergriffen. Dass dieser Zustand inakzeptabel ist und dringend eine Lösung für dieses Problem gefunden werden muss, sollte eigentlich außer Frage stehen und das tut es auch. Seit ich denken kann, war der gesellschaftliche Konsens (zumindest in meinem Umfeld), dass Sexualstraftaten schlimm sind und verhindert werden müssen. Leider hat, seit ich denken kann, aber noch niemand eine optimale Lösung gefunden, die gleichzeitig Sexualstraftaten und die Bestrafung von unschuldig Beschuldigten verhindert…

Was also eigentlich jedem bewusst sein sollte:
Sexualstraftaten sind ein Problem in unserer Gesellschaft und wir haben für dieses Problem keine effektive Lösung.

Was stattdessen immer wieder gefordert wird: 
Härtere, bessere, „fairere“ Gesetze.

Heute habe ich auf Facebook gelesen, dass der Paragraph im deutschen Strafgesetzbuch, der sexuelle Nötigung und Vergewaltigung regelt, deshalb ineffektiv ist, weil das Verhalten des Opfers (sprich: die Frage, ob es sich ausreichend gewehrt habe) ausschlaggebend sei, um die Schuld des Täters festzustellen.

Mein erster Gedanke dazu:
Das kann so nicht richtig sein!

Praktischerweise wurde sogar der entsprechende Paragraph im StGB genannt, so dass ich direkt danach googlen konnte und ihn ca. 20 Sekunden später im Originaltext vor Augen hatte. (Spoiler: Das Verhalten des Opfers wird dabei überhaupt nicht erwähnt, weil es für die Definition des Tatbestands auch überhaupt nicht relevant ist.)

Das wirkliche „Problem“:
In Deutschland gilt die sogenannte „Unschuldsvermutung“, was bedeutet, dass jeder Mensch solange als unschuldig zu betrachten ist, bis ihm vor Gericht eine Schuld nachgewiesen wurde.

Diese Regelung ist prinzipiell extrem sinnvoll, denn ohne sie könnte unser Staat jeden Bürger, der ihm nicht passt, einfach wegsperren für etwas, dass der besagte Bürger nicht getan hat. Die Unschuldsvermutung ist unser wichtigster Schutz vor staatlichem Machtmissbrauch!
Die „Schattenseite“ dabei ist natürlich, dass ein Täter ungestraft davon kommt, wenn niemand beweisen kann, dass er eine Straftat begangen hat, was in der Praxis meistens darauf hinaus läuft, dass das Opfer einer Vergewaltigung beweisen muss, dass es sich dabei auch wirklich um eine Vergewaltigung und nicht um einvernehmlichen Sex gehandelt hat.

Leider gibt es aber keine Alternative:
Würden wir die Beweislast bei Sexualstraftaten umkehren, müsste jeder Mensch, dem etwas derartiges vorgeworfen wird, seine Unschuld beweisen (was praktisch unmöglich ist, weil für gewöhnlich beim Sex, egal ob einvernehmlich oder nicht, normalerweise keine Zeugen anwesend sind) und jede Anklage, ob Wahrheit oder Lüge, würde zur Verurteilung führen.

„Aber die Situation, dass Männer unschuldig eine Vergewaltigung vorgeworfen bekommen, passiert viel seltener, als dass eine Frau wirklich vergewaltigt wird und ihr keiner glaubt!“:
Das liegt einzig und allein daran, dass wir die Unschuldsvermutung nunmal haben. Würden wir die Beweislast umdrehen, würde das eine sehr attraktive Möglichkeit für moralisch uneingeschränkte Menschen schaffen, um sich jeden, der ihnen auf die Nerven geht, vom Hals zu schaffen.

Und es würde nicht einmal den weiblichen Opfern von Sexualstraftaten helfen, denn:
Eine derartige Regelung muss geschlechtsneutral gehalten werden, um nicht gegen unser Grundgesetz zu verstoßen. Infolgedessen könnten männliche Vergewaltiger dann nicht mehr nur ungestraft davon kommen, sie hätten dann sogar die Möglichkeit, erst eine Frau zu vergewaltigen, sie hinterher anzuzeigen und das Opfer würde verurteilt werden, weil es keine Chance hätte, seine Unschuld zu beweisen. Die Unschuldsvermutung bei Vergewaltigungen umzukehren ist kein Lösungsansatz, sondern einfach nur ein völlig bescheuerter, halbgarer Gedanke, der zu absolut nichts sinnvollem führen kann!

Was wirklich helfen würde:
mehr Geld für unsere Polizei!

Während im Verlauf der letzten zehn Jahre immer mehr Überwachung aufgebaut wurde, die unsere Privatsphäre einschränkt, wurde gleichzeitig immer wieder das Budget gekürzt für echte Polizisten, die ein Verbrechen nicht nur hinterher aufklären können, sondern dazu in der Lage wären, es noch rechtzeitig zu verhindern. Überraschenderweise ist dadurch unser Land nicht sicherer geworden…

Und was das Problem mit diesen furchtbaren Ausländern und ihren barbarischen, unmenschlichen Sitten betrifft:
mehr Geld für unsere Polizei!

Mal im Ernst: Denkt irgendwer wirklich, dass die Polizei die Situation besser unter Kontrolle gehabt hätte, wenn der vergewaltigende Mob nur aus Deutschen bestanden hätte?!

Ok, vermutlich gibt es wirklich Menschen, die so etwas unsinniges denken und dabei nicht den Fehler sehen, aber irgendwann ist auch mal der Punkt erreicht, wo es keinen Sinn mehr macht zu diskutieren…

 

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Replik zum Welt-Artikel „Im Netz sind wir nur Gäste“:
(Zusammenfassung: Der Autor sieht den modernen Journalisten als Gast auf den privaten Parties seiner Leserschaft und ruft dazu auf, sich entsprechend manierlich zu verhalten.)

Ein interessanter Blickwinkel, aber leider nicht richtig zu Ende gedacht:

Wenn ich jemanden zu meiner Hausparty einlade, tue ich das, weil ich die Art der Person mag und sie als Bereicherung für meine Party betrachte. Dabei gibt es keine allgemein gültigen Regeln, wie ein guter Partygast sich zu benehmen hat. Das kommt ganz auf die Party an.

Natürlich ist ein gewisses Mindestmaß an Anstand und Zurückhaltung meistens passend, aber selbst das kann man nicht verallgemeinern:
Auf den meisten Parties ist der sturzbesoffene Idiot, der für totales Chaos sorgt, Dinge kaputt macht und eine Menge Gründe erschafft, sich bei den Nachbarn zu entschuldigen, eher ungerne gesehen. Auf manchen Parties hingegen ist der im Nachhinein das absolute Highlight, von dem man noch Jahre erzählen wird und die betreffende Person wird garantiert zu jeder folgenden Party eingeladen, weil die Gastgeber lieber ein gewisses Maß an Partyschäden in Kauf nehmen, als zu riskieren, dass es langweilig wird…

Oder um ein etwas weniger extremes Beispiel zu nehmen:
Person A ist laut, extrovertiert und hat immer den neuesten Tratsch zur Hand.
Person B ist ruhig, viele würden sagen „ein wenig merkwürdig“, ist kaum in der Lage, Smalltalk zu führen und redet eigentlich immer über ernste, „schwere“ Themen, die auf vielen Parties eher fehl am Platz sind.

Auf der typischen Party mit lauter Musik und Bier ist A wohl eher erwünsch als B. In einer geselligen Runde bei ein paar Gläsern gutem Rotwein, während im Hintergrund leise Bach läuft, kann B hingegen deutlich eher punkten als A.
Und manche große Party wird erst dadurch wirklich gut, dass man dort auf der Tanzfläche A trifft, während ein wenig Abseits B mit Gleichgesinnten hochgeistige Diskussionen führt und man selbst hat die Möglichkeit, sich frei nach Laune dem Einen oder Anderen anzuschließen.

Worauf ich hinaus will:
Viele Journalisten sind heutzutage so sehr darauf fixiert, sich „passend“ zu verhalten, dass sie dabei völlig vergessen, dass es überhaupt keine allgemeingültige Definition für „passend“ gibt. Als Resultat wird es dann immer weniger relevant, ob man den Newsfeed der Bunten oder der FAZ abonniert.

Das Wichtigste, um im Internet als Journalist zu überleben, ist ein klares Profil!
Dabei ist es völlig egal, wenn 99% der Bevölkerung dieses Profil so richtig beschissen findet und die Artikel des Betreffenden deshalb nie lesen würde. Wenn die restlichen 1% aus genau dem selben Grund zu Stammlesern werden, hat man eine Reichweite, von der die Meisten nur träumen können.

Das Schlimmste, was man in dieser Hinsicht tun kann, ist sich so stark der Allgemeinheit anzupassen, dass man am Ende von 100% der potentiellen Leser für völlig ersetzbar gehalten wird.

Vor dem Internet war das natürlich anders. Damals war die Erwartung der Leser, von ihrem gewählten Medium über alles wichtige informiert zu werden. Heute aber ist der Anspruch ein anderer: Man möchte über das informiert werden, was einen persönlich interessiert und mit dem Rest bitteschön in Ruhe gelassen werden!

Im Bereich Social Media ist das sogar noch viel wichtiger, denn das, was sowieso in allen Medien präsent ist (und wohl am ehesten als „wichtige Sondermeldung“ durchgehen würde), wird sowieso von mindestens einer Person im eigenen Netzwerk kommentiert und/oder zu einem entsprechenden Artikel verlinkt. Der Journalist, der ausschließlich diese Themen anspricht, könnte also nutzloser kaum sein.

Wenn ich will, dass meine Party in guter Erinnerung bleibt, lade ich nicht die typische In-Crowd ein, die man sowieso überall sieht. Mein perfekter Partygast ist ein unbekanntes Gesicht, das viel Interessantes bietet, an das sonst niemand denken würde.

Macht Pegida dumm?

Veröffentlicht: 29. Januar 2015 in Uncategorized
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So langsam frage ich mich doch, ob Pegida nicht gefährlicher ist, als ich ursprünglich dachte.

Ich glaube zwar noch immer, dass die Pegida-Demonstranten nicht wirklich eine rechte Gefahr darstellt, sondern nur vergleichsweise harmloser, uninformierter Aktionismus ist. Es erscheint mir jedoch immer wahrscheinlicher, dass die Borniertheit mit der rechte Mythen wie der Islam-Rabatt als Beispiele für die fortschreitende „Islamisierung“ herangezogen werden, durchaus ansteckend ist.

Das neueste Beispiel, das diese Befürchtung zu bestätigen scheint, habe ich gerade im Blog von Stefan Niggemeier gelesen:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/20380/welt-und-leipziger-volkszeitung-fallen-auf-falsche-pegida-seite-herein

Auf den ersten Blick handelt es sich hierbei nur um ein weiterer Fall von schlechter Recherche und Aufmerksamkeitsgeilheit der Medien: Eine Pegida-Satire wird von einer Zeitung für bare Münze genommen (oder die besagte Zeitung tut zumindest so, um einen Aufsehen erregenden Artikel schreiben zu können), mehrere Mainstream-Medien springen auf den fahrenden Zug auf ohne die Geschichte zu hinterfragen und Stefan Niggemeier klärt in seinem Blog darüber auf, was eigentlich passiert ist.
Eigentlich eine Standardsituation, bis auf eine Kleinigkeit:
Die Kritik an denjenigen, die sich damit schwer tun, Satire und Realität zu unterscheiden, macht letztendlich einen ähnlichen Fehler.

Genauer gesagt, geht es um folgende Passage:
„Um es kurz zu machen: Hinter der Facebookseite stehen keine Unterstützer von Lutz Bachmann oder Pegida. Im Gegenteil. Es handelt sich um eine Satire, die die die neurechte Rhetorik in überspitzter Form persifliert. Darauf reingefallen sind wohl auch zahlreiche Pegida-Anhänger, die anfeuerten, kommentierten, „gefällt mir“ klickten und teilten.

Zugegebenermaßen spricht Herr Niggemeier nur von „zahlreichen“ Pegida-Anhängern und begrenzt die Zuverlässigkeit der Aussage mit einem „wohl“, aber wenn man den Artikel am Stück liest, übersieht man diese Details dann doch recht leicht, insbesondere in Verbindung mit dem darauf folgenden Zitat des verantwortlichen Satirikers, dessen zweiter Satz lautet:
„Oder auch: Wie sammle ich 2700 Pegidioten in einer Woche:“

Ich möchte Herrn Niggemeier nun nicht unterstellen, bewusst der Eindruck zu erwecken, dass es sich bei den Unterstützern der Pegida-Satire zumindest großteils um Leute handelt, die das ernst meinen, aber er stellt dies nunmal auch nicht in Frage, was mmn. jedoch bei genauerer Betrachtung durchaus angebracht wäre:

Zuerst einmal das offensichtlichste Problem: Selbst wenn es sich bei den 2700 Likes wirklich ausschließlich um Pegida-Anhänger handelt, sind das nicht einmal 2% dessen, was die echte Pegida-Seite zu verzeichnen hat. Hinzu kommt, dass 2700 Likes in Facebook-Maßstäben auch unabhängig von dieser durchaus ernüchternden Quote nicht wirklich viel sind.

Als nächstes kommt dann auch noch die Frage, ob die eigentlich doch nicht so zahlreichen Befürworter der Satire wirklich Pegida-Anhänger sind oder ob es sich dabei nicht vielmehr um Leute handeln könnte, die durchaus verstanden haben, dass es sich um eine Satire handelt und gerade deswegen auf „Like“ geklickt haben. Die Satire ist nämlich bei Weitem nicht so schwer zu entlarven, wie man anhand des Niggemeier-Artikels denken könnte:
Unter Anderem wird dort Claudia Roth als „Agentin der islamistischen „SALATFISTER““ bezeichnet, was selbst beim dümmsten Neonazi (*) für Zweifel an der Echtheit der Seite sorgen sollte. (**)

Kurz gesagt: Es ist nicht nur möglich, sondern durchaus wahrscheinlich, dass ein Großteil derjenigen, „die anfeuerten, […] „gefällt mir“ klickten und teilten“ sich dabei genauso über Pegida lustig gemacht haben wie derjenige, der das Fake-Profil erstellt hat. Diese Leute Pegida zuzuordnen erscheint mir insofern ähnlich sinnlos, wie jemanden, der begeistert ein Titanic-Heft mit Hitler auf dem Cover liest, deswegen als Nazi zu bezeichnen…

Was natürlich trotzdem bleibt, sind einige Kommentare, die durchaus ziemlich rechts wirken. Allerdings wurden diese erstens nur von einem kleinen Teil derjenigen geschrieben, die die Seite geliked haben, und zweitens ist auch hier nicht gesagt, dass es sich bei den Verfassern auch wirklich um Leute gehandelt hat, die das ernst meinen. Flamebaiting und Getrolle sind ja schließlich im Internet nicht gerade eine Seltenheit.

Meine Zusammenfassung des Ereignis würde insofern lauten:
– Irgendjemand hat auf Facebook mehr oder weniger erfolgreich eine Pegida-Satire inszeniert, die wahrscheinlich von einigen Leuten (die vermutlich die Artikel gar nicht wirklich gelesen haben) ernst genommen wurde.
– Ein paar Zeitungen haben so getan, als wäre ihnen jeder Wink mit dem Zaunpfahl völlig entgangen, um daraus einen Aufreger-Artikel machen zu können, woraufhin der für die Seite Verantwortliche das Ganze stolz „aufgeklärt“ hat.
– Selbiger hat darufhin auch gleich die Gelegenheit dazu genutzt, jeden Like seiner Seite zum „Pegidioten“ zu erklären, der die Satire nicht erkannt hat und vermutlich weil die Annahme, dass Pegida eh nur aus doofen Nazis besteht, gerade so beliebt ist, wurde das Märchen vom angeblich so erfolgreichen Fake selbst von einem normalerweise sehr skeptischen Medienjournalisten wie Herrn Niggemeier ohne weitere Nachfrage übernommen.

Fazit:
Warum sich die Mühe geben, einen erfolgreichen Fake aufzuziehen, wenn man doch genauso gut im Nachhinein den Erfolg faken kann…

 

(*) Das ist nur ein Beispiel! Ich habe keine Ahnung, ob der dümmste Neonazi zu Pegida gehört oder ob es bei Pegida überhaupt mehr als ein paar vereinzelte Rechtsradikale gibt…
(**) Bemerkenswerterweise entspringt dieses Zitat einem Satz, auf den sich die „auf den Fake hereingefallene“ Zeitung explizit bezieht! Man folgere daraus, was man will…

Heute hat die VG Media gegenüber Google „kapituliert“ und dazu diese Pressemitteilung herausgegeben:

https://www.vg-media.de/images/stories/pdfs/presse/2014/141022_pm_vgmedia_gratiseinwilligung-google.pdf
(Da ich mich nicht traue, aus der Pressemitteilung zu zitieren, ohne vorher einen Anwalt zu konsultieren, verlinke ich sie hier nur und gehe davon aus, dass jeder, der wissen will, was genau darin steht, sie sich selbst durchliest.)

Was auf den ersten Blick nach einem Sieg für Google klingt, ist in Wirklichkeit aber nur ein weiterer Angriff seitens der VG Media. Die „Kapitulation“ besteht darin, dass Google vorläufig eine Erlaubnis erteilt wurde, die Angebote der VG-Media weiterhin im gewohnten Maß in ihrem Index zu listen, ohne dafür zu bezahlen, zumindest so lange, bis ein Gericht klärt, ob die VGM Google dazu zwingen kann, ihre Angebote zu listen und auch noch dafür zu bezahlen. Man könnte hier wohlwollend von einer Waffenruhe sprechen.

Genau genommen tut die VG Media auch genau das, aber nicht in Bezug auf den aktuellen Status, den sie wie gesagt als „Kapitulation“ ihrerseits bezeichnen. Stattdessen werfen sie Google vor, sich einer „Waffenruhe“ verweigert zu haben, die offenbar darin bestanden hätte, dass Google erstmal ihre Angebote weiterhin wie gehabt listed und dafür zumindest so lange Geld bezahlt, bis ein Gericht klärt, ob sie das überhaupt tun müssen.

Kurz gesagt: Die VG Media hat offenbar die Bedeutung der Worte „Kapitulation“ und „Waffenruhe“ vertauscht und so wurde dann aus „VG Media bietet Waffenruhe an, weil Google nicht kapituliert“ stattdessen „VG Media kapituliert, weil Google sich einer Waffenruhe verweigert“. Ob die Tatsache, dass die VGM selbst in ihrer Pressemitteilung das Wort „Waffenruhe“ in Anführungszeichen setzt, als Eingeständnis gemeint ist, dass sie diesen Begriff nicht in seiner eigentlichen Bedeutung verwenden oder vielmehr darauf hinweisen soll, dass sie sich in der Verwendung dieses Begriffs nicht ganz sicher fühlen, da er in ihrem normalen Wortschatz nicht vorkommt, bleibt vorerst ungeklärt. Diesbezügliche Anfragen an den Verfasser der Pressemitteilung sind leider auch als alles andere als erfolgsversprechend zu betrachten, da eine Kommunikation über derartige Fragen nun einmal als Verständigungsbasis voraussetzen würde, dass beide Seiten in der selben Sprache kommunizieren, was aufgrund der offenkundig sehr starken Diskrepanz zwischen (Duden-)Deutsch und VGM-Sprech natürlich nicht zutrifft.

Da eine eine Kommunikation mit der VG Media also nicht möglich ist, wäre es wohl sinnvoller stattdessen zuerst einmal ein paar grundlegende Fragen zu klären, wie zum Beispiel die, ob das Leistungsschutzrecht sich nur auf journalistische Arbeiten beschränkt oder auch dadaistische Kunstprojekte wie die der VGM umfasst. Auch die Frage, wie deutsche Gerichte mit Klägern umgehen sollen, die in keiner allgemein anerkannten, menschlichen Sprache kommunizieren, wird noch viel Anlass zur Diskussion bieten.

Auch wenn diese scbwierige Situation für den Großteil unserer Gesellschaft äußerst unerfreulich ist, gibt sie doch zumindest für die linguistische Fachwelt Anlass zur Hoffnung: Nicht nur gibt es nun eine weitere Sprache, die erforscht werden kann, sondern es ist auch damit zu rechnen, dass in naher Zukunft betrachtliche Forschungsgelder verfügbar gemacht werden für die Suche nach einer rechtlich unanfechtbaren Kommunikation zwischen Gerichten und sprachlich beeinträchtigten Klägern bzw Beklagten.

Man kann also guten Gewissens sagen, dass der heutige Tag zwar einen großer Schritt für die menschliche Dummheit dargestellt hat, aber zugleich auch eine große Chance für die Wissenschaft mit sich bringt.

Amazon Instant Video (German Edition)

Veröffentlicht: 19. Oktober 2014 in Uncategorized

So langsam reicht es mir wirklich!

Eigentlich war ich immer ein zufriedener Amazon-Kunde, aber seit der Einführung von Amazon Instant Video (AIV) ärgere ich mich zunehmend nur noch über diesen Saftladen…

Dabei ist das Grundkonzept eigentlich toll: Ich kann mit meinem Prime-Account jetzt auch kostenlos diverse Serien und Filme anschauen. Zusätzlich kommen auch noch tolle Eigenproduktionen dazu, wobei zuerst nur die Piloten vorgestellt werden und danach kann man dann darüber mitentscheiden, was zu einer kompletten Serie ausgebaut wird.

Das wäre alles richtig toll, wenn ich in den USA leben würde und nicht in Deutschland.

Amazon.de bietet nämlich nur die Piloten an, die bereits bewilligt wurden und das mit großer Verzögerung… und deutschen Untertiteln… die man nicht abschalten darf…

Um das komplette Angebot anzuschauen, bleibt mir also doch nur das amerikanische Amazon. Wobei, eigentlich nicht, denn die lassen mich ja auch nichts ansehen, wenn ich aus Deutschland zugreife.

Die einzige Möglichkeit, auch in Deutschland alles zu kriegen, was eigentlich zu AIV dazugehört: Man kann es sich illegal besorgen, gibt ja genug derartige Quellen.

Nur: Wofür bezahl ich dann eigentlich Geld an Amazon?

Hobbys.

Veröffentlicht: 15. April 2014 in Uncategorized

ADHS-Logik

Veröffentlicht: 24. März 2014 in Uncategorized

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

erzaehlmirnix

Ich weiß, dass viele das anders sehen aber als jemand, der sich beruflich sehr ausführlich mit ADHS und der Behandlung dagegen befasst hat, bin ich absoluter Vertreter der o.g. Meinung. Ein Kind mit ADHS wird nie sein volles Potential ausschöpfen können, weil es sich nicht seiner Intelligenz entsprechend konzentrieren kann. Eine gesunde Skepsis gegenüber Medikamenten rechtfertigt m.E. nicht, eine Erkrankung unbehandelt zu lassen und damit das Kind immer zu zwingen sich mehr anzustrengen um weniger zu erreichen.

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