Mit ‘sexuelle gewalt’ getaggte Beiträge

Köln

Veröffentlicht: 8. Januar 2016 in Uncategorized
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Da ich momentan persönlich einiges habe, das meine Aufmerksamkeit erfordert, habe ich erst in den letzten Tagen erfahren, dass in Köln etwas passiert ist, denn so ziemlich jeder regt sich in der Hinsicht gerade über das Eine oder das Andere auf. Wirkliche Infos darüber, was überhaupt los ist, sind natürlich wie immer sehr spärlich geseht…

Was ich bisher rekonstruieren konnte:
Vermutlich an Sylvester oder Neujahr ist in Köln ein wütender Mob von ca. 100 bis 150 Männern, offenbar großteils oder sogar komplett aus Immigranten bestehend, unterwegs gewesen und hat während einem nicht genauer definierten Zeitraum im großen Stil Frauen sexuell belästigt und/oder vergewaltigt. Die Polizei hatte (wie immer) nicht genug Leute und war (wie immer) damit überfordert, für Ordnung zu sorgen.

Was wahrscheinlich nicht passiert ist:
All die „besorgten Bürger“, die im letzten Jahr auf den Straßen unterwegs waren, um gegen Flüchtlinge, Ausländer im Allgemeinen und den Verfall der deutschen Kultur zu demonstrieren, haben geholfen, das Schlimmste zu verhindern.

Was genauso wenig passiert ist:
All die besorgten Nazis, die im letzten Jahr regelmäßig Flüchtlingsunterkünfte terrorisiert und/oder angegriffen haben, haben sich schnellstens organisiert, um dem Mob entgegen zu treten.

Was mit absoluter Sicherheit passiert ist:
All die Menschen, die das Geschehen nicht selbst miterlebt haben, geschweige denn auch nur das geringste getan haben, um in diesem Moment zu helfen, regen sich furchtbar auf und/oder schlagen völlig idiotische Lösungen für das vor, was sie als das eigentliche Problem identifiziert zu haben denken:

Irgendeine Politikerin aus Köln, ich glaube die Oberbürgermeisterin, hat vorgeschlagen, dass Frauen sich an einen nicht genauer definierten Verhaltenskodex halten sollten, um sich vor solchen Situationen zu schützen. Ich persönlich finde, dass das sehr vernünftig klingt und schlage als Verhaltenskodex vor: Wenn dich ein Mann begrabscht, ohne dass du es willst, sag ihm einmal klar „nein!“ oder „stop!“ und wenn das nicht reicht, tritt ihm in die Eier und renn weg. Wenn in die Eier treten und wegrennen gerade keine Option ist, setze alle verfügbaren Mittel ein, um dich zu verteidigen.

Das wundervolle an dieser Lösung: Kein Politiker muss dafür irgendetwas tun, denn sexuelle Nötigung ist bereits strafbar und Gewaltanwendung zum Selbstschutz (kurz: „Notwehr“) ist legal.

Was ich damit nicht sagen will:
Die Opfer sind selbst schuld.

Natürlich ist es immer die Schuld des Täters, wenn er eine Straftat begeht und das Opfer ist daran natürlich nicht schuld. Das ist keine Frage, über die man diskutieren muss, sondern schlichtweg die Definition von „Täter“ und „Opfer“.

Was ich stattdessen damit sagen will:
Die Opfer hätten sich besser verteidigen können, wenn sie vorher gelernt hätten, sich zu verteidigen. Natürlich sollte man in einem Rechtsstaat darauf vertrauen können, dass die Staatsgewalt in der Lage ist, die geltenden Gesetze durchzusetzen und jeden einzelnen Bürger zu beschützen.
Nichtsdestotrotz hat jeder Mensch hierzulande das gesetzlich festgeschriebene Recht, sich im Notfall mit allen nötigen Mitteln selbst zu verteidigen. Für mich ergibt sich daraus, dass jeder Mensch sich selbst gegenüber(!) die Verpflichtung hat, zu lernen, wie er sich im Notfall verteidigen kann, übrigens vollkommen unabhängig von seinem Geschlecht.

 

Der eigentliche Streitpunkt ist aber ein anderer:
Der Grund, warum sich alle über die Aussage ärgern, die ich gerade noch als sehr vernünftig bezeichnet habe, ist dass damit wohl in Wirklichkeit weniger gemeint war, dass Frauen Selbstverteidigung lernen sollen, sondern vielmehr, dass sie darauf achten sollen, wie freizügig sie sich kleiden, um die Aufmerksamkeit potentieller Täter nicht auf sich zu lenken.
Das ist einerseits eine sehr bedenkliche Aussage, weil sie von einer Politikerin kommt und andererseits aber auch ein sehr hilfreicher(!) Rat, denn momentan ist nunmal die Situation so, dass Frauen nicht(!) sicher sind vor sexuellen Übergriffen und unabhängig davon, wie die Dinge sein sollten, oft vor genau zwei Optionen stehen: Entweder sie schützen sich selbst, indem sie ihre Sexualität verstecken oder sie riskieren, dass sie aufgrund ihrer offen gezeigten Sexualität ins Visier von Straftätern geraten.

Das ist scheiße, aber leider ist diese Scheiße nunmal die Realität, in der wir gerade leben!

Auf die Frage bezogen, wie Frauen sich kurzfristig davor schützen können, dass ihnen ähnliches passiert wie den Opfern in Köln, ist leider wirklich der beste Ratschlag: Versucht, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen, denn ihr seid nicht sicher!

Und so kommen wir zum nächsten Problem:
Frauen sind in unserem Land (und meines Wissens auch nirgendwo sonst auf der Welt) nicht sicher vor sexuellen Übergriffen. Dass dieser Zustand inakzeptabel ist und dringend eine Lösung für dieses Problem gefunden werden muss, sollte eigentlich außer Frage stehen und das tut es auch. Seit ich denken kann, war der gesellschaftliche Konsens (zumindest in meinem Umfeld), dass Sexualstraftaten schlimm sind und verhindert werden müssen. Leider hat, seit ich denken kann, aber noch niemand eine optimale Lösung gefunden, die gleichzeitig Sexualstraftaten und die Bestrafung von unschuldig Beschuldigten verhindert…

Was also eigentlich jedem bewusst sein sollte:
Sexualstraftaten sind ein Problem in unserer Gesellschaft und wir haben für dieses Problem keine effektive Lösung.

Was stattdessen immer wieder gefordert wird: 
Härtere, bessere, „fairere“ Gesetze.

Heute habe ich auf Facebook gelesen, dass der Paragraph im deutschen Strafgesetzbuch, der sexuelle Nötigung und Vergewaltigung regelt, deshalb ineffektiv ist, weil das Verhalten des Opfers (sprich: die Frage, ob es sich ausreichend gewehrt habe) ausschlaggebend sei, um die Schuld des Täters festzustellen.

Mein erster Gedanke dazu:
Das kann so nicht richtig sein!

Praktischerweise wurde sogar der entsprechende Paragraph im StGB genannt, so dass ich direkt danach googlen konnte und ihn ca. 20 Sekunden später im Originaltext vor Augen hatte. (Spoiler: Das Verhalten des Opfers wird dabei überhaupt nicht erwähnt, weil es für die Definition des Tatbestands auch überhaupt nicht relevant ist.)

Das wirkliche „Problem“:
In Deutschland gilt die sogenannte „Unschuldsvermutung“, was bedeutet, dass jeder Mensch solange als unschuldig zu betrachten ist, bis ihm vor Gericht eine Schuld nachgewiesen wurde.

Diese Regelung ist prinzipiell extrem sinnvoll, denn ohne sie könnte unser Staat jeden Bürger, der ihm nicht passt, einfach wegsperren für etwas, dass der besagte Bürger nicht getan hat. Die Unschuldsvermutung ist unser wichtigster Schutz vor staatlichem Machtmissbrauch!
Die „Schattenseite“ dabei ist natürlich, dass ein Täter ungestraft davon kommt, wenn niemand beweisen kann, dass er eine Straftat begangen hat, was in der Praxis meistens darauf hinaus läuft, dass das Opfer einer Vergewaltigung beweisen muss, dass es sich dabei auch wirklich um eine Vergewaltigung und nicht um einvernehmlichen Sex gehandelt hat.

Leider gibt es aber keine Alternative:
Würden wir die Beweislast bei Sexualstraftaten umkehren, müsste jeder Mensch, dem etwas derartiges vorgeworfen wird, seine Unschuld beweisen (was praktisch unmöglich ist, weil für gewöhnlich beim Sex, egal ob einvernehmlich oder nicht, normalerweise keine Zeugen anwesend sind) und jede Anklage, ob Wahrheit oder Lüge, würde zur Verurteilung führen.

„Aber die Situation, dass Männer unschuldig eine Vergewaltigung vorgeworfen bekommen, passiert viel seltener, als dass eine Frau wirklich vergewaltigt wird und ihr keiner glaubt!“:
Das liegt einzig und allein daran, dass wir die Unschuldsvermutung nunmal haben. Würden wir die Beweislast umdrehen, würde das eine sehr attraktive Möglichkeit für moralisch uneingeschränkte Menschen schaffen, um sich jeden, der ihnen auf die Nerven geht, vom Hals zu schaffen.

Und es würde nicht einmal den weiblichen Opfern von Sexualstraftaten helfen, denn:
Eine derartige Regelung muss geschlechtsneutral gehalten werden, um nicht gegen unser Grundgesetz zu verstoßen. Infolgedessen könnten männliche Vergewaltiger dann nicht mehr nur ungestraft davon kommen, sie hätten dann sogar die Möglichkeit, erst eine Frau zu vergewaltigen, sie hinterher anzuzeigen und das Opfer würde verurteilt werden, weil es keine Chance hätte, seine Unschuld zu beweisen. Die Unschuldsvermutung bei Vergewaltigungen umzukehren ist kein Lösungsansatz, sondern einfach nur ein völlig bescheuerter, halbgarer Gedanke, der zu absolut nichts sinnvollem führen kann!

Was wirklich helfen würde:
mehr Geld für unsere Polizei!

Während im Verlauf der letzten zehn Jahre immer mehr Überwachung aufgebaut wurde, die unsere Privatsphäre einschränkt, wurde gleichzeitig immer wieder das Budget gekürzt für echte Polizisten, die ein Verbrechen nicht nur hinterher aufklären können, sondern dazu in der Lage wären, es noch rechtzeitig zu verhindern. Überraschenderweise ist dadurch unser Land nicht sicherer geworden…

Und was das Problem mit diesen furchtbaren Ausländern und ihren barbarischen, unmenschlichen Sitten betrifft:
mehr Geld für unsere Polizei!

Mal im Ernst: Denkt irgendwer wirklich, dass die Polizei die Situation besser unter Kontrolle gehabt hätte, wenn der vergewaltigende Mob nur aus Deutschen bestanden hätte?!

Ok, vermutlich gibt es wirklich Menschen, die so etwas unsinniges denken und dabei nicht den Fehler sehen, aber irgendwann ist auch mal der Punkt erreicht, wo es keinen Sinn mehr macht zu diskutieren…

 

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